Kunstmarkt

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Art Rotterdam: Eine sorgfältig organisierte Messe

Die 13. Art Rotterdam konzentriert sich und zeigt junge Kunst in einem herrlich entspannten Ambiente an der Maas. Die Messe profiliert sich mit sorgfältiger Künstlerauswahl und großer Videopräsentation.

Stefan Constantinescu: Filmstill aus dem Video “Family Dinner”. Quelle: Galerie Anita Beckers and the artist
Stefan Constantinescu: Filmstill aus dem Video “Family Dinner”. Quelle: Galerie Anita Beckers and the artist

RotterdamEines der charmantesten Messegebäude duckt sich ans Ufer der Maas: Der alte Rotterdamer Cruise Terminal, von dem einst die großen Passagierschiffe in See stachen, ist seit 13 Jahren während der "Art Rotterdam" (bis 10.2.) ein Hort der jungen Kunst. Geboten wird hier keine Versuchsanordnung, sondern frische Kunst, die einem anspruchsvollen Qualitätsstandard genügen kann, aber noch nicht die vorderen Ränge des Markts belegt.

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Sammler haben das schon länger erkannt und nutzen die entspannte Atmosphäre der Art Rotterdam. Selbstbewusst ist die Messe im Lauf der Jahre geworden. Gestählt aus den wechselhaften Erfahrungen hervorgegangen. Auf das ausgesprochen schwache Designanhängsel wurde mittlerweile verzichtet, ein stringentes Konzept unterstreicht die Ernsthaftigkeit der Ambitionen.

Auch in diesem Jahr wurden junge Galerien eingeladen, sich mit Solopräsentationen zu bewerben. Kuratiert unter der Leitung des Witte de With Center wurde sorgsam ausgewählt und platziert. Diese Achtsamkeit, die vom Respekt für vielversprechende Newcomer erzählt, bewährte sich prompt. Auch für die Berliner Galerie Klemm's, die mit Ulrich Geberts in eigenartige Rahmen versunkene Fotoarbeiten angereist ist, auf denen die Tiere verschwunden sind und die Menschen deshalb seltsame Dinge machen; sieben davon waren umgehend verkauft (1 500 - 1 900 Euro).

Bei Figge von Rosen, Berlin, hängen Ignazio Uriartes Büroskulpturen, exakt gefaltete weiße Blätter im DIN-Format in geometrischer Anordnung mit Vexiercharakter, daneben fein komponierte Penballkritzeleien, einfarbig oder elegant meliert - gezähmtes Chaos des Unterbewusstseins (1 500 - 14 000 Euro).

Handelsblatt-Kunstmarkt

Die holländischen Aussteller dominieren, doch die Zahl ausländischer Teilnehmer steigt. Man scheint sich nun vom Ruf der Regionalität lösen zu können. Und wenn sich in den wenigen Messetagen fortsetzt, was vielversprechend begonnen hat, dann könnte sich die Messe für manchen als fixer Termin etablieren. Kai Middendorf etwa hat gleich zu Beginn den größten der farbstarken Rundbilder von Ekrem Yalcindag für 35 000 Euro an einen deutschen Sammler verkauft. Bei Rotwand, Zürich, waren einige der mit breitem Pinsel zwischen Abstraktion und expressiv figurativer Malerei oszillierenden Klassikadaptionen der Schweizer Künstlerin Klodin Erb (2 600 - 15 000 Euro) umgehend.

Die neu eingerichtete Video-Abteilung setzt sich nicht nur angenehm von den sonst eher entnervenden Kabuffs ab: Riesenscreens, dazu intelligente, zugewandte Mitarbeiter der Galerien. So gewinnt auch die doppelbödige Arbeit "Defect in Vision" des Japaners Meiro Koizumi an Substanz - eine ebenso subtile wie abgrundtief melancholische Reflexion der Kamikaze-Strategie am Ende des 2. Weltkriegs, dargestellt in dem sich ständig wiederholenden rituellen Dialog eines Ehepaars beim traditionellen Abendessen. Schweigen und Verdrängen als verheerende Kulturtechnik. "Schau, meine Augen lügen nicht", sagt der blinde Kämpfer zu seiner blinden Frau (Annett Gelink, Amsterdam, 25 000 Euro). Wie wundersam sich das Repertoire der Lügen inzwischen entfaltet hat, schildert der 1968 in Rumänien geborene Stefan Constantinescu in "Family Dinner" (Anita Beckers, Frankfurt): Während Mann und Tochter das Abendessen zubereiten, genießt die Mutter im Bad die heiße SMS-Anmache ihres Lovers. Ein guter Moment für den Blick auf den großen Strom, über den sich einst die Auswanderer auf den Weg in ein besseres Leben machten.

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