
Kunstfonds versprechen – ohne je für Transparenz zu sorgen – Jahresrenditen von über zehn, 15 und noch mehr Prozent. Aber die Umsatztabellen und Preiskurven, die sie veröffentlichen, beweisen nur die globale Expansion des Kunstmarkts. Preisindizes verzeichnen nur die Erfolge. Gescheiterte Werke, Kunst, die aus der Mode kommt und nicht mehr in den Prestigeauktionen der großen Auktionshäusern auftaucht, wird von ihnen nicht erfasst. Wie viele Werke von Damien Hirst oder Richard Prince, wie viele englische Mahagoni-Esstische oder Dresdener Barockschränke – alles „Investitionen“, die in den letzten Jahren mächtig an Wert verloren haben – werden von den großen Auktionshäusern abgelehnt?
„Es ist, als würde man im amerikanischen Aktienindex S&P 500 nur Aktien messen, die im Wert steigen, und folgern, dass sich Aktieninvestition lohnt“, schreibt Don Thompson in seinem Buch „The $12 Millionen Stuffed Shark“ über die „kuriose Ökonomie des Contemporary Markts“.
Der Kunstmarkt wird von nie da gewesener Liquidität getrieben. McAndrew räumt ein, dass der Boom an „außergewöhnliche Wirtschaftsbedingungen“ gebunden ist – niedrige Zinsen, die wachsende Unsicherheit in anderen Anlagesektoren. „Man investiert in Kunst, weil es so wenige Alternativen gibt“, so McAndrew.
Genau das ist es, was erfahrene Marktkenner beunruhigt: Dass immer mehr Geld auf der Suche nach harter Rendite statt Kunstgenuss in den Markt fließt. „Viele der neureichen Sammler haben überhaupt keine Beziehung zur Kunst“, berichtet der englische Skulpturenhändler Dino Tomasso.
Wissen diese Käufer, worauf sie sich einlassen? Viele werden gut verdienen, wenn sie in den Segmenten operieren, wo der Markt liquide und überschaubar ist. Aber für viele sind die Risiken unüberschaubar – vor allem bei der zeitgenössischen Kunst. „Contemporary Art ist wie eine Investition in ein Start-up-Unternehmen“, warnt van Rosenthal. „Ein paar haben Erfolg. Viel mehr scheitern.“

Kunst ist immmer nur so wertvoll, wie jemand bereit ist dafür zu zahlen. Im Kunstbereich exitieren zudem Moden, die Exponate hochreißen oder bis fast auf Flohmarktwerte abstürzen lassen. Kunst generell als Wertanlage zu betrachten, ist hoch spekulativ. Tamara de Lempicka ist eine Ausnahmeerscheinung; etliche Exponate aus der Jugendstil sind Ausnahmeerscheinungen. Alles aber Dinge, die so wertvoll & und selten sind, dass sie nur wenigen Menschen als Renditeobjekte dienen können.
Tragisch sind Kunstwerte, die im mainstream "hochgejubelt" und anschließend fallen gelassen werden; halt Mode. Auch Kunst ist Moden unterworfen. Vor ca. 35 Jahren war es hochmodern in alte Graphiken (Kupferstiche, Stahlstiche, etc.) zu investieren. Viele Bücher wurden regelrecht geschlachtet, um die Inhalte an die Wand zu bringen und den Rest quasi wegzuwerfen. Ganze Kulturwerte wurden dem Zeitgeist zum Ausschlachten übergeführt. Heute sind solche Graphiken "out" - die Eigentümer beginnen wegzusterben und die Erben interessiert es nicht mehr wirklich. Diese Kunst wird verramscht. Auch Kunst geht den Weg des Irdischen - früher oder später.
Tamara de Lempicka ist eine mächtige Ausnahmeerscheinung. Es wäre aber zu schade, die Bilder in Privatsammlungen zu verstecken. Bilder dieses Kalibers gehören in Museen, wo sie von vielen Menschen wahrgenommen werden können.
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