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Kunstmarkt Paris: „Paris Tableau“ glänzt mit alten Meistern

Die Pariser Altmeistermesse geht in die zweite Runde und präsentiert sich schon in neuem Kleid. Die präsentierten Werke spiegeln den Geschmackswandel in dem Segment.

Sebastien Stoskopff, Vanitas mit Theriac -Behälter signiert und datiert 1627 Galerie Koetser, Zürich. Quelle: Galerie Koetser, Zürich
Sebastien Stoskopff, Vanitas mit Theriac -Behälter signiert und datiert 1627 Galerie Koetser, Zürich. Quelle: Galerie Koetser, Zürich

ParisMan taucht ein in eine luxuriöse Welt, sobald man die "Paris Tableau" betritt, die bis zum Montag die Pariser Börse umfunktioniert. Gezielt ausgeleuchtete Gemälde im dunklen Ambiente vornehmer Kojen oder helle Beleuchtung für die Großformate bei anderen Ausstellern. Dicht drängt sich das betuchte, eher betagte Publikum, wie bei der Tefaf in Maastricht, zu der "Paris Tableau" einen bewussten zeitlichen Abstand hält, da mehrere Galeristen beide Messen bespielen.

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Die Gründung der "Paris Tableau" ging auf die Analyse von Bob Haboldt zurück, der gegen die regressive Situation des Altmeister-Marktes - lange vor der "Frieze Masters" - konstruktiv reagierte. Die Marktverknappung und die reduzierte Sammleranzahl dieses Segments führen zur Reduzierung der Transaktionen. Darüber hinaus konstatiert man seit etwa drei Jahren grundlegende geschmackliche und thematischen Änderungen des Angebots, insbesondere einen auffallenden Hang zu religiösen Szenen. Zehn Pariser Händler haben nun mit der Organisation der "Paris Tableau"-Messe das Erfolgsrezept der Pariser Handzeichnungsmesse "Salon du Dessin" mit einer auf insgesamt nur 23 Händler beschränkten Ausstellerzahl übernommen; davon sind 21 Altmeisterhändler und zwei Rahmenhandlungen.

Die Anzahl der religiösen Gemälde dieser "Paris Tableau" ist frappierend: Christus am Kreuz oder bei der Grablegung, die Heilige Familie, Märtyrer und Heilige dienen oft als Blickfang der Stände. Händler wie Konrad Bernheimer, als Besucher auf der "Paris Tableau" anwesend, erzählen, dass neuerdings Käufer von zeitgenössischer Kunst die dramatischsten, blutrünstigsten Darstellungen erwerben. Als Beispiel dient die erst am 13. Juni 2012 im Hôtel Drouot für 92.940 Euro brutto ersteigerte anonyme deutsche oder holländische "Grablegung Christi" aus dem ersten Viertel des 16. Jahrhunderts. Der Pariser Händler Claude Vittet ließ sie reinigen und verkaufte sie sofort, angeblich an privat, für zirka 250.000 Euro, ohne sich mit dokumentarischen Nachforschungen aufzuhalten. Was übrigens rar ist, denn die Neuzuschreibungen, auf die ein halbes Dutzend Händler hinweisen, sind beachtlich.

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Der Londoner Mark Weiss (Weiss Gallery) schreibt die große Christus-Halbfigurendarstellung "Ecce-Homo" Anton van Dyck zu und erwartet dementsprechend 2,75 Millionen Euro für das Gemälde. Der Pariser Jean-François Heim argumentiert, dass seine "Meditation des Heiligen Franziskus von Assisi" vom Begründer der lothringischen Caravaggio-Schule Jean Le Clerc stammt und nicht, wie bisher angenommen, von dem Holländer Gerrit van Honthorst (250.000 Euro).

Die Offerte umfasst auch mythologische Sujets, wie bei Bob Halboldt (Paris-New York), der eine "Diana, Göttin der Jagd und des Mondes" von Cornelis van Haarlem anbietet. Das 1607 am entstandene Bild ersteigerte er im Dezember 2011 im Hôtel Drouot für 223.056 Euro. Haboldt erklärt, dass dieses seit 1949 in einer französischen Privatsammlung gehütete Tafelbild praktisch gleichzeitig mit einer dritten Diana-Version des Cornelis (von 1618) auftauchte, die Bonham's in London am wenige Tage später zuschlug. Merkwürdigerweise gab Haboldt der französischen Presse den Preis von 575.000 Euro für die in Paris verbliebene „Diana“ an, setzte ihn jedoch zum Messebeginn auf 450.000 Euro herunter. Eine zwar transparente, aber von der Strategie her unverständliche Preisgestaltung.

Weitere Tendenzen der zweiten "Paris Tableau" sind die vielen Stillleben: herausragend eine "Vanitas mit Theriac-Topf" von Sebastian Stoskopff, signiert und datiert 1627, für die Koetser aus Zürich 2,8 Millionen Euro erwartet. Die englischen Aussteller privilegieren große Veduten, eventuell ganze Ensembles, von italienischen Malern. Strenge englische und flämische Porträts und französische Genreszenen runden das Angebot der Messe ab.

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