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"Twitteratur": Shakespeare mit Platzangst

Shakespeares "Hamlet" in nur 140 Zeichen - unmöglich? Nicht für die US-Studenten Aciman und Rensin. In ihrem neuen Buch "Twitteratur" reduzieren sie Literaturklassiker auf Twitter-Format - nicht ohne Augenzwinkern.

Twitteratur soll nicht nur amüsieren, sondern auch provozieren. Quelle: dapd
Twitteratur soll nicht nur amüsieren, sondern auch provozieren. Quelle: dapd

BerlinWeltliteratur - für viele heißt das dicke Wälzer, geschwollene Sprache, große Dichter. Wer sich an Tolstois schwere Kost, Kafkas Metaphern oder Shakespeares „Gemetzel“ nicht rantraut, kann es jetzt mit „twitteratur“ versuchen. Zwei Chicagoer Studenten erzählen literarische Klassiker ganz neu - im 140-Zeichen-Format des Kurznachrichtendienstes Twitter. Dabei geht es nicht nur zeitsparend und umgangssprachlich, sondern oft erfrischend provozierend zu.

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„Kunst ist klasse“, das wollen Alexander Aciman und Emmet Rensin mit ihrem Buch beweisen. Dabei haben die beiden vor fast keinem Klassiker haltgemacht: Nicht nur Sophokles und sein „König Ödipus“, Goethes „Leiden des jungen Werther“ und Shakespeares „Hamlet“ sind dabei. Witzig und ohne Blatt vor dem Mund nehmen sich die Studenten auch Dan Browns „Sakrileg“, „Dracula“ oder „Harry Potter“ vor.

Dostojewskis „Schuld und Sühne“ twittert sich anfangs so: „Schlimm dieses Studentenleben. Ein Haufen Arbeit, schäbige Bude, und ich hab den hässlichsten Hut auf dieser Seite des Urals.“ Alice im Wunderland dagegen merkt: „Oh! Ein weißes Kaninchen, wie in Matrix. Cooler Film, wenn man auf Drogen ist“. Dazwischen streuen Aciman und Rensin - ganz wie in echten Tweets - immer mal ein „LOL“ („laughing out loud“), „OMG“ („Oh my God“) oder „W/e“ („whatever“).

Die „twitteratur“ liest sich leicht und mit verschmitztem Grinsen - allerdings nur für den, der das Original zumindest inhaltlich schon kennt. An allen anderen gehen so mancher Witz und viele provozierende Thesen verloren. Von letzteren und der unbarmherzigen Reduzierung auf das Allerwesentlichste könnten sich auch echte Literatur-Fans auf den Schlips getreten fühlen.

Nur an das wohl größte und bekannteste Werk der Weltliteratur haben sich die Twitterer nicht gewagt: an die Bibel. Im Vorspann ihres Buches schreiben sie respektvoll: „Allerdings wird es besser sein, wenn wir uns von der Bibel fernhalten“. Diese Achtung zeigen „twitteratur“-Anhänger im Internet nicht. In einem Blog rufen Aciman und Rensin zum Mit-twittern auf. Hier nimmt sich „ghostofthemovie“ das Buch aller Bücher vor. Das ganze Werk in nüchternen 140 Zeichen: „Langatmige Autobiographie eines persönlichkeitsgestörten Unsichtbaren mit Allmachtsphantasien in der dritten Person“.

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