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Berggruen-Biografie: Vom Mäzen zum Geldsammler

Vivien Stein hat eine umstrittene Biografie über den Kunsthändler Heinz Berggruen verfasst. Sie gibt Einblick in den Kunstmarkt und die Strategie eines Taktikers. Vor allem ist es eine gründliche Demontage posthum.

Der verstorbene Kunstsammler Heinz Berggruen vor einer Picasso-Zeichnung. Quelle: dpa
Der verstorbene Kunstsammler Heinz Berggruen vor einer Picasso-Zeichnung. Quelle: dpa

BerlinDiese Biografie ist die Revision einer selbstgefälligen Autobiografie. Vivien Steins 570-Seiten-Buch „Heinz Berggruen - Leben & Legende“ betreibt eine so gründliche Demontage des 2007 verstorbenen Kunsthändlers, dass das noble Charakterbild des Künstlerfreundes, Sammlers und Mäzens, der 1996 seine Lebenserinnerungen publizierte, sich in das eines geldgierigen Marktstrategen verwandelt.

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Zum Teil hat sie recht, zum Teil ist diese Entzauberung des 1914 geborenen, vorwiegend in Paris, der Schweiz und zuletzt in Deutschland aktiven Händlers mit Spekulationen gespickt, die sich in dem über hundertseitigen Anhang in schwammigen Nachweisen niederschlägt: „Vertrauliche Mitteilung“, „Erzählt von einer Dame, die hinter Berggruen in einer Schlange stand“. Auch ohne solche kaum nachprüfbaren Belege enthält das Buch noch Zündstoff genug.

„Ein denunziatorisches Werk“ ist es für Michael Naumann, damals als Kulturstaatsminister der Verhandlungsführer, heute „Cicero“-Chefredakteur: „Tatsache ist, dass die Autorin, die sich viele Jahre lang als Schmetterling in der Berliner Kulturszene bewegte, es versäumt hat, genau diejenigen Akteure zu befragen, die den Verkauf der Berggruen-Sammlung an Staatlichen Museen zu Berlin zu verantworten hatten.“

Vivien Steins zentrale Thesen sind die, dass der Bildersammler Berggruen nie ein Mäzen, sondern immer nur ein Geldsammler war, der Stimmungen ausgenutzt, die Museen benutzt und sich als ewiger Steuerflüchtling ein Geldimperium in Steuerparadiesen wie der Schweiz, den British Virgin Islands und der Isle of Man aufgebaut habe, von dem noch heute seine Erben zehren.

Der stärkste Vorwurf ist der, dass Berggruen, der 1936 in die USA emigrierte und fast vier Jahrzehnte als Pariser Kunsthändler agierte, sich weder als Emigrant noch später zu seinem Judentum bekannt habe. Erst in den neunziger Jahren in Berlin, als die Gründung des Museums Berggruen näherrückte, habe er mit Aplomb die „Judenkarte“ ausgespielt.

  • 19.12.2011, 08:16 UhrAnonymer Benutzer: Fred_Kirchheimer

    Na Herr Herchenröder, ist Ihnen eine alte FAZ in die Hand gefallen und hat Sie auf die Idee gebracht, die bereits dort abgehandelte Beurteilung des Buches von Frau S. jetzt nochmals in im HB zu recyclen?
    Es ist schon interessant, warum man überhaupt eine Besprechung bringt, wo doch festgestellt wurde, daß die Autorin großteils fadenscheinige Argumentationsstränge geflochten hat, die zudem schwer bis nicht nachvollziehbar sind. Tja, wenn das Buch nun schon schon schwere handwerkliche Fehler hat, dann leuchtet es mir nicht ein, warum dann den Teilen geglaubt wird, die - warum auch immer - weniger abstrus daher kommen. Entweder ist ein Buch durchgehend sauber und verifizierbar geschrieben, oder man läßt es gleich links liegen.
    Wie gesagt, die FAZ hat sich schon eingehend damit beschäftigt, dann braucht es keine Aufguss, zumal in diesem Land genügend Bücher veröffentlicht werden, die keine Beachtung finden.

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