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Karl & Faber: Der Auktionator ist recht zufrieden

Karl & Faber versteigerte in München ausgewählte Klassische Moderne und zeitgenössische Kunst. Inhaber Rupert Keim sah so viele Bieter wie nie zuvor.

Lovis Corinths Stillleben mit Fischen (Öl auf Malkarton) von 1917. (Ausschnitt) Quelle: Karl & Faber
Lovis Corinths Stillleben mit Fischen (Öl auf Malkarton) von 1917. (Ausschnitt) Quelle: Karl & Faber

MünchenPrivate Sammler engagierten sich außerordentlich bei Karl & Fabers Auktion „Ausgewählte Werke“ am 10. Juni 2011. Aufgeboten wurden rund 200 Lose moderner und zeitgenössischer Kunst. Den stolzen Preis von 360.000 Euro (ohne Aufgeld) bewilligte ein süddeutscher Sammler für das Gemälde „Dorfstraße mit Fuhrwerk“ von Gabriele Münter. Das Werk entstand 1938 in Siglingen an der Jagst, dem Heimatort des Großvaters von Münter, der 1845 nach Amerika auswanderte. Obwohl es aus der späteren Schaffensperiode stammt, ist es doch im Stil der frühen Arbeiten gemalt. Die stille Komposition überzeugt durch die klare Formensprache mit starken Konturen und leuchtenden Farben. Münter gelingt der Spagat, die ländliche Idylle nicht zu verkitschen und gleichzeitig die Stimmung des Dorfes wiederzugeben. Der Schätzpreis lag bei 90.000 bis 120.000 Euro.

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Für das zweite Gemälde mit sechsstelliger Schätzung laufen derzeit die Verhandlungen noch. Alexander Kanoldts „Stillleben mit Büchern und Krügen“ (1920), das schon neusachliche Züge trägt, wurde mit 145.000 Euro unter Vorbehalt zugeschlagen (Taxe 160.000 bis 180.000). Einen guten Preis erzielte das „Stillleben mit Fischen“ von Lovis Corinth, das bereits 2006 bei Lempertz in Köln versteigert wurde. Das sehr freie, temperamentvoll malerische Ölgemälde blieb mit 75.000 Euro knapp unter der Taxe von 80.000 bis 90.000 und geht in Münchner Privatbesitz.

Gute Resonanz für Klassiker und Graphik

Die Verkaufsquote Karl & Fabers beläuft sich derzeit auf 75 Prozent der unteren Schätzpreissumme. Für Auktionator und geschäftsführenden Gesellschafter Rupert Keim ist das ein „schönes Ergebnis“, mit dem er sich „recht zufrieden“ zeigt. Er konnte so viele Bieter wie noch nie verzeichnen. Vor allem die Klassiker des 20. Jahrhunderts erfreuten sich guter Nachfrage, wenn sich auch die Zuschläge oft im Bereich der Schätzungen bewegten.

Pablo Picassos "Faune dévoilant une dormeuse" (Radierung mit Aquatinta auf Bütten) entstand 1936. Quelle: VG Bild-Kunst
Pablo Picassos "Faune dévoilant une dormeuse" (Radierung mit Aquatinta auf Bütten) entstand 1936. Quelle: VG Bild-Kunst

Die Druckgraphik stieß, wenn sie denn marktgerecht taxiert wurde, auf gute Resonanz. Das galt etwa für die attraktiven Blätter von Pablo Picasso, die überwiegend aus einer Privatsammlung aus Baden-Württemberg stammten. Der höchste Zuschlag von 45.000 Euro erzielte „Faune dévoilant une dormeuse“ aus der berühmten Graphikfolge „Suite Vollard“. Das Blatt zählt zu den drei Graphiken der Serie, bei denen Picasso die seltene Technik der „Aquatinta au sucre“, einem Aussprengverfahren auf Zuckerbasis einsetzte (50.000 bis 60.000).

Der Zuschlag von 25.500 zugunsten einer Münchner Sammlerin für eine winterliche Landschaft von Josef Scharl von 1935 zeigt die gesteigerte Nachfrage nach dem Künstler und den Werken der Avantgarde der Zwischenkriegszeit (15.000 – 18.000). Bereit bei der Auktion von Werken aus der Sammlung Marvin & Janet Fishman im Herbst letzten Jahres erzielte Scharls eindrückliches Ölgemälde einer misshandelten Dirne auf der Auktion „Tanz auf dem Vulkan“ den Rekordpreis von 84.000 Euro (ohne Aufgeld). 1935 wurde dem Künstler von den Nationalsozialisten ein Malverbot auferlegt. Er litt unter den politischen Entwicklungen in Deutschland und schrieb bereits 1933 an seinen Freund und Mäzen Otto Schmidt: „Oft gehe ich für einige Stunden in den Wald, in die Felder, um die vielen Menschen nicht sehen zu müssen, die keine sind.“ 1938 emigrierte der Künstler in die USA.

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