
BERLIN. Als die Polizei Mitte August bundesweit chinesische Restaurants durchsucht, macht sie eine erschreckende Entdeckung: Mehr als 1 000 chinesische Köche arbeiteten dort in den vergangenen Jahren unter „sklavenähnlichen Bedingungen“. Laut Landeskriminalamt Hannover hatten Schleuser sie für je 10 000 Euro nach Deutschland gelotst, ihnen die Pässe abgenommen und sie für einen Hungerlohn ihre Schulden abarbeiten lassen.
Der Fall ist typisch für den weltweit expandierenden Menschenhandel. Dessen Umsätze übertreffen nach Angaben von Experten inzwischen sogar die des Drogenhandels. Fast immer ist mit dem illegalen Handel die Versklavung der Betroffenen verbunden: Gezielt werden Menschen weltweit in solche Abhängigkeiten gebracht, müssen sich ökonomisch ausbeuten lassen, oft über Jahre, manchmal ihr Leben lang. Die Sklaverei entwickelt sich im 21. Jahrhundert zu einem echten Problem.
Forscher gehen inzwischen von der horrenden Zahl von 27 Millionen Sklaven weltweit aus – mehr als zu jeder anderen Phase der Menschheitsgeschichte. Angesichts der Dimension überrascht es kaum, dass sich nun gleich eine ganze Reihe von Autoren dem Thema widmen.
Alle teilen dabei die Einschätzung, dass die „neue Sklaverei“ anders funktioniert als die historische – was das Schicksal der Betroffenen aber noch härter macht. So ist der „Wert“ eines gekauften Arbeits- oder Sexsklaven im Schnitt stark gesunken. Angesichts des starken Bevölkerungswachstums, der Armut und der fehlenden Rechtsstaatlichkeit in vielen Entwicklungs- oder Schwellenländern ist das Heer derer enorm, die verzweifelt nach Arbeit oder einer vermeintlich besseren Zukunft für ihre Kinder suchen – ein Riesenreservoir für Menschenhändler, die entsprechend brutal vorgehen, weil die „Ware“ Mensch so billig und ersetzbar geworden ist.
Dabei betonen alle Autoren, welch vielfältige Formen die moderne Sklaverei annehmen kann: Mal geht es um Arbeitssklaven in Südostasien, Kindersoldaten in Uganda oder Zwangsprostituierte auch in den westlichen Industrieländern. David Batstone konzentriert sich dabei vor allem auf die Darstellung aus Sicht der Betroffenen, die er interviewt hat – und liefert erschütternde Geschichten über die Dramen, die sich hinter den Kulissen der Globalisierung abspielen.