
Stammeskunst aus ehemaliger deutscher Kolonie
Unter den Galeristen, die mit Stammeskunst handeln, wartet der Brüsseler Patric Didier Claes mit einem zirka zwei Meter hohen anthropomorphen Monolith-Stein aus Zentralafrika auf. Er ist mehr als 1.000 Jahre alt und kostet eine sechsstellige Summe. Eine ähnliche Preiserwartung hat der in Brüssel tätige Deutsche Adrian Schlag für eine bedrohlich wirkende Uli-Ahnenstatue aus der ehemaligen deutschen Kolonie Neu-Island. Sie befand sich 1929 im Besitz des Schriftstellers André Breton und wanderte später durch die Hände des Tophändlers Charles Ratton.
Bei den mittelalterlichen Skulpturen sind die Flamen besonders stark. De Backker Medieval Art, Hoogstraten, hat etwa das Tafelbild eines Nachfolgers von Hugo van der Goes im Angebot. „Die Geburt Christi“ entstand um 1450. Goes gilt wegen seiner „clair-obscur“-Technik (hell-dunkel) als ein Vorreiter Caravaggios. Bei Helmut Riedl, Straubing, trifft man auf weniger prominente Altmeister, ergänzt von einigen Werken des späten 19., frühen 20. Jahrhunderts.
Art déco der dreißiger Jahre ist rar
Auf dem Möbel- und Objets d'art-Sektor zieht Steinitz mit einem stupenden Angebot von Alabaster-Vasen an. Sie stammen kreuz und quer aus verschiedenen Ländern und Jahrhunderten und decken preislich ein Spektrum zwischen 80.000 und 500.000 Euro ab. Der blutjunge Oscar Graf, Sohn des bekannten Dekorateurs Franz Joseph Graf, hat sich auf Mobiliar und Beleuchtungskörper des Jugendstils spezialisiert. Für sechs Ebenholzstühle von Bruce Talbert (um 1878) verlangt er 18.000 Euro. Das Art-déco verlagert sein Angebot wegen der absurden Auktionspreise für die 1930er-Jahre zusehends auf die 1960er-Jahre. Jean-Jacques Dutko, Paris, bietet noch Palmenholzmöbel von Eugène Printz (1 an, ergänzt seinen Stand aber mit einer Metalltisch-Skulptur von Maria Pergay aus den 1970er-Jahren. Die Galerie Futur antérieur aus Brüssel erwartet für das Pergays kurvenreiches Edelstahlbett „Flying Carpet Day Bed“ (1968) 100.000 Euro. Bei Felix Marcilhac befindet sich ein Ruhebett aus Pergament mit Zinkbeschlag, das 50.000 Euro kosten soll. Entworfen wurde es 1936 von André Arbus, der zur zweiten Generation der Art déco-Künstler gehört.
Klassische Moderne bis 300.000 Euro
Auf dem Sektor der modernen Malerei fehlen Topgemälde. Da die diesjährigen BRAFA-Preise selten die 300.000 Euro-Grenze überschreiten, hat das seine Logik. Patrice Trigano hält ein aquarelliertes Porträt von Francis Picabia (um 1939) für 90.000 Euro bereit. Die Malerei nach 1945 ist besser repräsentiert. Claude Bernard, Paris, zeigt eine große Auswahl von Papierarbeiten des durch seine KZ-Vergangenheit geprägten Zoran Music (15.000 bis 200.000 Euro). Jan Fabre kommt auf seine Vorliebe für grün-blau-schillernde Scarabäen zurück und platziert seine Käfer-Skulpturen in zwölf Riesenrahmen. Guy Pieters, Knokke, erwartet 200.000 Euro für das Exemplar. Übrigens gibt Pieters seine im März 2010 eröffnete Pariser Galerie wieder auf.