
BONN. 1987 beginnt seine Karriere als Fotokünstler, die zu den erstaunlichsten auf dem Kunstmarkt gehört. Mit überdimensionalen, digital bearbeiteten Überblicksaufnahmen hat er sich einen Namen gemacht. 1967, nur 20 Jahre früher, hatte sich der alte Kunsthändler Daniel Henry Kahnweiler noch so schön über die Kölner Erfindung einer Kunstmesse für zeitgenössische Kunst aufgeregt. Schweine würden die Kunst nun zu Markte tragen, schimpfte er. Aber ob ihm wirklich der Schock des Kommerziellen in die Glieder gefahren war? Ob es nicht vielmehr die Angst um die edle Exklusivität der Kunst war? Die Angst des Bildungsbürgers vor massenhaft reproduzierbarer Auflagenkunst, die Angst vor all den Provokationen in Gestalt so ungewohnter Medien wie Aktionskunst, Film und Fotografie?
Heute amüsiert die Tirade des Picasso-Galeristen. Die Fotografie hat sich als vollgültiges Medium der bildenden Kunst etabliert, das Schreckgespenst einer reproduzierbaren Kunst wurde in Bann geschlagen. Eine strenge Limitierung macht die Fotokunst zu einer teuer bezahlten Rarität. Anfang der neunziger Jahre setzt diese Entwicklung ein. Gursky ist nur einer von vielen Fotokünstlern, der so das Preisniveau für seine Arbeit mitbestimmt. Allerdings ist er auch ein besonderer Fall, denn seine Formate sind riesig.
Nur etwa vier bis sechs Arbeiten produziert der Künstler jährlich – in einer Auflage von sechs Exemplaren. Das verknappt das Angebot und führt dazu, dass kaufinteressierte Sammler auf die Warteliste kommen. Die Berliner und Londoner Galerie Sprüth/Magers, die Gursky seit 1989 vertritt, setzt große Formate wie die in Bonn ausgestellte „Ocean“-Serie auf bis zu 500 000 Euro an. 1989 kosteten die damals noch kleinformatigen Gursky-Arbeiten zwischen 5 000 und 15 000 DM. Heftige Preisausschläge verzeichnet nur der Auktionsmarkt. Als bei Sotheby’s und Philipps 2006 und 2007 in rascher Folge 2,3-, 2,5- und 3,3-Mio.-Dollar-Zuschläge für Abzüge des farbigen Riesenformats „99 Cent II“ (2001) bewilligt wurden, staunten auch Experten nicht schlecht.