Kunstmarkt

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Art Cologne: Beobachtungen auf dem Marktplatz der Kunst

Die Art Cologne knüpft an ihre alten guten Tage an. Sammler reisen wieder vermehrt aus ganz Europa nach Köln. Doch die Kauflaune des heimischen Publikums könnte besser sein. Das Konzept der kleinen Nada innerhalb der großen Messe ist noch verbesserungsfähig.

Betrachtungen vor dem Wandobjekt "Impressions from the Streets" des türkischen Künstlers Ekrem Yalcindag (2011). Rechts eine Papierarbeit von Melina Avouac (2012). Foto: Mark Keppler/dapd Quelle: dapd
Betrachtungen vor dem Wandobjekt "Impressions from the Streets" des türkischen Künstlers Ekrem Yalcindag (2011). Rechts eine Papierarbeit von Melina Avouac (2012). Foto: Mark Keppler/dapd Quelle: dapd

KölnNur auf den ersten Blick ist die Freude über die inzwischen aus ganz Europa wieder nach Köln anreisenden Sammler ungetrübt. „Köln ist seit den neunziger Jahren nicht mehr in den Händen von Sammlern, die solche Messen tragen könnten“. So klingt das ungeschminkte Fazit von Christian Nagel, Galerist in Berlin und Antwerpen und Mitglied des International Advisory Board über die eben zu Ende gegangene Art Cologne. Er kann mit seiner Markterfahrung inzwischen bereits einen Zeitraum von mehr als zwei Jahrzehnten überblicken.

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„Mehr Drive wäre notwendig“

Kein Wunder, dass im Verhältnis dazu die Ankäufe der Museen inzwischen wieder stärker ins Gewicht zu fallen scheinen. Doch solche Beobachtungen, die am letzten Tag der Messe von einer ganzen Reihe von Ausstellern zu hören waren, sind kein Grund für Euphorie. Die meisten Museen leiden nach wie vor an ihren kaum oder nicht vorhandenen Ankaufsetats. Und wenn sie denn doch erwerben, dann oft mit Hilfe ihrer in den letzten Jahren stärker gewordenen Freundeskreise.

Nagels persönliche Bilanz für die Art Cologne 2012 klingt am letzten Messetag eher wie Stöhnen. „Jooch, Ok“. Er hätte sich mehr Aktivität seitens der Sammler gewünscht. „Die kriegen das in Deutschland nicht hin mit der Euphorisierung“, versucht er die Stimmung rückblickend auf den Punkt zu bringen. „Mehr Drive wäre notwendig.“ Im Blick hat der Galerist dabei vor allem die Banken mit ihrem Kundentross. Hier wird lieber geguckt als eine Kaufentscheidung getroffen.

Verkaufen konnte Nagel etwa einen der riesigen, aus der Wand blickenden Löwenköpfe des belgischen Künstlers Xavier Mary für 8000 Euro. Seine interessantesten Kunstwerke jedoch lagen auf dem Boden und wurden offenbar übersehen: Joelle Tuerlinckx’ liegende Bilder, etwas Schwankendes zwischen Konstruktivismus und Minimal Art. Kostenpunkt 10.000 Euro.

Qualität und Internationalität

„Gut, aber es könnte noch etwas passieren“, erklärt Barbara Gross, München, auf die Frage, wie die Messe für sie gelaufen ist. Von einem „Run“ könne nicht unbedingt die Rede gewesen sein. „Die Leute wägen eher ab“. Für 45.000 Euro konnte sie immerhin eine große Leinwand von Katharina Grosse verkaufen und in eine Münchener Sammlung eine Arbeit von Sabine Hornig, die vor kurzem in der Pinakothek der Moderne ausgestellt war. Die von amerikanischen Sammlern geschätzte Künstlerin, die 2005 bereits an einem MoMA-Projekt in New York teilnahm, wird in Deutschland gerade erst entdeckt. Barbara Gross bietet von ihr Arbeiten in der Preisspanne zwischen 10.000 und 18.000 Euro an.

Das Gros der Verkäufe in Köln bewegt sich im vier- und fünfstelligen Bereich. Sechsstellige Beträge fließen seltener und ein 3-Millionen-Dollar-Verkauf, wie ihn David Zwirner, New York, mit seinem Baselitz landen konnte, gehört zu den selteneren Ausnahmen. Messemacher Daniel Hug wird dennoch und mit Recht von vielen Seiten gratuliert. „Viel mehr Sammler“ und eine Steigerung der Qualität resümiert er am Schlusstag der 46. Art Cologne. Das Angebot in Richtung „Qualität und Internationalität“ will er konsequent weiter ausbauen.

  • 12.05.2012, 08:04 UhrIndependentConsulter

    Als Berater habe ich die diesjährige Art Cologne drei Tage beinahe ganztägig besucht. Alle Gesprächspartner in dieser Zeit fanden ein eindeutiges Urteil zu dem Angebot zeitgenössischer Kunst in der oberen Etage: unglaublich langweilig, risikoarm, qualitatfrei mit wenigen Ausnahmen.
    Herr Nagel bemängelt das Ausbleiben der Sammler seit etwa 20 Jahren. Meinen Beobachtungen zu folge sind alle mir bekannten Sammler, auch amerikanischer, wie etwa das Ehepaar Hort und andere auch dieses Jahr wieder in Köln erschienen. Offensichtlich aber gibt es für diese erfahrenen Käufer kaum noch Reizvolles im Angebot der Messe.
    Interessant ist in diesem Zusammenhang die Zuständigkeit Herrn Nagels als Mitglied des International Advisory Board für die Auswahl der zur Messe zugelassenen Galerien seit etwa genau diesem Zeitraum.
    Meine Prognose: solange er in Zusammenarbeit mit einer Galeristin, die durch ihr eigenes Galerieprogram täglich beweist, das Kunst ein sehr weiter Begriff ist (vorsichtig formuliert) weiterhin Galerien ausgrenzt und so verhindert, das sich auf der Messe die gesammte Breite künstlerischer Produktion auf einem durchaus existierenden Qualitätsniveau im Ausstellungsprogramm wiederfindet, wird sich die von ihm so vermisste Euphorie der Sammler nicht einstellen.

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