Kunstmarkt

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Auktionen für Fotografie: Fiel der Handel auf gefälschte Fotos herein?

Im März 2011 wurden in Paris 258 alte Fotografien von Charles Edouard de Crespy Le Prince versteigert. Möglicherweise waren alle gefälscht. Die französische Polizei ermittelt. Aber auch die Einlieferer klagen.

von Olga Grimm-Weissert
Eines der bei Artcurial Deauville versteigerten Fotos von Charles Edouard de Crespy Le Prince (1784–1851), die unter Fälschungsverdacht stehen. Quelle: Katalog Artcurial Deauville
Eines der bei Artcurial Deauville versteigerten Fotos von Charles Edouard de Crespy Le Prince (1784–1851), die unter Fälschungsverdacht stehen. Quelle: Katalog Artcurial Deauville

ParisForsche französische Fälscher verunsichern den internationalen Fotomarkt. Wie man erst jetzt erfährt, kam am 29. März 2011 bei dem Auktionshaus Artcurial Deauville (Normandie) ein Riesenkonvolut mit völlig unbekannten Künstlerfotografien aus der Frühzeit der Fotografie unter den Hammer. Der Auktionskatalog präsentierte die Fotos als Werke des Malers und Lithographen Charles Edouard de Crespy Le Prince (1784–1851). Er habe 258 Papiernegative und Positive „vermutlich 1848“ belichtet, heißt es darin. Sie zeigen ausschließlich idyllische Baum- und Felsmotive. Versteigert wurden sie auf 83 Lose verteilt, die einzeln Preise bis zu 34.080 Euro erzielten. Der Erlös der Auktion betrug insgesamt rund 550.000 Euro.

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Experte der Artcurial Deauville-Auktion war der freiberufliche Gregoy Leroy, der früher im Pariser Stammhaus von Artcurial und anschließend als Berater bei Sotheby’s die Fotoauktionen betreute. Mehrere Monate vor der Versteigerung zeigte Leroy die Fotos der Direktorin für historische Fotografie der französischen Nationalbibliothek (BNF), Sylvie Aubenas, und einem ihrer Restauratoren. Sie behaupteten nach der Auktion, ihre Zweifel an der Authentizität geäußert zu haben. Leroy bedankte sich im Katalog für die Unterstützung der BNF-Sachkenner und bei zwei anderen kompetenten Personen, als hätten sie die Fotos für echt befunden.

Kurz vor der Auktion führte Leroy auf der Kunst-und Antiquitätenmesse Tefaf in Maastricht dem internationalen Handel seinen „Fotofund“ vor. Der Münchner Galerist Daniel Blau riet Leroy energisch, die unmittelbar bevorstehende Auktion abzusagen und wissenschaftliche Untersuchungen vornehmen zu lassen, weil die Fotos höchst problematisch seien. Dem Handelsblatt gegenüber sagte er: „Sie sind entweder ein Jahr oder 40 bis 50 Jahre alt, keinesfalls älter.“

Die im Katalog genannten Personen, der Reiz einer Entdeckung, oder einfach Geldgier verführten den internationalen Handel, persönlich oder am Telefon sämtliche Lose anzukaufen. François Honnorat, dem Anwalt der Einlieferer zufolge, waren alle Käufer Händler, bis auf den Experten Leroy. Dass er ein Los erwarb, kritisierte der Rechtsanwalt dem Handelsblatt gegenüber. Es ist jedoch Usus, dass Experten im Auftrag von Kunden kaufen.

Verdacht nach einem Monat

Etwa ein Monat nach der Versteigerung wurden Gerüchte laut, dass sämtliche Fotos gefälscht seien. Einige internationale Käufer beauftragten daraufhin im Sommer 2011 Paul Messier vom Boston Museum of Fine Arts mit der wissenschaftlichen Untersuchung der Fotos. Diese ergab angeblich, dass sie gefälscht seien. Der Bericht von Messier liegt nur einigen Händlern und der französischen Polizei vor. Diese ermittelt im Auftrag des Staatsanwalts des Pariser Landesgerichts gegen die Fälscher, nachdem der Experte Leroy Strafanzeige wegen Betrugs gegen einen der beiden Einlieferer, Jean-Marie Malzieu, erstattet hatte. Er wechselte seine Position und solidarisierte sich mit den Käufern.

Als Gegenschlag klagte Malzieu mit dem zweiten Einlieferer der Fotos, Jean Reverdy, gemeinsam das Auktionshaus Artcurial Deauville in einem Eilverfahren beim zuständigen Landesgericht Lisieux auf Bezahlung des Auktionserlöses. Die Einlieferer wählten den renommierten Rechtsanwalt François Honnorat. Dieser und seine Mandanten gewannen das Eilverfahren. Artcurial Deauville und Experte Leroy müssen den Einlieferern die von den Bietern einkassierten Beträge bezahlen. „Das Auktionshaus hatte die Fotos praktisch ein Jahr lang zur Prüfung vorliegen“, erklärt Anwalt Honnorat. Es habe die Verpflichtung, die Fotos zu überprüfen und seine Mandanten zu bezahlen. Honnorat fügt hinzu: „Wir sind Private, wir verstehen nichts von der Materie“.

Obwohl der Auktionator der Fotoversteigerung, James Fattori, das Auktionshaus Artcurial Deauville kürzlich verließ, ist dieses nach Ansicht des Anwalts Honnorat der Vertragspartner, also voll verantwortlich. Der neue Generaldirektor des Auktionshauses, Eric Hoyau, teilt dem Handelsblatt mit: „Die Behauptung, es handle sich um Fälschungen, stützt sich auf gar nichts.“  Dieselbe Ansicht vertritt Honnorat. Der Anwalt stellt sich auf den Standpunkt, solange es kein Gutachten von einem gerichtlich vereidigten Sachverständigen gebe, sei die Behauptung der Fälschung unbegründet. Weder das Auktionshaus, noch die Verkäufer hätten jemals ein Gutachten vorgelegt bekommen, teilen Honnorat und Hoyau dem Handelsblatt mit.

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