
Preisträger Joachim Käppner (2.v.li.) mit Vertretern der Initiatoren des Deutschen Wirtschaftsbuchpreises, Alexander Dibelius (Goldman Sachs), Gabor Steingart (Chefredakteur Handelsblatt und Vorsitzender der Jury) und Juergen Boos von der Frankfurter Buchmesse bei der Preisverleihung (v.li.).

Business-Literatur auf höchstem Niveau: Die zehn für die Shortlist des Deutschen Wirtschaftsbuchpreises 2012 nominierten Bücher, aus denen die Jury den Sieger wählte.

Der ehemalige Wirtschaftsweise Bert Rürup stimmte die Gäste in seiner Keynote-Speech mit unterhaltsamen wie nachdenklichen Worten ein.

Der frühere Wirtschaftsweise monierte die „german angst“, die typisch deutsche Neigung zum Schwarzsehen, die sich in vielen Wirtschaftsbüchern widerspiegele. Viele suggerierten schlimme Zeiten und Zustände.

Gehalten wurde die Laudatio von Handelsblatt-Chefredakteur Gabor Steingart. „Das Buch ist über das Normalmaß hinaus exzellent recherchiert und geschrieben“, urteilte er über das 621-Seiten-Werk des promovierten Historikers und Journalisten Käppner, Redakteur bei der „Süddeutschen Zeitung“.

Juergen Boos (Frankfurter Buchmesse), Alexander Dibelius (Goldman Sachs) und Bert Rürup (v.li.) lauschen der Laudatio bei der Verleihung des Deutschen Wirtschaftsbuchpreises 2011 an Beitz-Biograf Joachim Käppner.

Auch der Hamburger Verleger Sven Murmann wohnte der Preisverleihung bei.

Beitz-Biograph Joachim Käppner bedankt sich für die Auszeichnung mit dem Deutschen Wirtschaftsbuchpreis 2011. Über Beitz sagt er selbst: „Am meisten beeindruckt mich an Beitz die innere Freiheit, das zu tun, was er für das moralisch richtige hält.“

Beitz-Biograph Joachim Käppner (links) bei der Preisverleihung im Gespräch mit Handelsblatt-Chefredakteur und Jury-Vorsitzendem Gabor Steingart.

Der frühere Verteidigungsminister Rudolf Scharping zusammen mit Rainer Bernat beim Empfang.
Preisträger Joachim Käppner (2.v.li.) mit Vertretern der Initiatoren des Deutschen Wirtschaftsbuchpreises, Alexander Dibelius (Goldman Sachs), Gabor Steingart (Chefredakteur Handelsblatt und Vorsitzender der Jury) und Juergen Boos von der Frankfurter Buchmesse bei der Preisverleihung (v.li.).
„Die Wahl war keine Qual, aber wir hatten Auswahl: Das Jahr 2011 hat qualitativ hochwertige Wirtschaftsbücher hervorgebracht; auch solche, die die Zeitläufte überdauern werden. Das von Michael Hüther etwa, dem Präsidenten des Instituts der deutschen Wirtschaft. Er hat mit „Die disziplinierte Freiheit“ eine Neubegründung der Ordnungspolitik vorgelegt, die auch eine Nachjustierung ist. Oder das von Ulrich Schäfer, Ressortleiter bei der „Süddeutschen Zeitung“, der uns damit beeindruckte, dass und wie er sich in „Der Angriff“ dem Thema des Terrornetzwerkes El Kaida genähert hat.
Doch es gab ein Buch, das ragte doppelt heraus, das beeindruckte die Jury in zweifacher Hinsicht.
Erstens: Es ist über das Normalmaß hinaus exzellent recherchiert und geschrieben. Es ist Handwerk an der Grenze zur Handwerkskunst. Wobei die Kunstfertigkeit, von der hier die Rede ist, vor allem Erzählkunst ist. Der Autor, den es hier zu ehren gilt, weiß, wie man Geschichte erzählt; nicht nur mit Anekdoten, Fakten, Zitaten, die sich wie die Perlen einer Perlenkette abwechseln. Sondern mit einem Ton, dem Ton des Zurückgenommenen, nicht des Jublers, dem Ton der Würde, dem Ton des Biografen eben. Der Wirtschaftsbuchpreis 2011 geht an Joachim Käppner, Historiker und Journalist der „Süddeutschen Zeitung“. Er ist der Verfasser des Werkes „Berthold Beitz. Die Biographie“, 621 Seiten stark.
Und damit ist auch schon der zweite Grund benannt, warum dieses Buch herausragt: weil Beitz herausragt! Berthold Beitz, der so vieles war und ist: Menschenfreund und Menschenretter, Jung-Manager, zunächst revier- und branchenfremd, dann aber schnell als Aufsteiger auch an Rhein und Ruhr akzeptiert, ein Stahlbaron der besonderen, der modernen, der freiheitlichen Art, ein Nachkriegs-Kruppianer, ein Mann von hoher sozialer und ethischer Gesinnung. Vater zwei nennt ihn Arndt von Bohlen und Halbach.
Doch das Leben der Villa Hügel nimmt keine Rücksicht auf die Empfindsamkeiten des jungen Krupps. Härte, schreibt Käppner, war gefragt. Arndt aber war alles - klug und mitfühlend, wachsam und begabt -, nur hart war er nicht. Beitz überzeugt den jungen Krupp vom Erbverzicht - und wird selbst der erste Kruppianer, der diesen Namen nicht trägt.
Käppner erzählt vordergründig die Geschichte eines Mannes, aber in Wahrheit die Geschichte der deutschen Kriegs- und Nachkriegszeit. Und ein Buch über ewige Werte in der Wirtschaft ist es auch. Man wünscht sich nicht die Herausforderungen des Beitz'schen Lebens, das als Leben und Arbeiten unter Gewaltherrschaft begann. Aber wenn man dieses Leben zu leben hätte, wünscht man sich die moralische Größe eines Berthold Beitz. Er war und ist vor allem eines: Vorbild. Käppners Buch ist daher doppelt wertvoll - ein großes Buch über einen großen Mann.“
Gabor Steingart ist Chefredakteur des Handelsblatts.