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Kochbuch für Geeks: Wenn Technikfreaks einmal den Kochlöffel schwingen

Kochen ist eine chemische Reaktion, und beim Pizzabacken sollte man den Ofen „übertakten“ - sagt jedenfalls Kochbuch-Autor Jeff Potter. Kochanfänger und Techniktüftler finden in seinem Werk Tipps und Anregungen.

Damit die Pizza einen krossen Boden bekommt, zeigt Kochbuch-Autor Potter, wie man seinen Ofen übertaktet. Quelle: dpa
Damit die Pizza einen krossen Boden bekommt, zeigt Kochbuch-Autor Potter, wie man seinen Ofen übertaktet. Quelle: dpa

FrankfurtTechnikfreaks, die sogenannten Geeks, sind nicht unbedingt dafür bekannt, dass sie Gourmets sind oder dass sie sich generell besonders viel für das Essen interessieren. Das will Jeff Potter mit dem jetzt auch in deutscher Übersetzung erschienenen Buch „Kochen für Geeks“ ändern und gleichzeitig aber auch mit diesem Vorurteil aufräumen. „Kochen für Geeks“ ist mehr ein Buch über das Kochen, als ein Kochbuch. Potter macht Lust darauf, beim Kochen zu experimentieren.

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Dabei gelingt dem Buch eine ziemlich schwierige Gratwanderung. Einerseits erklärt Potter „dem Geek“ die Grundausstattung einer Küche mit Waage, Messbecher und Kochlöffel und wozu sie gebraucht werden. Anderseits erläutert er die chemischen Reaktionen und physikalischen Vorgänge beim Kochen. Wer mehr über das Braten wissen will, sollte in dem Buch lieber unter Maillard-Reaktion nachsehen. Bei Potter entstehen die Rezepte (auch die gibt es) als praktische Ergänzung zur Erklärung der „Schlüsselvariablen des Kochens“ oder den Erläuterungen zu „Aromen und Zutaten“, wie einige Kapitel heißen.

Die Technik, das wissenschaftliche Verständnis der Vorgänge beim Kochen steht in diesem Buch im Vordergrund, ohne dass dabei aber die Lust am Kochen verloren geht. Ganz im Gegenteil. Potter ermuntert den Leser fast auf jeder Seite, selbst mit Zutaten, Mengeneinteilungen oder Garzeiten zu experimentieren und Neues auszuprobieren.

Die Rezepte sind sicher nicht die kulinarische Offenbarung, aber sie haben doch eine erstaunliche Bandbreite. Es reicht vom Buttermilch-Pfannkuchen bis zur 48-Stunden-Ochsenbrust. Ein Schwerpunkt liegt auf einfacheren Rezepten, die keine lange Zubereitungszeit brauchen, aber trotzdem lecker sind. Dazu gibt es immer wieder Tipps und ausführliche Erklärungen etwa zur Verwendung verschiedener Backtriebmittel.

Unterbrochen wird das Buch gelegentlich von längeren Interviews mit Vertretern der amerikanischen Kochszene oder kochbegeisterten Technik-Freaks wie Nathan Myhrvold, dem früheren technischen Leiter (CTO) bei Microsoft und bekennenden Hobbykoch. Ein Hinweis auf diese durchaus lesenswerten Artikel findet man im Inhaltsverzeichnis leider nicht.

Am Ende des Buchs wird es dann richtig experimentell. Dann erklärt Potter, wie man flüssigem Stickstoff, Trockeneis („Ihr müsst unbedingt nach Trockeneis für Lebensmittelzwecke fragen“) oder Hochtemperaturöfen in der Küche einsetzt. Sehr anschaulich beschreibt er dann seine eigenen Versuche, den Küchenofen zu „übertakten“, damit die Pizza den richtigen, krossen Boden bekommt. Es ist ihm wohl auch gelungen („Bei 400-425 Grad kam dann Pizza heraus, die verdammt gut war (genau richtig)), aber empfehlen kann er seine Methode anderseits auch nicht. Und so gesteht er seinen Lesern, „dass ich euch vom Oven Overclocking abraten muss, auch wenn es sehr reizvoll ist.“

Das unterhaltsam und locker, aber nicht aufdringlich geschriebene Buch bietet einen ungewöhnlichen Zugang zum Kochen. Der macht es lesenswert für alle, die sich für Kochen interessieren, nicht nur für Geeks.

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