
DüsseldorfDer Schatten Richard Wagners ist lang. Sehr lang. Fast vier Meter ragt er in die Höhe und ist damit mehr als doppelt so hoch wie die Nachbildung des Komponisten selbst. Als junger Mann in blauer Jacke steht Wagner da, den Arm in die Seite gestützt. Mit einer Größe von 1,66 Metern hält sich das Denkmal ziemlich genau an das recht kleine Vorbild. Eins will Markus Käbisch nämlich auf keinen Fall: Den Musiker größer machen als er war.
Wenn der Solarunternehmer heute mit dem Oberbürgermeister von Leipzig das Denkmal zu Ehren dieses berühmten Sohns der Stadt einweiht, ist der Jubel sehr genau dosiert, dann wird eben nicht nur das Werk des berühmtesten deutschen Opernkomponisten geehrt, sondern auch berücksichtigt, dass dieser nachweislich ein Antisemit war. Damit das auch wirklich niemand vergisst, ist da diese schwarz lackierte Silhouette von vier Metern Größe – ein Schatten, viel größer als der Künstler selbst.
„Richard Wagner ist kompliziert“, sagt Markus Käbisch. Das gilt für fast alles an ihm: Die Musik, die zwischen Bombastereien und zarter Verletzlichkeit wandelt, seine gebrochene Biographie, die ungewöhnliche Wirkungsgeschichte und die Faszination, die er mit alldem bis heute auslöst.
Wagner kommt am 22. Mai 1813 in der sächsischen Stadt zur Welt. Er verbringt dort prägende Jugendjahre. Der junge Mann hat zwar keinen Schulabschluss, dennoch schreibt er sich 1831 an der Universität als Student der Musik ein.
Im Februar 1843 wird er Kapellmeister an der Hofoper. Seine Oper „Rienzi“ hatte dort im Oktober zuvor eine triumphale Uraufführung gefeiert. Wegen seiner Teilnahme am Dresdner Mai-Aufstand 1849 wird Wagner steckbrieflich gesucht und flieht im Oktober in die Schweiz. Erst 1860 darf er wieder deutschen Boden betreten.
„Dort in der Schweiz sind wir wie zu Hause“, lockt er seine Frau Minna. Sie folgt ihm im September 1849. Neun Jahre lang, bis zum August 1858, leben beide in der damals noch kleinen Stadt. Wagner lernt dort seine Muse Mathilde Wesendonck und ihren Mann kennen. Sie unterstützen den notorisch abgebrannten Künstler. Im April 1857 beziehen die Wagners ein Sommerhaus im Park der Villa Wesendonck. 1858 verlässt Wagner Zürich. Seine Ehe mit Minna ist gescheitert.
Wagner verbringt nur 1864/65 in München, aber unter anderem Skandale um verprasstes Geld machen die zwei Jahre zu einer spannenden Episode. Sein größter Fan, Bayernkönig Ludwig II., unterstützt ihn finanziell. Doch Wagner fällt bei den Münchnern und dem Staatsapparat derart in Ungnade, dass ihn der König bittet, die Stadt zu verlassen. Der Künstler zieht wieder in die Schweiz.
Für sechs Jahre, von 1866 bis 1872, lebt Wagner mit seiner zweiten Frau Cosima und ihren Kindern ein Familienidyll in einem Landhaus in Tribschen, einer Landzunge am Vierwaldstättersee bei Luzern. Hier besuchen ihn unter anderem Ludwig II. und Friedrich Nietzsche. Wagner verlässt Tribschen für seine Festspielhaus-Pläne in Bayreuth.
Als Wagner kommt, ist Bayreuth ein Provinzstädtchen. Das Grundstück für sein eigenes Festspielhaus stellen die Stadtväter zur Verfügung, beim Bau des Opernhauses und des Hauses Wahnfried unterstützt ihn erneut der Bayernkönig. Im April 1874 zieht die Familie in Haus Wahnfried ein. Im August 1876 feiern die Festspiele mit dem erstmals vollständig aufgeführten „Ring des Nibelungen“ ihre Premiere. Heute sind Wagner und die jährlichen Festspiele Bayreuths wichtigste Markenzeichen.
Die italienische Lagunenstadt zählt zu Wagners Lieblingsorten. Hier stirbt er am 13. Februar 1883 an einer Herzattacke. Er weilte schon seit September in der Stadt, um dem fränkischen Winter zu entgehen. Ein Sonderzug bringt Wagners Leichnam über die Alpen nach Bayreuth, wo er in einer Gruft im Garten der Villa Wahnfried beigesetzt wird.
Für Käbisch stand am Anfang ein seltsames Verantwortungsgefühl. Eines Tages erfuhr er, dass er mit Wagner, dem Komponisten, den er seit seiner Jugend sehr schätzt, etwas gemeinsam hat – beide sind in Leipzig geboren und aufgewachsen. Das war neu für ihn. Denn Leipzig gibt sich gerne als Musikstadt, als Heimat von Mendelssohn und Bach und feiert alljährlich große Feste zu Ehren der beiden Komponisten. Doch für Wagner gibt es nicht mal eine Gedenktafel.
Sieben Jahre ist es her, dass Markus Käbisch beschloss, das zu ändern. Er gründete einen Verein zur Errichtung eines Wagner-Denkmals. Die Stadtverwaltung signalisierte schon früh, ein solches Vorhaben finanziell nicht unterstützen zu wollen. Deshalb tüftelte Käbisch, selbst promovierter Betriebswirt, ein Konzept aus, mit dem er Sponsoren aus der Wirtschaft überzeugen wollte. Doch sowohl die Großen wie BMW und DHL, wie auch die kleineren Unternehmen vor Ort winkten schnell ab. Ein Wagner-Denkmal war vielen zu heikel.

Wagner ist gewaltig. Eine Musik, die einen umhämmert. Die kleinen angepassten Kritiker, die heute unbekümmert an ihm kratzen möchten, können ihm nicht das Wasser reichen.
Wagner hat übrigens als einziger (gut, neben dem anderen Deutschen Lorzing) die Texte für seine Opern selbst geschrieben. Eben ein Genie unter Generationen von geistigen Einzellern... seine weiblichen Nachkommen ausdrücklich eingeschlossen.

Wenn ich das schon lese: "problematische Ansichten" .....
Wenn man nur lange genug sucht, wird man so etwas wohl in nahezu jeder Biographie finden können - egal ob Künstler oder nicht.
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Die "Musik" von Richard Wagner konnte ich nie ausstehen; das ist etwas für hartgesottene "Möchtegerngermanen"...
Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.
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