Die fragwürdigen Methoden der Gema

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Zwei-Klassen-Gesellschaft

Anders ist dies beim großen Rest der Anstalten. "Die vielen kleinen Stationen zahlen lediglich eine Pauschale", sagt Tim Renner, Ex-Chef der Universal Music Group und heute Rundfunkunternehmer. All dieses Geld wird nach einem Verteilungsschlüssel ausgeschüttet, der mit bestimmten Bewertungspunkten pro Gema-Mitglied arbeitet. Dadurch werden ebenfalls die Taschen unbeteiligter Ohr-Wurm-Komponisten à la Christian Bruhn ("Marmor, Stein und Eisen bricht") gefüllt. Für Gema-Kritiker ist dieser Topf ein "Schwarzes Loch". Über den Betrag, der auf diese Weise umverteilt wird, macht die Gema keine Angaben. 

Club der Plutokraten

Ergebnis dieser Geschäftspolitik ist eine Zwei-Klassen-Gesellschaft, die seit Jahren durch die Struktur und Entscheidungsfindung der Gema zementiert wird. Volles Stimmrecht haben nur jene rund 3400 Komponisten und Textdichter, die als ordentliches Mitglied gelten. Dieses Privileg erhält nur, wer jährlich mindestens 30.000 Euro (Musikverleger: 75.000 Euro) pro Jahr an Tantiemen kassiert. Die hervorgehobene Kaste repräsentiert fünf Prozent aller Mitglieder und zwei Drittel der Ausschüttungen, vereint jedoch 99 Prozent der Stimmen. Die verbleibenden knapp über 60.000 außerordentlichen und angeschlossenen Mitglieder hingegen verfügen, obwohl sie für ein Drittel der Gema-Einnahmen stehen, lediglich über ein Prozent der Stimmen. 

Abgesichert wird die Plutokratie durch den Aufsichtsrat, der jenen dreiköpfigen Vorstand kontrolliert, der 2010 laut Geschäftsbericht insgesamt rund 1,1 Millionen Euro einstrich. Das Kontrollgremium repräsentiert das Establishment des deutschen Musikbetriebs. Für Kritiker kehren bei der Gema deshalb nur dann Transparenz und Gerechtigkeit ein, wenn die staatliche Aufsicht neu geregelt und der Verein umgebaut wird sowie andere das Kommando übernehmen. 

"Von den Profiteuren dieses Systems", sagt Rock & Pop-Verbandsfunktionär Seelenmeyer, "kann kaum Kontrolle oder Veränderung erwartet werden." 

  • 16.12.2011, 18:43 UhrAnonymer Benutzer: Musikfreiheit

    Ich danke dem Handesblatt für diese Aufklärung.
    Die meisten Komponisten wie ich es bin leiden unter der GEMA schon ewig lang.Ich hoffe endlich auf Gerechtigkeit und das der Staat mit der 3 Affen-mentalität nichts hören, nichts sehen, nichts sagen , aufhört.

    MfG
    Detlef Lauster

  • 10.07.2011, 13:10 UhrAnonymer Benutzer: plattenboss

    Ich bin immer etwas besorgt, wenn Wirtschaftzeitschriften sich einem kompliziertem und komplexen Thema wie Urheberrechte oder Verwertungsgesellschaften nähern. Zu oft habe ich es erlebt, dass Halb- und Unwahrheiten verbreitet wurden. Das trifft auf diesen Artikel nicht zu. Vollständig ist der Artikel natürlich nicht. Es gäbe noch vieles, dass man beschreiben müsste. Aber er ist sachlich-fachlich fehlerfrei! Dafür danke ich ..

  • 06.07.2011, 23:49 UhrDoc1971

    @Erika: Na ja...selbst wenn diese Randnotizen einer Korrektur bedürfen bleibt doch die Kritik im Kern immer noch dieselbe. Die Artikel-Überschrift "fragwürdige Methoden" auf die Sie anspielen, beschreibt schließlich das GEMA-System im Ganzen mit seiner fragwürdigen internen Geschäftspolitik, dem 2-Klassen-Modell, und nicht zuletzt der in höchstem Maße unkreativen Bürokratie. Um irgendwann als "zeitgemäß" durchgehen zu können, muss dieses System von Grund auf komplett saniert werden.

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