
DÜSSELDORF. Mehr als ein halbes Jahrhundert lang lenkte Wolfgang Wagner die Geschicke des renommiertesten deutschen Musikfestivals: Der Leiter der Bayreuther Festspiele und Enkel des Komponisten Richard Wagner ist am Sonntag im Alter von 90 Jahren in seinem Privathaus in Bayreuth gestorben. Er leitete die Bayreuther Festspiele 57 Jahre lang von 1951 bis 2008, davon mehr als 40 Jahre in alleiniger Verantwortung. Im September 2008, zwei Tage nach seinem 89. Geburtstag, hatte er die Festspielleitung nach langem Tauziehen an seine Töchter, die Halbschwestern Eva Wagner-Pasquier (64) und Katharina Wagner (31) übergeben.
Ein normales Familienunternehmen ist die Bayreuther Festspiele GmbH aber nicht. Hinter ihr steht die Richard Wagner Stiftung. Sie wird von einem Stiftungsrat kontrolliert, in dem neben der Familie Vertreter der öffentlichen Hand sitzen. Obwohl jede Vorstellung ausverkauft ist und die Wartezeit für eine Karte mehrere Jahre beträgt, sind die Festspiele auf öffentliche Hilfe angewiesen: Bei einem Gesamtetat von 14,7 Mio. Euro erhielten die Bayreuther im vergangenen Jahr 5,5 Mio. Euro Zuschüsse. Über 60 Prozent der Mittel kommen aus Einnahmen der Bayreuther Festspiele und privaten Zuwendungen der Gesellschaft der Freunde von Bayreuth e.V., heißt es auf der Homepage der Gesellschaft. Die Quote der Bezuschussung durch die öffentliche Hand liege stets deutlich unter 40 Prozent.
Wolfgang Wagner wurde am 30. August 1919 in Bayreuth als Sohn von Siegfried und Winifred Wagner geboren. Gemeinsam mit seinem zwei Jahre älteren Bruder Wieland baute er nach dem Zweiten Weltkrieg die Festspiele wieder auf, die durch die Nähe seiner Mutter zu Adolf Hitler und den Nationalsozialisten diskreditiert waren.
Nach dem frühen Tod seines Bruders im Herbst 1966 war Wolfgang Wagner mehr als 40 Jahre lang allein verantwortlich für die Festspiele, die Jahr für Jahr fast 60 000 Musikliebhaber anziehen. Unter Wolfgang Wagners Leitung entstanden mehr als 1 700 Aufführungen mit namhaften Regisseuren wie Patrice Chereau für den „Jahrhundert-Ring“ 1976 , Götz Friedrich („Tannhäuser“ 1972) und Christoph Schlingensief („Parsifal“ 2004).