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Galerie Heinemann: Die verborgene Geschichte von 43 000 Gemälden

Für die Herkunftsbeschreibung und für Restitutionsfälle sind Galeriearchive bedeutend. Das der Galerie Heinemann ist jetzt online. Dort können nun Informationen zu mehr als 43 000 Werke aus allen Epochen abgerufen werden.

Franz von Stucks "Selbstbildnis an der Staffelei": Das Gemälde erschien dreimal in den Katalogen, bevor es gekauft wurde. Quelle: bpk/ Nationalgalerie, SMB/ Jörg. P. Anders
Franz von Stucks "Selbstbildnis an der Staffelei": Das Gemälde erschien dreimal in den Katalogen, bevor es gekauft wurde. Quelle: bpk/ Nationalgalerie, SMB/ Jörg. P. Anders

BERLIN. Das Deutsche Kunstarchiv im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg leistet einen wichtigen Beitrag zur Provenienzforschung. Es hat die kompletten Geschäftsunterlagen der Münchener Galerie Heinemann (1872 - 1939) ins Netz gestellt. Die Datenbank „heinemann.gnm.de“ liefert Informationen zu über 43 000 Gemälden aller Epochen – zu Eigenbesitz der Galerie und Kommissionsware. Rund 13 000 Museen, Sammler und Händler sind in dem Datenspeicher erfasst. Grundlage bilden die Geschäftsbücher und Karteikarten, außerdem die Kataloge und Fotografien der Galerie, die das Münchener Zentralinstitut für Kunstgeschichte bereitstellte.

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Die Galerie, die 1872 von dem Genremaler David Heinemann gegründet und unter seinem Nachfolger Theobald Heinemann ab 1895 zu einer der wichtigsten Münchener Kunsthandlungen wurde, hat ein Kapitel deutscher Geschmacksgeschichte geschrieben. Ihre Spezialität waren Werke der Münchener Schule und deutscher Maler des 19. Jahrhunderts. Mit Dependancen in New York, Nizza, Frankfurt a.M. und Bad Kissingen mehrte sie ihren Ruf auch in fernen Regionen, wo wichtige Kunden saßen.

In ihrer Hoch-Zeit 1896 bis 1914 präsentierte sie in Sonderausstellungen aber auch den Briten John Constable, altspanische Malerei und französische Meister vom Rokoko bis zum Impressionismus. In den bis 1920 regelmäßig erscheinenden illustrierten Lagerkatalogen bot sie eine hochkarätige Mischung aus ihrem zeitweise 1 500 Gemälde umfassenden Bestand. Aus der Datenbank ergibt sich ein Bild der besten und der mageren Galeriejahre und damit auch spannendes Mosaik einer Kunstmarktära, die von 1906 bis 1912 ihren Höhepunkt hatte und ab 1918 auf Sparflamme kochte. Von 1933 bis zum Ende der Ära Heinemann gab es nur noch sechs Ausstellungen, die letzten zwei bezeichnenderweise mit dem vom Führer geliebten Carl Spitzweg.

Die Glanzzeit begann 1903. Als die Galerie aus der Prinzregentenstraße in das von Emanuel von Seidl im französischen Renaissancestil erbaute Galeriegebäude am Maximiliansplatz (später Lenbachplatz) einzog, war das der äußere Ausdruck einer marktbeherrschenden Position. Neben Bernheimer und A.S. Drey war die Galerie Heinemann zur führenden Kunsthandlung Münchens geworden. Ihren musealen Anspruch untermauerten auch Altmeistergemälde erster Güte, die nicht in den Katalogen vertreten waren: Cranach, Rubens, Rembrandt, ganz zu schweigen von den in Sonderkatalogen präsentierten Franzosen Boucher, Fragonard, Watteau und den spanischen Großmeistern El Greco, Zurbaran, Goya.

Der geschäftliche Erfolg nutzte auch den Museen: Die Heinemanns stifteten der Pinakothek Werke von Joshua Reynolds und Henry Raeburn, verzichteten bei Staatsankäufen auf einen Teil des Erlöses und spendeten Summen für galerieunabhängige Ankäufe. Theobald Heinemann wurde dafür mit dem Titel eines Kommerzienrats belohnt.

In 287 Ausstellungen dominieren die sogenannten „Kollektiv-Ausstellungen“, in denen die zeitgenössische Malerprominenz Revue passierte, darunter viele Namen von Lokalkünstlern, die uns heute nichts mehr sagen. Doch für die Münchener Kunst von Spitzweg bis Stuck blieb die Galerie bis zu ihrer „Arisierung“ im Jahr 1939 ein Hauptvermittler.

Leider reicht die Dokumentation des Deutschen Kunstarchivs nur bis 1939, in dem die Galerie von dem leitenden Angestellten F. H. Zinckgraf übernommen wurde. Noch nach diesem Zeitpunkt sind verschiedene Bilder (u. a. von Feuerbach und Stuck) in den „Sonderauftrag Linz“ für das geplante Führermuseum gewandert, und was in dieser Periode von der Galerie aus jüdischem Besitz vermarktet wurde, lässt sich nur über Umwege klären.

Wie sehr das einstige Heinemann-Label auch in andere Provenienzrecherchen hinübergreift, zeigt sich an Franz von Stucks 1905 entstandenem „Selbstbildnis an der Staffelei“, das heute als Leihgabe der Bundesrepublik Deutschland in der Berliner Nationalgalerie hängt. Das Bild von Heinemanns Starkünstler erschien dreimal in den Katalogen, bevor es 1909 von dem Berliner Baurat Walther erworben wurde. 1958 erklärte ein Privatmann in einem Rückerstattungsantrag, sein Onkel habe das Bild von 1914 bis zur Emigration besessen. Wegen der Schwierigkeit, das Gemälde – eines von vielen Selbstbildnissen des Künstlers – eindeutig zu identifizieren, und der nicht belegbaren Angabe, dass es 1914 schon wieder auf dem Markt war, wurde die Restitution abgelehnt. Die so verdienstvoll erschlossenen Primärquellen können eben auch nur ein Steinchen zum großen Mosaik der Werkwanderung liefern.

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