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Interview: „Die Zukunft wird grausam“

Tomi Ungerer spricht über innere Zufriedenheit, seine Geburtstagsallergie, die Finanzkrise und warum er nicht sehen will, wie die Welt in zehn Jahren aussehen wird.

„Fogman“ heißt das jüngste Werk, das im Sommer auf Tomi Ungerers Farm in Irland entstanden ist. Es ist eine Hommage an die grüne Insel, Quelle: dpa
„Fogman“ heißt das jüngste Werk, das im Sommer auf Tomi Ungerers Farm in Irland entstanden ist. Es ist eine Hommage an die grüne Insel, Quelle: dpa

StraßburgWie empfinden Sie es, 80 Jahre alt zu werden?

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Ich bin jetzt zum ersten Mal richtig zufrieden. In der Vergangenheit war ich ja selten zufrieden, immer unsicher, was meine Arbeit anging. Wissen Sie, man braucht ja 50 Jahre, um sein Metier zu lernen, und dann ist nicht mehr Zeit genug. Als das (Ungerer)-Museum eröffnet wurde, habe ich einen Schlussstrich unter eine Etappe meiner Arbeitsvergangenheit gezogen, so ähnlich ging es mir auch, als ich meine gesamte Bibliothek an das Museum verschenkt habe, 1000 Bücher, das war eine Erleichterung, da ist eine Last ist von mir abgefallen. Deshalb ist es für mich seit zwei Jahren so etwas wie ein Neuanfang. Ich hatte noch nie so viel zu tun wie jetzt, ich habe Ideen für mindestens zehn Bücher.

Wie und wo feiern Sie Ihren Geburtstag?

Ich habe eine Geburtstags-Allergie. Ich hasse diese Tyrannei der Feiern. Der einzige Tag, den ich feiere, ist (Allerheiligen) am 1. November. Da zünde ich eine Kerze an und bin allein mit all meinen Toten, den Guten und den Bösen. Geburtstage sind für mich eine Last, aber es ist halt so. Es tut mir ja auch gut, dass ich so bekannt bin und es freut mich, dass es so viele Menschen gibt, denen ich eine Freude mache, doch feiern sollen die anderen. Die Stadt Straßburg macht einen Empfang, da werde ich da sein. Feiern tue ich jeden Tag, an dem ich am Leben bin, morgens mit einer Tasse Kaffee.

Haben Sie Wünsche?

Meinen Kindern wünsche ich Gesundheit und der Welt wünsche ich ausreichend Wasser und Frieden. Es gibt einen Wunsch, der mir nicht in Erfüllung gegangen ist. Ich hätte gern ab der Grundschule als Unterrichtsfach „Respekt gegenüber den anderen“ eingeführt.

Wie sehen Sie die Entwicklung der Welt, jetzt mit der Finanzkrise?

Die Zukunft wird grausam. Ich will nicht sehen, wie die Welt in zehn Jahren sein wird. Die Rechtsextremen werden Zulauf bekommen, es gibt ja keine Linke mehr. Ich bin nicht pessimistisch, ich bin realistisch. Die angesammelten Schulden, und was wir der Natur antun, die Fehler, die die Menschheit macht, häufen sich. Die Welt ist nicht mehr zu retten, das steht an der Wand geschrieben. Unsere Generation hat es noch gut gehabt. Heute leben wir in einer Welt von Spezialisten und Zauberlehrlingen. Wir sind keine Menschen mehr, nur noch Materialisten. Deshalb habe ich mir vor 35 Jahren hier am Ende der Welt (in Irland) einen Platz gekauft. Im Leben muss man einfach sein Bestes tun, und Arbeit ist für mich das wichtigste im Leben.

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