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Eine Woche „Gottschalk Live“: Der tiefe Quoten-Fall des Thomas Gottschalk

Viele Zuschauer, Witz und frische Ideen – Fehlanzeige. Nach einer Woche „Gottschalk Live“ steht fest: Das TV-Publikum wird allabendlich Zeuge der Selbstdemontage des einstigen Königs der Samstagabend-Unterhaltung.

TV-Moderator Thomas Gottschalk in seinem „Gottschalk Live"-Studio in  Berlin. Quelle: dpa
TV-Moderator Thomas Gottschalk in seinem „Gottschalk Live"-Studio in Berlin. Quelle: dpa

DüsseldorfSchon am Ende der ersten Sendung war der ehemalige König der Showmaster am Boden: „Ich brauche jeden Zuschauer", flehte Thomas Gottschalk in die Kamera, auf dem Studioboden kniend, die Hände gefaltet. Tatsächlich entpuppte sich diese Bitte, offensichtlich als Akt der typisch Gottschalk'schen Koketterie gedacht, zum Ende seiner ersten Talkwoche als beängstigend prophetisch. Seine Vorabendshow „Gottschalk Live" hat einen Fehlstart nach Maß hingelegt.

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Die Quoten fielen von Tag zu Tag. Von 4,34 Millionen (Marktanteil: 14,3 Prozent) zur Premiere am Montag, 2,43 Millionen (Marktanteil: 8,6 Prozent) am Dienstag, 2,2 Millionen (7,8 Prozent) am Mittwoch bis zum vorläufigen Tiefpunkt am Donnerstag, als nur noch 1,83 Millionen (6,7 Prozent) um 19.20 Uhr einschalteten. Quoten-Katastrophe statt Quotenrenner. So hatte sich die ARD, die mit dem Format im Vorabend-Quotenloch hatte punkten wollen, das nicht vorstellt.

Gute Gäste, aber keine Themen

Dass mit dem Vorabend-Boulevardtalk ein revolutionärer Coup gelingen würde, hatte niemand ernsthaft erwartet. Für die ARD war die Verpflichtung von Gottschalk für nicht ganz vier Millionen im Jahr offenbar Coup genug. Kantige, unkonventionelle Formate sind ohnehin eher was für die Testlabor-Sendeplätze der Öffentlich-Rechtlichen ab 23 Uhr - auch, wenn sich Gottschalk selbst gern als Programm-Revoluzzer gesehen hätte.

Gottschalks Karrierestationen

  • Ab 1971

    Freier Mitarbeiter des Jugendfunks beim Bayerischen Rundfunk (BR), ab 1973 Sprecher der „Abendschau“-Nachrichten.

  • 1976

    Gottschalk wird beim BR Festangestellter und heiratet seine Thea. Erfolg mit witzigen Radiomoderationen bei „Pop nach acht“.  

  • 1977

    Er moderiert die Sendung „Telespiele“, die zunächst in einigen Dritten Programmen und ab 1980 bundesweit bei der ARD läuft.

  • 1982

    Mit Mike Krüger ist Gottschalk im Kinofilm „Piratensender Powerplay“ zu sehen. Weitere Filmrollen folgen. Zudem wechselt Gottschalk zum ZDF. Bis 1987 präsentiert er dort „Na sowas“, eine Mischung aus Talk- und Musikshow.

  • 26. September 1987

    Er moderiert erstmals die ZDF-Sendung „Wetten, dass..?“ als Nachfolger von Frank Elstner.

  • 1990

    Gottschalk arbeitet auch für RTL. Von 1992 bis 1995 moderiert er eine Late-Night-Show. 1992/1993 pausiert er bei „Wetten, dass..?“

  • 1995 bis 1997

    Neben „Wetten, dass..?“ moderiert er „Gottschalks Hausparty“ bei Sat.1.

  • 1999

    Mit seinem Bruder Christoph gründet er die Vermarktungsfirma Dolce Media GmbH in München.

  • 3. Dezember 2011

    Gottschalk moderiert zum letzten Mal „Wetten, dass..?“. Es ist seine 151. Show.

  • 23. Januar 2012

    Die Vorabendshow „Gottschalk live“ startet in der ARD.

Doch witzig und unerwartet kann Gottschalk eben nicht und es daher auch weder vom Esprit noch vom Unterhaltungswert her mit jüngeren Formaten wie denen von Klaas Heufer-Umlauf und Joko Winterscheidt („Neoparadise“, ZDFneo) oder Kurt Krömer („Kurt Krämer Show“, rbb) aufnehmen, die sogar inhaltlich substantiell unterhalten können. Ein Armutszeugnis für die Programmmacher der ARD, dass sie es Gottschalk trotzdem in dieser Form versuchen ließen.

Ganz „interaktiv“ sollte dessen Show werden. Aber allein Zuschauer über soziale Netzwerke Fragen stellen zu lassen und das dann als die Neuerfindung der Zuschauerbeteiligung zu verkaufen – wenn auch nicht ganz ernst – wirkt nur peinlich. Besonders, wenn der Mann im Zentrum der Show verkündet, seine Mitarbeiterin Caro habe ihn „in dieses Facebook geschleppt“. Diese Ferne von der anvisierten Zielgruppe schlug sich auch in den Quoten nieder. Selbst zum Start schalteten noch nicht mal eine halbe Million der 14- bis 49-Jährigen ein.

  • 31.01.2012, 19:38 UhrAnonymer Benutzer: ju-wi51

    Was setzt man uns da vor? Der Name Gottschalk ist abgegriffen! Die Sendung ist uninteressant und langweilig!

  • 27.01.2012, 16:43 UhrAnonymer Benutzer: Tragisch

    Nur weil's "die und den ein oder andere/n" tatsächlich gibt: Weiß man eigentlich schon irgendwas zu einem Plan B der ARD in dieser Angelegenheit?- "Der Rest" ist für oben benannte Zielgruppe nämlich schon durch.

  • 27.01.2012, 16:42 UhrAnonymer Benutzer: langerbe

    Von der Sache her hat die Autorin sicher recht, stellt sich nur die Frage, ob das "Handelsblatt" genauso urteilen würde, wenn die Sendung ein Quotenerfolg wäre...?

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