
DÜSSELDORF. Es gibt Bestaunenswertes wie David Chipperfields Neues Museum in Berlin, architektonische Solitäre wie das „Vogelnest“ in Peking von Herzog & de Meuron, spektakuläre Diamanten wie das Guggenheim Bilbao von Frank Gehry – und es gibt die Kantine der Firma Trumpf in Ditzingen.
Ein Betriebsrestaurant mit 700 Sitzplätzen, zentral auf dem Werkgelände des Maschinenbauers gelegen, eigentlich nichts Besonderes. Und doch geraten Architekturexperten ins Schwärmen. „Sie bauen das Bild eines ,beschützenden Blattes über einer Kuhle’“, schreibt Peter Cachola Schmal über die Berliner Architekten Barkow Leibinger, die das Betriebsrestaurant 2008 gebaut haben. Sie sind vermutlich mit besonderem Engagement an die Aufgabe herangegangen, denn Regine Leibinger ist die Tochter des Firmengründers.
„Der Raum hat etwas von Musik“, schreibt der Architekturkritiker Falk Jaeger über den 60 mal 40 Meter großen Industriebau. Jaeger gehörte zur Jury, die unter der Leitung von Cachola Schmal, dem Direktor des Deutschen Architekturmuseums (DAM) in Frankfurt, die Trumpf-Kantine mit dem DAM-Preis für Architektur in Deutschland ausgewählt und damit zum besten Neubau des Jahres gekürt hat. 2008 ging der Preis an Peter Zumthor für sein Kölner Kolumba-Museum. 2009 erhielt Zumthor dann auch noch den renommierten Pritzker-Preis.
Stützen wie Baumstämme, durch das Dach scheint der Himmel
Warum die Kantine? Im soeben erschienenen Deutschen Architekturjahrbuch 2009/2010, das weitere 25 ausgewählte Neubauten vorstellt, beschreibt Cachola Schmal den „auch von den Kosten her herausragenden Bau“. Von außen wirke er relativ harmlos, doch im Inneren entfalte er dann seine ungewöhnliche Präsenz.
Das Dach mit einer Vielzahl von fünfeckigen Holzwaben ist der Eye-Catcher der Kantine, getragen von Stahlstützen, die wie Baumstämme wirken. Durch manche scheint der Himmel, in die anderen sind Leuchtfelder und Akustikpaneele integriert.