
ParisEin Sammelgebiet für Liebhaber kunstvoll-minuziöser Goldschmiedetechnik und nebenbei eine Investment-Nische sind Golddosen und sogenannte „Objets de vertu“. Der Begriff umfasst Tabak- und Puderdosen, Parfumbehälter und Golddosen, die mit Pietra-Dura (Steinmosaik), Edelsteinen oder Miniaturen auf Porzellan verziert sind. Für diese Meisterwerke, die von hohem handwerklichen Können, Erfindergeist und Fantasie zeugen, werden auch Schildpatt, Elfenbein, Email und Lack verarbeitet. Perlmutt-Auflagen sorgen für einen schillernden Effekt.
Die Herkunft der Bezeichnung „objets de vertu“ („Tugend-Objekte“) ist unsicher. Sie kommt vom englischen „Vertue“ und könnte der Name eines Goldschmieds oder eines Sammlers sein. Wahrscheinlich leitet sich der Begriff von den „tugendhaften“ protestantischen Goldschmieden her, die ihrem Glauben treu blieben. Sie verließen das katholische Frankreich Ende des 17. Jahrhunderts, weil das Edikt von Nantes, das ihnen beschränkte Religionsfreiheit garantierte, nur bis 1695 galt.
Winziges Mineralienkabinett
Im 18. Jahrhundert gehörten Golddosen zu den raffiniertesten Luxusgegenständen. Könige und Landesfürsten schenkten sie den Aristokraten, die sie in den tiefen Taschen ihrer Kleider oder Jacken trugen oder in ihren Empfangsräumen als Blickfang auslegten.
180 Golddosen sind bis zum 6. Mai im Pariser Musée Cognacq-Jay ausgestellt. In dem stillen Stadtpalais des 16. Jahrhunderts im Marais wird die hochkarätige und vielfältige Dosen-Sammlung von Ernest Cognacq (1839-1923) und Marie-Louise Jay aufbewahrt. Das Ehepaar gründete einst das inzwischen geschlossene Warenhaus La Samaritaine.
Anlass der Schau ist das Erscheinen des Bestandkataloges der „Golddosen und Objets de vertu“. Die 264 abgebildeten Objekte erfassen auch 24 gestohlene Golddosen, die entweder schon bei einem Einbruch 1937 oder im Zweiten Weltkrieg verschwanden.
Die Golddosen-Sammlung Cognacq-Jay ist wegen ihrer außerordentlichen Stücke international bekannt. Sie umfasst französische, englische und deutsche Objekte, darunter eine vom deutschen Goldschmied Johann-Christian Neuber in Dresden um 1780 gefertigte runde Golddose mit einem Mosaik aus 120 erlesenen Steinen (Pietra-Dura). Sie gilt als ein winziges Mineralien-Kabinett.