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Zwischen Macht und Moral

Kann ein Manager moralisch handeln im globalen Kapitalismus? Mit dieser Frage beschäftigen sich drei Autoren, ein Neoliberaler, ein Moralist und ein Theologe und sie kommen dabei zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen.

HB KÖLN. Schon seit geraumer Zeit beschäftigen sich Ökonomen und Manager mit der Frage, wie viel Ethik in der Wirtschaft möglich ist. Vor zwei Jahren etwa hat Siemens-Chef Heinrich von Pierer gemeinsam mit dem Philosophen Karl Homann und der Verfassungsrichterin Gertrud Lübbe-Wolf das Buch "Zwischen Profit und Moral" vorgelegt. Ihr wichtigstes Ergebnis: Appelle an das individuelle Gewissen bringen uns nicht weiter. Vor 220 Jahren konnte Immanuel Kant noch das Pflichtbewusstsein des Einzelnen einfordern. Heute ist der Ehrliche viel zu oft der Dumme, denn sein Verhalten lässt sich in der Massengesellschaft praktisch nicht mehr kontrollieren.

Liberale Ökonomen plädieren deshalb seit jeher für eine utilitaristische Ethik. Ethisches Verhalten soll Anreizen folgen - durch ein vernünftiges Regelwerk, das den Opportunismus der Menschen berücksichtigt. In diese Richtung denken auch die meisten Autoren des Sammelbands "Ethik im Management".

Hans Lenk und Matthias Maring warnen etwa vor den "sozialen Fallen" der Individualmoral. Auch Nobelpreisträger Joseph Stiglitz betont die Bedeutung von rationalen Regeln der Gerechtigkeit - wie sie der Philosoph John Rawls entwickelt hat.

Viele direkte Anreize zum Guten seien der modernen Marktwirtschaft ohnehin eingebaut, argumentiert Herausgeber Hans Ruh: Nur Unternehmen, die ehrlich sind, die fair und nachhaltig wirtschaften, werden auf gesättigten Märkten langfristig vom Verbraucher akzeptiert. Die "marktlogische Bedeutung der Ethik steigt", schreibt Ruh, der darin bereits die "Umrisse eines neuen Modells" für die globalisierte Wirtschaft zu erkennen glaubt.

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