Kunstmarkt

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Altmeister: Sternstunde für eindringliche Kompositionen

Die New Yorker Altmeister-Auktionen bestätigen einen Geschmackswandel. Rekordpreise werden nur für seltene Trophäen und stark wirkende Bilder bewilligt. Sehr gut laufen die Zeichnungen. Auch die Graphik erfüllt die Erwartungen. Die Hoffnungen auf neue Käuferschichten für Graphik haben sich jedoch nicht bestätigt.

Pompeo Batoni: "Susanna and die Alten", Öl auf Leinwand. (Ausschnitt) Quelle: Sotheby’s New York
Pompeo Batoni: "Susanna and die Alten", Öl auf Leinwand. (Ausschnitt) Quelle: Sotheby’s New York

New YorkSotheby’s Auktionskatalog zeigt einen New Yorker Immobilientraum. Das exklusive Apartment an der Fifth Avenue war elegant mit Antiquitäten und Bildern des italienischen Barock eingerichtet, die sich ein Finanzier Anfang der 1990er-Jahre angeschafft hatte. Sotheby’s wollte sie in der Altmeisterauktion am 31. Januar versteigern. Aber die Marketingidee half nicht, nur sechs der 16 Bilder konnten vermittelt werden.

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Christie’s und Sotheby’s Altmeisterversteigerungen Ende Januar unterstreichen einen Geschmackswandel: Nur seltene Trophäen und starke, eindringliche Kompositionen sind gesucht und bringen Rekordpreise. Manche kunsthistorisch wichtigere Meister bleiben auf der Strecke.

„Es gab immense internationale Beteiligung, vor allem von russischen Sammlern, die sich sehr für französische und italienische Werken des 18. Jahrhunderts interessieren“, sagte Sotheby’s Experte George Wachter später. Gebote kamen aber auch aus Asien, Südamerika und Europa.

Jean-Honoré Fragonard: "Die Gottheit Aurora triumphiert über die Nacht", Öl auf Leinwand. (Ausschnitt) Quelle: Sotheby´s
Jean-Honoré Fragonard: "Die Gottheit Aurora triumphiert über die Nacht", Öl auf Leinwand. (Ausschnitt) Quelle: Sotheby´s

Gelenkiger Alter

Einen russischen Unterbieter am Telefon mutmaßten Beobachter auch bei Sotheby’s Spitzenreiter Pompeo Batoni, der vor allem durch Porträts englischer Adeliger auf der Grand Tour bekannt wurde. Er versah auch das biblische Thema „Susanna und die beiden Alten“ mit ungewohnter Dramatik. Gerade ist einer der Alten im weinroten Mantel erstaunlich gelenkig neben die überraschte nackte Susanna auf die Bank geklettert. Dafür begeisterten sich allein fünf Interessenten; der Hammer fiel erst bei 11,4 Millionen Dollar.

Gefecht um „Segnenden Christus“

Joseph Turners Vedute „Heidelberg mit einem Regenbogen“ (1840), die Stadt und Schloss als dunstig umwobene Erscheinung zeigt, sorgte schon mehrfach für Rekordmeldungen. Zuletzt 2001 bei Sotheby’s als erstes Aquarell, das über eine Million Dollar erzielte. Jetzt zahlte ein Sammler sogar 4,7 Millionen Dollar. Zehn Bieter stritten sich auch um den nach 150 Jahren in einer Bostoner Familiensammlung aufgetauchten „Segnenden Christus“. Eine Reinigung der Holztafel machte die Hand Hans Memlings wahrscheinlich. Er ist einer der einflussreichsten und bedeutendsten flämischen Maler des späten 15. Jahrhunderts. Das zurückhaltend auf 1,5 Millionen Dollar taxierte Werk brachte schließlich 4,1 Millionen Dollar ein.

Wettbewerb mit „Endverbrauchern“

Hohe Taxen und ein harter Wettbewerb mit „Endverbrauchern“ (Sammlern) trieb Händler in die Defensive. Mancher fragt sich, was in Maastricht auf der Tefaf zu sehen sein wird. Immerhin konnte der Londoner Johnny van Haeften die Landschaft des einflussreichen Niederländers Paul Bril mit Jägern und römischen Ruinen zu 158.500 Dollar einkaufen. Auch Anthony Crichton-Stuart von der Londoner Kunsthandlung Noortman griff bei Jean-Honoré Fragonards frühem „Triumph der Göttin Aurora über die Nacht“ (um 1755) zu. Das Rokokogemälde kostete 3,8 Millionen Dollar — gekauft im Auftrag des Boston Museum of Fine Arts.

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