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Georg Baselitz: Plädoyer für unverkrampfte Körperlichkeit

Georg Baselitz zeigt in Potsdam den Teil seines Frühwerks, den er nie verkauft hat. Da wird deutlich, dass die figurative Darstellung von Lust und Frust sich gegen die marktbeherrschende Abstraktion wandte.

Georg Baselitz vor seinem Gemälde „Grosse Nacht im Eimer“ Quelle: AFP
Georg Baselitz vor seinem Gemälde „Grosse Nacht im Eimer“ Quelle: AFP

PotsdamGeorg Baselitz gilt mit Recht als Prototyp des deutschen Künstlers: ein Künstler mit spontaner Klaue, expressivem Duktus und elementarem Formgefühl. Heute zählt er zu den teuersten lebenden Künstlern Deutschlands. Seine neueren Werke – die auf alte Themen zurückgreifenden „Remix“-Bilder – bringen spielend 500.000 Euro, während die Gemälde der 1960er-Jahre mit Rekordnotierungen bedacht werden.

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Der im Mai 2008 bei Sotheby’s für das 1965 entstandene Großformat „Bonjour Monsieur Courbet“ erzielte Rekordpreis von 4,6 Millionen Dollar steht bis heute. Das Bild zeigt einen in Wind und Wetter zu neuen Ufern vorwärts Schreitenden. Es ist ein Ebenbild des Künstlers, der zu dieser Zeit mit explosiven Menschendarstellungen schon seinen Stil gefunden hatte.

Kunstmarkt

Der 1938 als Georg Kern in Deutschbaselitz in der Oberlausitz geborene Maler begann das Studium 1957 in Ost-Berlin und befreite sich im Wintersemester 1957/58 an der Hochschule für Bildende Künste in Charlottenburg mit einem Schlag „von allem Gedankenballast, den ich noch aus dem Osten in mir trug“. Bilder von Jackson Pollock, Chaim Soutine und Francis Picabia saugt er auf.

Baselitz bekennt sich „Zur Peinlichkeit!“

1961 verfasst er mit dem Malerfreund Eugen Schönebeck das „Pandämonische Manifest“, das „Zur Peinlichkeit!“ aufruft und in expressionistischem Überschwang eine neue Kunstfreiheit reklamiert: „Bei uns ist die Blasphemie.“

Das Manifest ist Teil einer Ausstellung, die den Berliner Anfangsjahren aus der eigenen Sammlung des Künstlers gewidmet ist: 21 Bilder, darunter fünf „Remix“-Versionen, die als altersmilde Metamorphosen der Jugendschöpfungen zu werten sind, auch wenn sie sich um wilde Farbschwünge bemühen. Der ursprüngliche Furor ist hier einem beschwörenden Gestus gewichen.

Die kleine, aber gewichtige Ausstellung hängt im dritten Stock der 1843 von Ludwig Persius an der Glienicker Brücke erbauten Potsdamer Villa Schöningen, in der seit zwei Jahren neben einer Dauerschau zur deutschen Teilung und Wiedervereinigung jährlich zwei Kunstausstellungen gezeigt werden.

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