Kultur + Literatur

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Anleitung zum Glücklichsein: Macht ist Glück

Wie werden Sie Milliardär? Nicht mit Sparsamkeit – sondern durch Riskieren und Investieren. Doch fehlt die Antwort auf die Frage: Macht das viele Geld wenigstens Sie selber glücklich? Macht es zufrieden? Eine Anleitung.

Ist es vernünftig, das Fehlen von Unglück mit dem Etikett "Glück" zu versehen? Foto: dpa Quelle: dpa
Ist es vernünftig, das Fehlen von Unglück mit dem Etikett "Glück" zu versehen? Foto: dpa Quelle: dpa

DÜSSELDORF. Wann sitzt man schon mit einem leibhaftigen deutschen Milliardär an einem Tisch und sieht ihm beim Geldverdienen zu? Ich hatte die Chance vor ein paar Jahren in Madrid, und der Eindruck war nachhaltig.

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Seine Frau, vom verspäteten Flug erschöpft, verlangte nach Champagner. Ihr Mann, auf fünf Milliarden Euro geschätzt, studierte die Weinkarte und sprach die goldenen Sätze: „Champagner kostet fünfmal so viel wie spanischer Sekt. Er kann unmöglich fünfmal so gut sein. Wir nehmen spanischen Sekt.“ Zu diesem erstaunlichen Tischgespräch drängen sich vier Gedanken auf:

1. Die Entscheidung des Milliardärs war rechnerisch durchaus vernünftig.

2. Unfehlbar provoziert sie die Großmutter-Weisheit „Seht ihr – so kommt man zu Geld!“ Doch eine Weisheit ist das nicht. So bringt man es nämlich allenfalls zu einem Bausparhäuschen. Wenn das beispielsweise 300 000 Euro kosten würde, ließen sich für fünf Milliarden mehr als 16 000 solcher Häuschen errichten; und nicht einmal Großmütter würden behaupten, dass die allesamt aus Champagnerverzicht finanziert werden könnten. Zu Milliarden bringt man es niemals durch Sparsamkeit – sondern durch glückliche Umstände und den Riecher für sie, durch Riskieren und Investieren, durch Habgier und Brutalität.

3. Überdies ist die Korrektheit des Sektvergleichs höchst vordergründig. Denn angenommen, der Milliardär hätte damit 50 Euro eingespart, so hätte es sich um den einhundertmillionsten Teil seines Vermögens gehandelt – so, als packte ihn der Ehrgeiz, den Preis für eine Fünf-Millionen-Villa um fünf Cent zu drücken. Wenn es ihm jedoch gelänge, Tag für Tag bis an sein Lebensende 50 Euro auf die Seite zu legen, so würde er 273 972 Jahre leben müssen, um fünf Milliarden aufzuhäufen. Anders gerechnet: Bei einer Verzinsung mit nur fünf Prozent würden die fünf Milliarden jährlich 250 Millionen erbringen, das hieße 685 000 Euro pro Tag oder 50 Euro in ebenjenen sechs Sekunden, die das Lob des spanischen Sekts ungefähr gedauert hat.

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