
RomDie Turiner Messe der moderne und zeitgenössischen Kunst Artissima hat eine neue Leiterin. Der Vorstand der Turiner Kunsthäuser kürte unter den 40 Bewerbern einstimmig Sarah Cosulich Canarutto. Die 38-jährige Kunstkritikerin und Kuratorin aus Triest tritt in die Fußstapfen von Francesco Manacorda, der von Liverpool zur Leitung der Tate abgeworben wurde (S. Handelsblatt vom 3.1.2012).
Die Ernennung von Sarah Cosulich Canarutto darf zweifelsfrei als weitere Bestätigung für den zunehmenden Einfluss von Francesco Bonami im italienischen Kunstpanorama gedeutet werden. Denn auch Sarah Cosulich Canarutto gehört zur Entourage des italienischen Kritikers und Kurators. Ging dessen Venedig Biennale 2003 zwar nicht gerade als Glanzleistung in die Geschichte ein, so werden ihm pädagogische Fähigkeiten offenkundig nicht abgesprochen. Denn sowohl Sarah Cosulich Canarutto als auch der neu gekürte Venedig Biennale Leiter 2013, Massimiliano Gioni, stammen aus Bonamis Kuratoren-Stall. Wie Gioni ging die neue Artissima-Leiterin Bonami schon bei seiner Biennale zur Hand und wurde anschließend (von 2004 bis 2008) Ausstellungsmacherin in dem von Bonami geleiten Haus der Kunst, Villa Manin, in Udine.
Erfahrung als Beraterin privater Sammler
Von ihrem Meister hat die Expertin aber auch die Kunst der Diplomatie, die Pflege der guten Verbindungen zu Stiftungen, Galerien und Sammlern gelernt, in der Bonami schon zu Zeiten seiner künstlerischen Leitung der Turiner Stiftung Sandretto Re Rebaudengo, eine der bedeutendsten privaten Kunstsammlungen in Italien, brillierte. Mit Erfolg nahm sich Sarah Cosulich Canarutto dem Schicksal der Mailänder Galerie Cardi Black Box an, einer Kunst-Gesellschaft, die unter ihren Teilhabern unter anderem die Tochter des früheren Premiers Silvio Berlusconi, Barbara, zählt.
Außerdem streckte Canarutto ihre Fühler über die Grenzen in der Schweiz aus, wo sie seit 2010 als art-advisor tätig ist und kunstbegeisterte Schweizer beim Sammeln berät. Zweifelsfrei dürfte diese Erfahrung ihr in der von der Jury erhofften kommerzielleren Ausrichtung der Artissima dienlich sein. Denn wurde auch Vorgänger Manacorda ob seiner publikumswirksamen Experimentierfreudigkeit hoch gelobt, ließ doch das Geschäftsvolumen zu wünschen übrig, was die Messe letztlich für renommierte internationale Galerien weniger attraktiv machte.
Herzlichen Glückwunsch:-) + Viel Erfolg
Mané Wunderlich Berlin
Was ist denn "weiblicher Pragmatismus und Geschäftssinn"? Ist das etwas anderes als einfach nur Pragmatismus und Geschäftssinn? Oder geht es hierbei wie üblich darum, Frauen eine mehr oder besseren Geschäftssinn beizulegen als Männern, d.h. Misandrie zu verbreiten?
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