Kunstmarkt

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Auktionshaus Koller: Millionenpreise wie bei den Glamour-Auktionen

Zeitweilig hatte es den Anschein, man befände sich in einer Glamourauktion in London oder New York. Das Züricher Auktionshaus Koller kann Ausreißer nach oben und ein solides Mittelfeld verbuchen.

Salvador Dali: „Paysage du Port Lligat avec anges familiers et pêcheurs“ Quelle: VG Bild-Kunst / Koller Auktionen
Salvador Dali: „Paysage du Port Lligat avec anges familiers et pêcheurs“ Quelle: VG Bild-Kunst / Koller Auktionen

ZürichZeitweilig konnte man sich bei der Gemäldeversteigerung von Koller-Auktionen in Zürich am 7. Dezember tatsächlich fragen, ob man sich wirklich in der soliden Limmatstadt oder nicht vielleicht doch in London oder New York befand: Tatsächlich purzelten die Millionenpreise hier nämlich fast mit der gleichen Selbstverständlichkeit wie in den dortigen Glamourauktionen. So sicherte sich ein anonymer Telefonbieter Paul Signacs schön erhaltene Seine-Landschaft mit dem Blick auf die Festung Château-Gaillard von 1921 zur oberen Taxe für 4,16 Millionen Schweizer Franken. Nur wenige Lose später kletterte Salvador Dalís 1950 gemalte "Paysage du Port Lligat avec anges familiers et pêcheurs" sogar deutlich über die obere Schätzung auf 4,4 Millionen Franken. Umsatzstar in der Schweizer Kunst war Albert Anker: Erst erzielte sein um 1880 gemaltes Stillleben "Teeservice" 1,75 Millionen Franken, dann sein noch etwas früheres Kinderbild "Schreibender Knabe mit Schwesterchen I" von 1875 3,45 Millionen Franken und schließlich noch ein kleines Bild eines frühstückenden Mädchens 595 000 Franken.

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Solche Spitzenpreise blieben nicht isoliert, wesentlich zum ermutigenden Bild trug der solide Absatz im gehobenen preislichen Mittelfeld bei, von Emil Noldes klassischem Marschlandschaft-Aquarell für schätzungsgemäße 228 000 Franken bis zu Auguste Rodins kleiner Bronzebüste der Berliner Schriftstellerin Helene von Nostitz für 168 000 Franken. Insgesamt hielt sich das Mittelfeld hier deutlich besser als andernorts. Mehr Sorgen bereiten dagegen nach wie vor die klassischen europäischen Barockmöbel und verwandte Zierstücke, zu ihrer Gründungszeit vor 50 Jahren noch das Kerngebiet der Galerie Koller. Vereinzelte Spitzenpreise wie die schätzungsgemäßen 360 000 Franken für eine rosa emaillierte Louis-XVI.-Lyrapendule können nicht darüber hinwegtäuschen, dass von den angebotenen 318 Losen dieser Abteilung nur 150 oder 47 Prozent verkauft werden konnten.

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Ausgeglichen wurde diese Absatzschwäche im Bereich der Möbel und Antiquitäten jedoch durch teilweise überraschende Ergebnisse der Juwelenauktion. Der markt- und schätzungskonforme Preis von 882 500 Franken für einen 6,03 Karat schweren, lupenreinen Typ-2A-Brillanten der besten Farbe D belegt dabei nur die Kompetenz des Züricher Unternehmens, solche Steine ebenso gut verkaufen zu können wie in Genf oder New York.

Ein unerwartet erfolgreiches Geschäftsjahr insgesamt beschlossen diese Dezemberauktionen für Koller mit einem Auktionsvolumen von rund 100 Millionen Franken. Dies macht das 1958 von Pierre Koller gegründete und heute von seinem Sohn Cyril Koller geführte Züricher Familienunternehmen nicht nur zum umsatzstärksten einheimischen Kunstmarktunternehmen der Schweiz, sondern reiht es sogar unter die zehn größten Auktionshäuser weltweit. Ob die künstliche, von der Schweizer Nationalbank aus Gründen der wirtschaftlichen Konkurrenzfähigkeit betriebene Schwächung des Schweizer Frankens gegenüber dem Euro, der den Auktionskauf in der Schweiz für Euro-Zahler gegenüber einheimischen Käufern um ein bis zwei Bietschritte günstiger macht, zu diesem guten Geschäftsjahr beigetragen hat, lässt sich dabei kaum schlüssig feststellen.


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