
BERLIN. Ein klein wenig Selbstkritik erlaubt sich Wolfgang Mecklenburg, Mitinhaber von J.A. Stargardt in Berlin, im Rückblick auf die 694. Autographen-Auktion: "Sie finden einige Rückgänge in den unteren Bereichen, besonders bei der Geschichte. Aber das ist zu verschmerzen." So kann sprechen, wer bei einer Schätzpreissumme von rund 1 Mio. Euro ohne Aufgeld 1,6 Mio. Euro umgesetzt hat. "Die sechsstelligen Zuschläge sind besonders erfreulich, aber auch im mittleren Bereich hat sich Einiges getan", erzählt er.
Das spektakulärste Los der Auktion war sicherlich der Stapel Briefe von Samuel Hahnemann, der bei einem Hausverkauf im sächsischen Penig aufgefunden wurde. Der Erfinder der Homöpathie therapiert mit ihnen aus der Ferne eine Patientin, mit unbekanntem Ausgang. Eine in dieser Fülle wohl nie angebotene Brieffolge dürfte wohl noch nicht auf dem Markt gewesen sein; das Interesse war entsprechend groß. Ausschließlich Privatsammler boten mit und hoben die Gebote von 60.000 auf 140.000 Euro ohne Aufgeld. Fünf ausführliche Briefe Friedrich Nietzsches aus Nizza, Sils und Turin an Emily Finn, die durch im Auftrag bietende Händler von auf 40.000 ebenfalls auf 140.000 Euro gehoben wurden. Die gleiche Summe spielte bei identischer Taxe ein Blatt ein, das eher als Kuriosum gälte, handelte es sich bei der Quittung nicht um Schriftstück von Johann Sebastian Bach, dessen Autographen extrem selten sind. Seine Bestätigung über eine erhaltene Mietzahlung für ein Klavier hat seine neue Heimat jetzt im Bacharchiv Leipzig.
Einen bisher als verschollen geltenden Entwurf für einen neuen Schluss von Richard Wagners "Fliegender Holländer" eroberte ein deutsches Sammlerehepaar gegen fünf europäische Konkurrenten mit einem Gebot von 50.000 Euro (Taxe 20.000). Das Notenblatt von Hugo Wolf zu Joseph von Eichendorffs Lied "Heimweh" ging für 40.000 Euro (Taxe12.000) ebenfalls an einen deutschen Sammler, gegen eine Bibliothek in den USA.