Kultur + Literatur

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„Django Unchained“-Start: Im Western nichts Neues

Western-Fans jubeln angesichts des „Django Unchained“-Erfolgs von einer Renaissance des Genres. Doch die wahren Western spielen nicht mehr dort, wo der Staub weht, sondern vor den Bildschirmen der Investment-Banker.

Szene aus „Django Unchained“ mit Christoph Waltz (li.) als Kopfgeldjäger Dr. King Schultz und Jamie Foxx als Django.
Szene aus „Django Unchained“ mit Christoph Waltz (li.) als Kopfgeldjäger Dr. King Schultz und Jamie Foxx als Django.

DüsseldorfEs gibt ein paar Leute, die jubeln angesichts des Erfolgs von Tarantinos „Django Unchained“ bereits von einer Renaissance des Westerns. Man trage wieder Colt, behaupten sie. Und man ziehe wieder schneller. Ein paar Dollar mehr sollen da als Motivation schon reichen. Sie schwärmen vom Mythos des einsamen Rächers, dem seine Waffe und sein Pferd näher sind als alle bürgerlichen Bindungen und der neben seinem Freiheitsdrang allenfalls noch eine schöne Frau einen Hauch von Melancholie in seine Lebensmotivation tröpfeln lässt.

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Der Western

  • Der Mythos

    Im Mittelpunkt des Western steht der US-amerikanische Mythos der Eroberung, Urbanisierung und Bevölkerung des Westens der Vereinigten Staaten im neunzehnten Jahrhundert. Entsprechende Romanwerke werden meist als Trivialliteratur gewertet.

  • Der größte Erfolg

    Mit einem Einspielergebnis von rund 424 Mio. US-Dollar ist Der mit dem Wolf tanzt der erfolgreichste Western an den Kinokassen, wenn er auch vom genreüblichen Muster des Western abweicht.

  • Die klassischen Figuren

    Der klassische Western ist in seinen handelnden Figuren stark festgelegt. Im Mittelpunkt stehen meist der gute, zuweilen naiv wirkende, aber wehrhafte Cowboy oder Sheriff und sein Konterpart, der skrupellose Bösewicht. Zwischen den Hauptakteuren steht häufig eine Frau, um die ein Kampf zumeist mit Revolvern oder Fäusten ausgetragen wird.

  • Wiederkehrende Elemente

    Auch die Szenerie ist auf wesentliche Elemente festgelegt, etwa Fort oder die kleine Stadt, der Saloon mit Whiskey und Kartenspiel, Planwagentrecks der Siedler, Goldsucher und Trapper, die von Osten nach Westen durch die weite Landschaft sowie Indianerdörfer.

  • Motive

    Wichtige Elemente sind häufig der Bank- oder Postkutschenraub. Am Ende steht meist das Duell Mann gegen Mann mit den Waffen.

  • Fiktion und Realität

    Die Westernhelden und Cowboys, wie sie in Western-Filmen dargestellt werden, sind eine Kunstschöpfung, die nicht nachträglich, sondern im selben Moment erfunden wurden, als ihre Vorbilder im Westen das Land erkundeten.

  • Varianten des Genres

    Karl-May-Filme, DEFA-Indianerfilm (als Konterpart der DDR zu den karl-May-Filmen, Anti-Western (entstanden in den 60er Jahren, arbeitet gezielt gegen die Helden-Klischees), Neo-Western, Italowestern (entstanden in den 60er Jahren als Weiterentwicklung und Persiflage der bestehenden Western, Hauptvertreter ist Sergio Leone), Urban Western (etwa Actionfilme wie WARRIORS, welche in einer „modernen“ Stadt spielen, aber Westernelemente enthalten),

In Wahrheit ist der Western auch nach Tarantinos bluthaltiger Reminiszenz immer noch so tot wie ein lahmer Cowboy nach einem für ihn ungünstig eskaliertem Showdown auf der Highstreet einer als Stadt missverstandenen Bruchbudenansammlung. Die wahren Western von heute spielen nicht mehr dort, wo der Staub weht, die echten Gesetzlosen reiten nicht mehr, und sie trinken keinen Whisky.

Sie hocken koksend vor Bildschirmen, und ihre Waffen sind schnelle Klicks, mit denen sie viel mehr Geld verdienen als es ein unanständiger Kuhjunge mit einem Banküberfall je könnte. Manche sagen gar, verwegene Investmentbanker hätten lange schon die Rolle der Westernhelden übernommen. Sie basteln sich ihre Gesetze selber, klicken schneller als ihr Schatten, aber wer falsch klickt, kann schnell die Staubmäuse unter seinem Schreibtisch zählen.

Aus gutem Grund ist der 100. Geburtstag des ersten Westerns im Jahre 2003 nur sehr verhalten gefeiert worden. Zu fern liegt das, was sich 1903 mit dem Kinofilm „Der große Eisenbahnraub“ andeutete, was in den 50er- und 60er-Jahren seine Blütezeit feiern und dann langsam in der Versenkung verschwinden sollte.

Es hat schon einen guten Grund, warum Western vor allem in der Nachkriegszeit so viele Menschen in die Kinos zogen. Geschichten von Outlaws, die ungeordnete Verhältnisse wieder richten, erfreuen sich eben genau dann großer Beliebtheit, wenn die individuelle Perspektive geprägt ist von Chancen, aber auch von Risiken. Ein bisschen scheint es, als ähnelte das keimende Wirtschaftswunder jenen Zeiten, in denen es reichte, ein Pferd zu satteln oder einen Planwagen durch die Prärie nach Westen zu lenken. Es half halt der unsicheren Seele, im Kino zu sehen, wie die Verhältnisse aus der Bahn geraten, wie sie am Schluss aber wieder in Harmonie erstrahlen.

  • 16.01.2013, 21:08 UhrD-Lux

    Investmentbanker = moderne Cowboys?
    So einen Blödsinn habe ich ja schon lange nicht mehr in einer ernstzunehmenden Zeitung gelesen...

  • 17.01.2013, 11:35 UhrQwertz

    Ja, der Zusammenhang zum Western-Genre und zum Rest des Artikels wird nicht deutlich.

    Ein (relativ) moderner Western, der mir noch einfällt ist 3:10 to Yuma (Todeszug nach Yuma) von 2007 mit Russel Crowe und Christian Bale. Allerdings auch ein Remake, aber ein sehr gutes!

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