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Eurovision Song Contest: Hurra, wir haben das ESC-Fieber überlebt

Aserbaidschan hat den Eurovision Song Contest gewonnen. Dass Lena am Ende nur Zehnte wurde, ist egal, findet unser Autor Alexander Möthe. Viel wichtiger: Düsseldorf hat die ESC-Gleichschaltung schadlos überstanden.

Nigar Jamal und Eldar Qasimov freuen sich über den Titel. Quelle: dapd
Nigar Jamal und Eldar Qasimov freuen sich über den Titel. Quelle: dapd

DüsseldorfEs ist deutlich nach Mitternacht, als feststeht, dass Aserbaidschan den Eurovision Song Contest gewonnen hat. Es gibt noch einmal Punkte und dann ist klar – Ell/Nikki haben den einstigen Grand Prix zu ihren Gunsten entschieden. Eine kleine, aber lautstarke Bastion aserbaidschanischer Pressevertreter ist zu diesem Zeitpunkt erstaunlich zurückhaltend; die Stunde zuvor wurde jeder einzelne Punkt frenetisch bejubelt.

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Das zweite Mal „Running Scared“ markiert an diesem Abend den Endpunkt zweier fast magischer Wochen. Interpreten und Delegationen, Journalisten und Volunteers werden nach 14 Tagen in einer Parallelwelt zurück in die Realität befördert. Nur für die Sieger geht der Traum noch weiter.

Wären EU-Gipfel so harmonisch wie das Treffen in Düsseldorf, Europa bliebe wohl manches Leid erspart. 43 Nationen nahmen am Eurovision Song Contest teil, Besucher und Fernsehteams kamen sogar aus Australien, um den größten Musikwettbewerb überhaupt mit zu verfolgen. Das hat durchaus positive Auswirkungen auf die Landeshauptstadt am Rhein. Keine Metropole, aber immerhin Weltdorf.

Schon Stunden vor dem Finale drängeln sich Tausende Fans in die Wagen der Rheinbahn. Briten, Spanier, Isländer, vereinzelt auch Finnen, erstaunlich viele Georgier. Zehntausende Zuschauer in der Esprit Arena wollen sich das Spektakel ESC nicht entgehen lassen. Im Minutentakt fahren die Züge in den Bahnhof ein, Gedränge oder Pöbeleien gibt es nicht. Ein bisschen Frieden reloaded.

Der Funke der Völkerverständigung springt dann auch in der Arena über. Schon beim Einheizen kocht die Halle, die sonst – mit offenem Verdeck – dem Zweitligisten Fortuna Düsseldorf als Spielstätte dient. Könnte der Song Contest die Probleme der Welt lösen? Sind Zipfelmützenträger aus Moldau der Schlüssel zur finalen Konfliktbewältigung? ESC als kulturelle Stammzellentherapie?

Es ist erstaunlich, dass eine Aneinanderreihung von 25 mal mehr, mal minder belanglosen Songs einen solchen Apparat bewegt. Und es zeigt, wie viel Geld hier im Spiel ist. Die Produktionskosten sind mit zwölf Millionen Euro veranschlagt, welche Summen zwischen den Veranstaltern und Sponsoren wie Metro, Henkel, Lufthansa oder Vodafone fließen, kann nur gemutmaßt werden.

Die ganze Leistung ist umso erstaunlicher, weil hier zwei Wochen lang eine sehr heterogene Stadt in das Korsett der ESC-Gleichschaltung gezwängt wurde, ohne dass irgendwo ein Riemen gerissen wäre. Hotels und Gastronomie konnten sich über willkommene Zusatzeinnahmen freuen, gerade in den Brauhäusern der Stadt tummelten sich fröhlich ihre Akkreditierungsausweise schwingende Mikrokosmen aus ganz Europa. Dass Lena am Ende nur Zehnte wird, ist vollkommen egal. Mit einem Sieg hat niemand, auch nicht die zahlende Wirtschaft, gerechnet. Was hier zählt, sind die gute Show und die Aufmerksamkeit von 100 Millionen Fernsehzuschauern.

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