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Kunstmarkt: Kunstpower aus dem Rheinland

Der Siegeszug zeitgenössischer Künstler begann im Westen Deutschlands. Hier starteten von den sechziger Jahren bis zum Mauerfall internationale Karrieren. Rückblick auf ein Kapitel Marktgeschichte.

Sigmar Polke: "Remingtons Museums-Traum ist des Besuchers Schaum" (o.) malte der kürzlich verstorbene Künstler 1979 keck auf rosa Plüsch. Quelle: Kunstmuseum Bonn
Sigmar Polke: "Remingtons Museums-Traum ist des Besuchers Schaum" (o.) malte der kürzlich verstorbene Künstler 1979 keck auf rosa Plüsch. Quelle: Kunstmuseum Bonn

BONN. Seit dem Mauerfall gibt Berlin für die bildende Kunst den Ton an. Die Künstler wollen an die Spree, die Galerien ziehen scharenweise hinterher, Messen profilieren sich und Sammlermuseen entstehen. Doch das ist nur die halbe Geschichte. Im Rheinland nämlich steht die Wiege des Kunstbetriebs wie wir ihn heute kennen.

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Nirgendwo waren die Bedingungen in Deutschland günstiger, nirgendwo lieferten die Verflechtungen zwischen Künstlern, Sammlern, Galerien, Museen und Kunsthochschulen der Gegenwartskunst so nachhaltige Anstöße. Das behauptet Stephan Berg, Intendant des Kunstmuseums in Bonn, so trotzig wie selbstbewusst.

Am Rhein starteten internationale Karrieren

Bonn fährt die Großen des deutschen Kunstbetriebs auf: allen voran Gerhard Richter, Sigmar Polke, Andreas Gursky und Rosemarie Trockel. Ihre internationalen Karrieren starteten im Rheinland; sie prägten die Wahrnehmung deutscher Kunst im Ausland.

Pionierin der Fotokunst

Die Ausstellung will zugleich Geschichte schreiben und von der Gegenwart erzählen. Doch das gelingt nur mit Abstrichen. 19 im Kunstmarkt gut eingeführte Künstler und Künstlerinnen durften 14 junge oder noch wenig bekannte Namen ins Spiel bringen. Fast alle zeigen aktuelle Arbeiten. Da sie aber, von wenigen Ausnahmen abgesehen, jeweils einen eigenen Raum bespielen, wandert der Besucher durch eine Vielzahl unzusammenhängender Einzelausstellungen.

Da gibt es mitreißende und langweilige, lustlos bestückte Künstlerräume. Spannend ist die Wiederbegegnung mit Georg Herold, der wie in den achtziger Jahren anarchische Skulpturen aus Dachlatten zusammenzimmert, nur heute viel manieristischer. Fesselnd ist Katharina Sieverdings Projektion der Sonne in animierten Nahaufnahmen der Nasa. Geballte, pulsierende Energie macht sie sichtbar, aber auch ihre Zerstörungskraft, ihren Schrecken. Energie, auch Lichtenergie ist ein Thema, das sich bei ihr zurückverfolgen lässt bis zu Beginn der siebziger Jahre in das Umfeld der Düsseldorfer Akademie. Wer erinnert sich schon daran, dass Sieverding Pionierarbeit auf dem Gebiet der Fotokunst geleistet hat, lange bevor Bernd und Hilla Becher ihren stilbildenden Schülernachwuchs auf den Weg des Erfolgs schickten?

Seidenkleider in stiller Bewegung

Ursula Neugebauer mit ihrer fast lautlosen Installation rotierender Seidenkleider ist eine Entdeckung, der junge David Hahlbrock, Absolvent der Kunsthochschule für Medien in Köln, der Natur- und Medienkunst zusammenbringt, aber auch die vom Kunstmarkt übersehene ältere Erinna König.

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