Kultur + Literatur

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Marseille und Kosice: Mit Kultur aus der Krise

Marseille und Kosice sind die neuen Kulturhauptstädte Europas, beide befinden sich in schwieriger wirtschaftlicher Situation. Die Vorgänger 2012 haben aber bewiesen, wie Kultur der Konjunkturflaute trotzen kann.

Der Blick auf Marseille: Das Image von Bandenkriminalität verscheuchen. Quelle: dpa
Der Blick auf Marseille: Das Image von Bandenkriminalität verscheuchen. Quelle: dpa

Marseille/KosiceAuftakt des Kulturhauptstadt-Jahres: Marseille eröffnet sein Programm am 12./13. Januar mit einem Volksfest. Das slowakische Kosice folgt eine Woche später. Die beiden Städte versuchen sich in diesem Jahr als europäische Kulturmetropolen zu profilieren. Beide haben große wirtschaftliche und gesellschaftliche Schwierigkeiten: In Marseille ist es die mörderische Bandenkriminalität, in Kosice Arbeitslosigkeit und Integrationsprobleme, die das Kulturfest überschatten. Wie schon die Vorgänger-Kulturhauptstadt Guimaraes in Portugal sehen sie in der europaweiten Aufmerksamkeit eine Chance.

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Schießereien auf offener Straße und Bandenkriege: Negativschlagzeilen hatten bis zuletzt die Vorbereitungen für die Kulturhauptstadt Marseille überschattet. Als die ersten Werbekampagnen im Dezember starteten, sorgte ein dreifacher Mord wieder für Aufsehen. Mit dem Startschuss zur Eröffnung des Kulturhauptstadtjahres 2013 am 12. Januar will die französische Stadt am Mittelmeer ein neues Kapitel aufschlagen. Obwohl nicht alles plangemäß verlief, sind Marseille und die Region Provence gerüstet. Für das Eröffnungswochenende wird mit 500.000 Besuchern gerechnet.

Marseille - die Fakten

  • Lage

    Nach Paris ist Marseille mit rund 900 000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Frankreichs - und wichtige Hafenstadt. Die Lage am Mittelmeer (Provence) mit ihrem reichen Sonnenlicht faszinierte bereits große Maler wie Auguste Renoir und Paul Cézanne.

  • Geschichte

    Marseilles Historie reicht bis ins siebte vorchristliche Jahrhundert zurück - als griechische Kolonie (Phönizier). Bis heute ist die Metropole durch Einwanderer geprägt. Ab 1900 kamen viele Italiener, später Algerienfranzosen, heute sind es vor allem Migranten aus den ehemaligen französischen Kolonien in Afrika.

  • Wirtschaft

    Kriminalität in Marseille ist kein Zufall. In vielen Stadtteilen gibt es zweistellige Arbeitslosenquoten und kaum Hoffnung auf sozialen Aufstieg. Besonders betroffen sind Jugendliche aus unteren Schichten und Einwanderer-Familien.

  • Tourismus

    Prestigeobjekt des Kulturjahrs wird das Museum für Europäische- und Mittelmeerzivilisationen. Berühmt ist die Stadt auch für ihre Fischsuppe Bouillabaisse.

Seit Marseille und die Region im Jahr 2008 zur Kulturhauptstadt 2013 gekrönt wurden, sind rund 680 Millionen Euro von der öffentlichen Hand in die kulturelle Infrastruktur geflossen. Museen wurden renoviert und aus dem Boden gestampft, und für 90 Millionen Euro wurde ein rund 900 Events umfassendes Programm zusammengestellt. „Keine andere Stadt in Frankreich hat vor dem Hintergrund der Krise so viel Geld bekommen“, kommentiert Renaud Muselier, Abgeordneter und Sonderbeauftragter der Stadt. Er und die Stadt hoffen, mit dem Titel und dem Programm rund zehn Millionen Besucher anzulocken.

Marseille-Provence 2013 betrifft eine Region, die von Marseille bis zum mehr als 90 Kilometer entfernten Arles reicht und über 1,8 Millionen Einwohner umfasst. Die rund 80 Städte, die an dem Kulturprogramm teilnehmen, gehören politisch den gegensätzlichsten Strömungen an: angefangen vom kommunistischen Aubagne, dem sozialistischen Istres bis hin zum rechten Aix-en-Provence. Die größten Probleme gab es mit der Festivalstadt Aix, die sogar damit drohte, aus dem gemeinsamen Programm auszusteigen. „Dass die Presse die Bandenkriege so hoch spielt, ärgert mich besonders“, sagt Ulrich Fuchs.

Sønderborg unterliegt Århus wird Kulturhauptstadt Europas 2017

Das dänische Århus hat das Rennen um die Kulturhauptstadt Europas 2017 für sich entschieden. Die Stadt Sønderborg und die deutsch-dänische Grenzregion Sønderjylland-Schleswig gingen derweil leer aus.

Der deutsche Kulturmanager wurde 2010 für das Programm Marseille-Provence 2013 als stellvertretender Direktor engagiert. Bis zuletzt liefen Bau und Renovierung von Museen und Kunstzentren auf Hochtouren. Noch vor knapp einem Jahr war von dem spektakulären Kulturzentrum Villa Méditerranée, das einem 16-Meter-Sprungbrett ins Meer gleicht, nur das Fundament vorhanden. Auch das 40.000 Quadratmeter große Museum der Zivilisationen Europas und des Mittelmeers (MuCem) versteckte sich noch hinter haushohen Bauzäunen. Die Hülle beider Einrichtungen ist mittlerweile fertig. An dem Eröffnungswochenende können beide Prestigeobjekte zwar besichtigt werden, offiziell eröffnet werden sie jedoch erst Mitte des Jahres 2013.

Die Stadt Kosice (Kaschau) ist die erste slowakische „Kulturhauptstadt Europas“. Nach Bratislava ist sie die zweitgrößte Stadt der Slowakei und hat einen historischen Stadtkern. Kosice liegt dicht an der Grenze zu Ungarn, der Ukraine und Polen, die Einwohner sind bunt gemischt. Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich Kosice zur Industriestadt, die in der Slowakei für eine bunte Theaterszene bekannt ist.

  • 07.01.2013, 09:12 UhrSilvercoin82

    Oh nein, bitte nicht die Masche schon wieder. Schon heute existieren in D in vielen ehemaligen Industriekomplexen irgendwelche Pseudo-Kultur- Einrichtungen, als Sammelsurium für kaputte Versager. Wenn schon Kultur, dann bitte echte Kultur (Kunst, klassische Musik und Co.).

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