Kunstmarkt

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Alte Kunst: Wildes Gefecht um kleine Kupfertafel

Ein Manierist erhielt das höchste Gebot der Altmeisterauktionen bei Lempertz. Insgesamt blieb die 1000. Versteigerung hinter ihrer Erwartung zurück.

Christian Johann Georg Perlberg, „Griechische Fußsoldaten kämpfen gegen das Osmanische Reich“. Quelle: Lempertz
Christian Johann Georg Perlberg, „Griechische Fußsoldaten kämpfen gegen das Osmanische Reich“.Quelle: Lempertz

KölnSeine Preisvorstellungen waren ziemlich vage. Mit dem Wunsch, um die 10 000 Euro zu erlösen, wurde ein Düsseldorfer Architekt bei Lempertz vorstellig. Unter dem Arm eine stark verschmutzte, auf Kupfer gemalte „Auferstehung Christi“ mit vielen Figuren. Erst nach der Reinigung durch das Auktionshaus traten leuchtende Farben, ein hinreißender Detailreichtum, Signatur und Datierung in das Jahr 1622 zutage. Damit war schlagartig klar, dass man es hier mit einem Hauptwerk des deutschen Malers Johann König zu tun hatte.

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878 000 Euro inklusive Aufgeld zahlte am Ende eines zähen Bietgefechts an neun Telefonen deutscher Handel gegen. Lempertz erzielte damit einen Weltrekordpreis für den Manieristen, den schon seine Zeitgenossen für seine brillante Malweise und Detailversessenheit bewunderten. Unterbieter war laut Henrik Hanstein ein amerikanischer Sammler. Von einem Hl. Georg abgesehen, der im Juni 2009 im französischen Auktionshaus Artcurial 772 646 Euro einfuhr, lagen die Auktionspreise für König gewöhnlich bei rund 100 000 Euro. Die Taxe war mit 100 000 bis 150 000 Euro also noch recht günstig.

Millionenzuschläge wie zuletzt in der hervorragend bestückten Frühjahrsauktion waren diesmal nicht drin. Das ließen bereits die Schätzpreise ahnen. An ihrer Spitze ein erzählfreudiges religiöses Familienbild von Jacob Jordaens aus dem Besitz der westfälischen Adelsfamilie zur Mühlen. 500 000 bis 700 000 Euro sollte die „Hl. Familie mit Johannes dem Täufer und seinen Eltern“ bringen, die erst vor einem Jahr als tatsächlich eigenhändiges, sehr frühes Werk Jordaens zugeschrieben worden war. Jetzt ging es für 549 000 Euro in eine deutsche Privatsammlung.

Insgesamt erlösten 1 405 Lose aus vier Katalogen sieben Millionen Euro mit Aufgeld, die vom 15. bis 17. November eingehämmert wurden. Das Angebot an Alter Kunst war offenbar zu ambitioniert geschätzt. Damit blieb die 1 000. Auktionsserie unter ihren Erwartungen.

Fast zu erwarten war der Erfolg des monumentalen Früchtekorbs des spanischen Stillleben-Malers Juan van der Hamen y León. Das Bild schaffte es gut über seine ehrgeizige obere Taxe von 200 000 Euro und landete durch Gebot südamerikanischen Handels bei 220 000 Euro. Ansonsten waren Stillleben „nicht so rasant gefragt“, seufzte Altmeister-Expertin Mariana Hanstein nach der Auktion.

Eine Ausnahme bildete die opulente „Blumengirlande mit der Verkündigung an die Hirten“ von Jan van Kessel d. Ä, die 1975 bei Christie's rund 4 000 Euro gebracht hatte. Der traditionsreiche Bildtypus mit zentralem religiösem Motiv in einer Steinkartusche überrundete seine obere Taxe und kam auf 195 000 Euro. Als eines der wenigen hochdotierten Lose gelangte die Girlande in eine italienische Sammlung.

Auch nach Italien reist ein „Musizierender Engel“ (98 000 Euro), den der Meister von Heiligenblut um 1510/1525 aus Lindenholz schnitzte. Der wichtigste deutsche Skulpturenhändler, Albrecht Neuhaus, gehörte zu den Unterbietern. Ansonsten fielen die schwer von der Krise gebeutelten Italiener als Bieter dieses Mal aus. Von den beiden großen spanischen Privatsammlungen, die die Akzente dieser Lempertz-Offerte setzten, hatte es deshalb die kleinere Kollektion ziemlich schwer, weil sie viel italienische Kunst enthielt.

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