Die fragwürdigen Methoden der Gema

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Regelsucht produziert Streit um Irrtümer

Anlass für die wachsende Wut ist jedoch die Methode, mit der die ehrwürdige Einrichtung die 863 Millionen Euro, die sie 2010 kassierte, eintreibt und verteilt. Die mehr als 130 teilweise extrem spitzfindigen Tarife sind für Nichteingeweihte so kompliziert wie eine Steuererklärung. Selbst für Musik bei "Erotikvorführungen in Videoeinzelkabinen" gibt es einen speziellen Tarif mit dem Kürzel WR-S-E. 

Die Regelsucht produziert Streit und Irrtümer am laufenden Band. Einerseits muss, wer ein Musikstück oder eine Aufführung nicht anmeldet, quasi als Strafe das Doppelte bezahlen. Andererseits berichten Betroffene, zu zahlende Gebühren würden wie auf dem Basar ausgehandelt. 

Stille Nacht, Teure Nacht

So drohte dem Weihnachtsmarkt in Aachen im vergangenen Jahr musikfreie Stille, weil die Gema urplötzlich 12.000 Euro für die Beschallung verlangte - 2009 waren es noch 4000 Euro. Erst nach Protesten einigten sich die Parteien auf den alten Gebührensatz. Auch passiert es, dass die Gema an Veranstalter Rechnungen für Konzerte verschickt, die nicht stattgefunden haben, wie die Sonthofenerin Bestle berichtet. "Wenn der Veranstalter den Irrtum nachweisen kann, korrigieren wir das sofort", lässt die Gema dazu verlauten. 

Den größten Stress hatten bisher die Konzertveranstalter mit der Gema. Auslöser waren die Probleme der Musikindustrie, die nach wie vor unter Raubkopien im Internet leidet und dadurch weniger CDs verkauft sowie weniger an die Künstler überweist. Um den Einnahmeausfall zu stoppen, versuchen die Geschädigten seit geraumer Zeit, mit immer teureren Konzerten ihr Geld zu verdienen. 

Daran wollte die Gema überproportional teilhaben. Seit Jahren verlangte sie von den Veranstaltern zwischen 1,5 und 3,6 Prozent der Bruttoeinnahmen eines Konzerts. Zum Eklat kam es, als die Gema 2007 plötzlich pauschal zehn Prozent forderte, wie Jens Michow, der Präsident des Bundesverbands der Veranstaltungswirtschaft, berichtet. Der Streit war nur durch ein Schiedsgericht zu schlichten. Das entschied Ende 2009, dass die Veranstalter, ansteigend bis 2014, maximal 7,65 Prozent an Gema-Gebühren zu zahlen haben. 

Zum eigentlichen Sprengstoff für die Gema entwickeln sich jedoch die Gepflogenheiten, mit denen der Verein Gebühren erhebt und auf die Urheber verteilt. Bei CDs ist die Praxis noch vergleichsweise simpel. Für 10.000 verkaufte Exemplare kassiert die Gema zum Beispiel 0,72 Cent pro CD, insgesamt also 7200 Euro. Davon gehen 30 Prozent an den Komponisten, die Textdichter erhalten zusammen 30 Prozent, an den Verlag fließen 40 Prozent. 

  • 16.12.2011, 18:43 UhrAnonymer Benutzer: Musikfreiheit

    Ich danke dem Handesblatt für diese Aufklärung.
    Die meisten Komponisten wie ich es bin leiden unter der GEMA schon ewig lang.Ich hoffe endlich auf Gerechtigkeit und das der Staat mit der 3 Affen-mentalität nichts hören, nichts sehen, nichts sagen , aufhört.

    MfG
    Detlef Lauster

  • 10.07.2011, 13:10 UhrAnonymer Benutzer: plattenboss

    Ich bin immer etwas besorgt, wenn Wirtschaftzeitschriften sich einem kompliziertem und komplexen Thema wie Urheberrechte oder Verwertungsgesellschaften nähern. Zu oft habe ich es erlebt, dass Halb- und Unwahrheiten verbreitet wurden. Das trifft auf diesen Artikel nicht zu. Vollständig ist der Artikel natürlich nicht. Es gäbe noch vieles, dass man beschreiben müsste. Aber er ist sachlich-fachlich fehlerfrei! Dafür danke ich ..

  • 06.07.2011, 23:49 UhrDoc1971

    @Erika: Na ja...selbst wenn diese Randnotizen einer Korrektur bedürfen bleibt doch die Kritik im Kern immer noch dieselbe. Die Artikel-Überschrift "fragwürdige Methoden" auf die Sie anspielen, beschreibt schließlich das GEMA-System im Ganzen mit seiner fragwürdigen internen Geschäftspolitik, dem 2-Klassen-Modell, und nicht zuletzt der in höchstem Maße unkreativen Bürokratie. Um irgendwann als "zeitgemäß" durchgehen zu können, muss dieses System von Grund auf komplett saniert werden.

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