Kultur + Literatur

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Museum wiedereröffnet: Panzerglas für Grimm'sche Werke

Handschriften hinter dicken Scheiben: Für 1,9 Millionen Euro wurde das Brüder-Grimm-Museum in Kassel über Jahre renoviert. Nun ist das Unesco-Weltdokumentenerbe bestens geschützt - vom Märchen bis zum Wörterbuch.

Schätze hinter Panzerglas: die Grimm'schen Handschriften. Quelle: SAP/dpa
Schätze hinter Panzerglas: die Grimm'schen Handschriften. Quelle: SAP/dpa

KasselVom Wolf und den sieben Geißlein bis zum Deutschen Wörterbuch: Mit einer neuen Ausstellung wird das Brüder-Grimm-Museum in Kassel am Sonntag (22. Januar) wiedereröffnet. Mehr als zwei Jahre lang war das Palais Bellevue für rund 1,9 Millionen Euro saniert worden.

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Hinter dickem Panzerglas verstecken sich die wohl berühmtesten Märchen der Welt. Es sind die Handexemplare der „Kinder- und Hausmärchen“ von 1812, die von den Brüdern Grimm zusammengetragen wurden. Die mit vielen Notizen versehenen Ausgaben, die zum Unesco-Weltdokumentenerbe gehören, liegen im sanierten Brüder-Grimm-Museum in Kassel. „Jacob und Wilhelm haben die Märchen aus zahlreichen mündlichen und schriftlichen Quellen zusammengetragen“, sagte Museumsleiter Bernhard Lauer am Freitag über die Ausgaben, die dickes Glas vor Patschehändchen und Langfingern schützt. Sie stehen im Mittelpunkt einer Ausstellung, mit der das Museum am Sonntag wiedereröffnet wird.

Die Dauerausstellung beschäftigt sich vor allem mit Leben, Werk und Wirkung der beiden Märchensammler und Sprachforscher, die mit Unterbrechungen von 1798 bis 1841 in Kassel lebten und arbeiteten. Märchen nehmen in dem Museum einen breiten Raum ein, dennoch ist die Ausstellung eher wissenschaftlich gehalten: Hier ein Spinnrad, das aus Stroh Gold zu machen versucht, dort Puzzlewürfel, die Kinder zu einem Märchenmotiv zusammensetzen können. Meist jedoch sind in den Räumen Schriften, Kopien oder Gemälde zu sehen. „Die Brüder waren in erster Linie Wissenschaftler“, betonte Lauer bei der Besichtigung.

So sind außer Märchengeschichten, -zeichnungen und -figuren in einer stilvollen Bibliothek auch die Handexemplare der deutschen Grammatik von Jacob Grimm zu sehen. Die Bibliothek, in der Hunderte alte Büchern stehen, ist das heimliche Schmuckstück des Museums. Auch Möbel sind im Museum ausgestellt. „Wir haben versucht, die klassizistisch-biedermeiersche Lebenswelt der Grimms darzustellen“, betonte Lauer. Auch der jüngere „Malerbruder“ Ludwig Emil erhält mit neuen Ausstellungsstücken seinen Platz im runderneuerten Palais Bellevue, das mehr als zwei Jahre lang für rund 1,9 Millionen Euro saniert worden war.

Die Sonderausstellung im Erdgeschoss zeigt bis zum 6. Mai die Vorgeschichte der Kinder- und Hausmärchen. Dazu gehören die Entstehungsgeschichten von zehn ausgewählten Märchen, darunter „Aschenputtel“, „Dornröschen“, „Rumpelstilzchen“ oder „Das tapfere Schneiderlein“. Im Sommer wird während der Kunstausstellung documenta im Erdgeschoss ein documenta-Kunstwerk präsentiert. „Wir versprechen uns davon eine gute Werbung für das Thema Grimm“, sagte Oberbürgermeister Bertram Hilgen (SPD).

Im Palais wird das Grimm-Museum allerdings wohl nur wenige Jahre zu Hause sein. Die Stadt plant ein neues, größeres Museum auf dem Weinberg, das 2014 fertig sein soll. „Das Thema Grimm ist in Kassel deutlich ausbaufähig. Das alte Museum bietet nicht den Platz, um das in angemessener Weise darzustellen“, hatte Hilgen bei der Vorstellung des Architekten-Entwurfs für das neue Haus gesagt, das ein Mitmachmuseum werden soll. Der rund 18 Millionen Euro teure Neubau soll ein zentraler Baustein der neuen „Grimm-Welt“ werden. Damit will die Stadt die Besucherzahlen steigern. Waren es vor der Sanierung bis zu 30.000 pro Jahr, so sollen es später jährlich etwa 100.000 werden.

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