
DüsseldorfEndlich - werden sich viele Fans von Stephen King sagen - endlich ist es da, sein neues Buch. Der Anschlag heißt es, aber es geht entgegen des ersten Reflexes keineswegs um die Taliban oder andere Terroristen, sondern um John F. Kennedy. Das ist lange her, mag man da einwenden, gut 48 Jahre um genau zu sein. Aber die spannende Frage ist: Was wäre aus der Welt geworden, wenn JFK länger Präsident der USA gewesen wäre?
Dem allen geht Stephen King auf gut 1000 spannenden Seiten nach. Seine Hauptfigur ist der Englischlehrer Jake Epping. Angestellt an der Lisbon Falls High School in Maine, geschieden, eine Katze - Eppings Leben plätschert vor sich hin. Bis er sich eines Abends von seinem an Lungenkrebs erkrankten Freund Al zeigen lassen muss, wie er ohne jeglichen Aufwand ins Jahr 1958 spazieren kann. Einfach so, immer wieder. Selber Ort, selbes Datum, selbe Uhrzeit.
Eine Schülerin rächt sich mit telekinetischen Fähigkeiten an ihren hänselnden Mitschülern. Mehrere Verfilmungen, etwa mit Sissy Spacek und John Travolta.
Gruselige Ereignisse rund um ein Spuk-Haus. Zweimal verfilmt, unter anderem mit Rob Lowe.
Alkoholabhängiger Schriftsteller zieht in verlassenes Berghotel und verfällt dem Wahn. Verfilmt mit Jack Nicholson.
Wiederauferstehung von toten Tieren und Menschen rund um einen schaurigen Friedhof. Verfilmt mit Dale Midkiff.
Sieben Kinder kämpfen gegen das namenlose Monster „Es“, das in ihrer Kleinstadt Kinder ermordet. Verfilmt mit Tim Curry.
Ein berühmter Schriftsteller wird von einem geisteskranken weiblichen Fan festgehalten und gequält. Verfilmt mit Kathy Bates.
Gefängnisdrama über einen unschuldig zum Tode Verurteilten mit übernatürlichen Kräften. Verfilmt mit Tom Hanks.
Abschluss der düsteren Fantasy-Reihe um den „Revolvermann“ Roland Deschain auf seiner Reise zum dunklen Turm. Mehrere Werke Kings nehmen Bezug zur Turm-Saga, etwa „Es“ oder „Brennen muss Salem“. Eine Verfilmung des Mammut-Werks ist geplant, aber scheiterte bislang.
Al verrät sein Geheimnis allerdings nicht ohne Hintergedanken. Er will, dass Epping lange genug in der Vergangenheit lebt, um Lee Harvey Oswald, den Attentäter von Kennedy, an den Schüssen zu hindern. Widerspruch ist zwecklos - denn Al stirbt noch in der Nacht. Allein schon diese Rahmenhandlung bietet ausreichend Attraktivität. Doch dazu kommt diese irrsinnig witzige Idee, einen Mensch aus der Gegenwart durch die 50er-Jahre spazieren zu lassen. Eine Zeit, in der man sein Haus noch nicht abschließen musste und so ziemlich alles mochte außer „Nigger, Schwule und Juden“.
Kings Roman unterscheidet sich von den Horrorgeschichten, durch die der amerikanische Autor zu einem der bestverdienenden Schriftsteller der Gegenwart wurde. Statt Nervenkitzel durch Grausamkeiten sorgt in dem über 1000 Seiten dicken Buch vor allem das „Was wäre wenn?“ für Spannung. Kann ein Englischlehrer aus dem Jahr 2011 die Geschichte vor rund 50 Jahren in einem Maße verändern, die alles, was seither geschehen ist, beeinflusst? Und mit welchen Folgen?
Nach Eppings Schritt in ein Amerika vor seiner Zeit sind es noch rund fünf Jahre bis zum Attentat in Texas. Er zieht in eine Kleinstadt und arbeitet bald wieder als Englischlehrer. Die Zeit Anfang der 60er gefällt ihm: große Autos, günstiges Essen und gute Musik.
Nope, als Bachmann hat er nur geschrieben, wenn es nicht mehr als eine Skizze war. Das hier ist im Grunde das erste Buch, daß er eigentlich schreiben wollte. Sieht ganz so aus, als hätten Sie es weder egelesen noch gehört.
Früher hat er sowas als Richard Bachman geschrieben.
Stephen King ist einfach der Charles Dickens unserer Tage.
Was den Anfang betrifft, ja, der wuchert tatsächlich ein wenig aus und ich hätte mir gegen Ende ein bißchen mehr als das kurze Gespräch mit Al und die dahingehuschte Zeichnung der Konsequenzen erwartet, aber was soll's - das traurig schön Ende versöhnt dann doch wieder.
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