
Eine Entdeckung ist die Gruppe von Aquarellen und Graphiken von expressionistischen und neusachlichen Künstlerinnen. Viele von ihnen sind aufgrund ihrer Lebensschicksale in den bewegten Zeiten in Vergessenheit geraten. Marvin und Janet Fishman haben durch ihre Kennerschaft und durch ihr Engagement dazu beigetragen, dass Künstlerinnen wie Fritzi Löw, Grethe Jürgens, Tina Bauer-Pezellen und Bobette van Gelder nun ihre verdiente kunsthistorische Anerkennung sowie ihren Stellenwert im Kunstmarkt erhalten.
Unter den Künstlerinnen der Fishman-Collection ist es vor allem Jeanne Mammen, die heute auch einem breiteren Publikum bekannt ist. Ihr Aquarell „An der Schießbude“, um 1929, zeigt zwischen kühler Distanz und sensiblem Einfühlungsvermögen oszillierend Menschen ihrer Zeit (50 000 bis 60 000 Euro). Die Berliner Künstlerin, die in Paris aufwuchs und dort studierte, floh 1914 aus Frankreich nach Berlin und zog bereits 1919 in ihr Atelier am Kurfürstendamm, ihr Ausgangspunkt für Streifzüge durch die Bars und die Straßen der Stadt.
Bereits im Herbst 2000 kamen ausgewählte Fishman-Werke in einer Sonderauktion „German Art from Expressionism to Resistance“ bei Sotheby’s London unter den Hammer. Mit dieser Versteigerung wurde der Markt für einige Künstler regelrecht erschlossen. Auktionsrekorde gab es für Felix Nussbaum, Erich Heckel und Conrad Felixmüller. Damals wurden von 157 angebotenen Losen 92 verkauft und spielten umgerechnet rund 11 Mio. Euro brutto ein. Der höchste Erlös galt mit rund 2,2 Mio. Euro dem Gemälde „Bar, Braun“ von Max Beckmann von 1944.
Allerdings war damals der Markt für die teils sehr hohen Erwartungen noch nicht bereit. Für Ludwig Meidners „Apokalyptische Landschaft“, eines seiner Hauptwerke, waren rund 5 Mio. Euro angesetzt. Im Februar 2006 wurde es abermals bei Sotheby’s London angeboten für rund 1,3 Mio. Euro und erzielte dann laut Artnet rund 2,6 Mio. Euro brutto.
Einige der Werke werden nun bei Karl & Faber wieder angeboten, etwa das nicht ganz leicht verkäufliche Porträt einer misshandelten Prostituierten des Münchener Malers Josef Scharl. 2000 erwartete Sotheby’s rund 48 000 Euro. Damals wurde das Ölgemälde verschmäht. Nun sucht es wieder einen Liebhaber – bei einem attraktiven Schätzpreis von 15 000 bis 20 000 Euro.