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Literatur: Bionade, Blogs und Brangelina – die Nullerjahre

"Jahrzehnt to go" nennt Judith-Maria Gillies die Nullerjahre. Die Autorin hat sich umgeschaut in der Coffeeshop-Gesellschaft: Was war neu in der vergangenen Dekade? Welche Produkte wurden geboren? Entstanden ist ein amüsantes Lexikon der Nullerjahre, das an heute Alltägliches erinnert.

Coffee-to-go und Smartphones: Die Nullerjahre brachten so manch Produkt hervor. Quelle: ap
Coffee-to-go und Smartphones: Die Nullerjahre brachten so manch Produkt hervor. Quelle: ap

DÜSSELDORF. In der Hand den Latte macchiato- to-go, unter dem Arm das MacBook und das Sudoku-Bändchen, auf dem Kopf den Handy-Headset und an der Tür wartet der Personal Trainer - solche Typen bevölkern nicht nur TV-Serien, sondern auch die Coffeeshops der Großstädte. Die Autorin Judith-Maria Gillies hat genau hingeschaut und mit ethnologischem Eifer bei ihren Mitmenschen Verhaltensmuster aufgespürt und Alltagsaccessoires entdeckt, die es vor einer Dekade noch nicht gab - auch wenn es manchmal nicht so scheint. Hat es YouTube und Billigflieger denn nicht schon immer gegeben?

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"Die Nullerjahre" als Bezeichnung für das erste Jahrzehnt eines Jahrtausends ist ein Begriff, der erst vor kurzem aufgetaucht ist. Denn erst jetzt werden die Jahre nach 2000 auf der Suche nach einem verbindenden Element oder Motto abgeklopft. Das ist kein leichtes Unterfangen, schließlich wurde die Dekade nicht nur durch Gimmicks und Ähnliches geprägt, sondern auch durch New-Economy-Rausch, Finanzkrise, 9/11 und Hartz IV.

Die Wirtschaftsjournalistin Gillies hat in ihrem Buch als gemeinsames Element der Nullerjahre die Rastlosigkeit ausgemacht. Jeder war immer in Bewegung und dank neuer elektronischer Spielzeuge immer in Kontakt: "Wir simsten und googelten, chatteten und bloggten, podcasteten und skypten." In 200 Schlagworte hält die Autorin diese bewegliche Zeit fest. Ihr Lexikon der Nullerjahre ist eine sehr unterhaltsame Lektüre. Vieles löst einen Aha-Effekt aus, wenn sie etwa in gekonnt spöttischem Stil über Bärlauch, Bionade, Botox oder Brangelina schreibt. Anderes ist nicht auf den ersten Blick als typisch für die Nullerjahre zu erkennen wie die Schlagworte Ü 30-Party, Zahnbleaching oder Dieter Bohlen, "braungebrutzelt, selbstverliebt und grenzwertig witzig".

Stichworte wie Subprime-Krise, Lehman-Pleite oder Boni-Diskussion sucht man vergeblich. Dennoch ist es der Autorin gelungen, mit ihrem Lexikon der Nullerjahre den Zustand einer irritierten Gesellschaft festzuhalten, die zwischen 2000 und 2010 nur eine kollektive Sehnsucht hatte: "sich wohlzufühlen und endlich mal abzuschalten". Vieles ist inzwischen wieder aus der Mode wie Umhängetaschen aus Lastwagenplanen oder Tatoos, doch nicht die Suche nach Orientierung in einer komplexen Welt. "Zum neuen Heilsbringer kürten viele Zeitgenossen Barack Obama", merkt Judith-Maria Gillies an, "aber der kam ja erst, als sich die Nullerjahre schon verabschiedeten."

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