
PARIS. Seit Jahren kursiert eine Anekdote im Pariser Versteigerungshaus Drouot: Unmittelbar vor einer Nachlass-Versteigerung stellt der Auktionator das Fehlen eines Flügels fest. Brüllend verlangt er von den Lagerarbeitern, die "Savoyarden" genannt werden, das Klavier sofort aufzufinden. Kurz darauf schleppen die "Savoyarden" ein Klavier an, das mit den restlichen Haushaltsgegenständen versteigert wird. Vierzehn Tage später ruft ein Erbe den Auktionator an und erkundigt sich vorwurfsvoll, wieso denn eigentlich das Klavier nicht abgeholt wurde.
So komisch diese Geschichte klingt, so ernst und aktuell ist ihr Kern. Denn im Hôtel Drouot brodelt ein Skandal: Zwölf Personen, neun im Drouot arbeitende Personen, darunter ein Versteigerer, und drei Angehörige, wurden letzte Woche nach Hausdurchsuchungen wegen Diebstahls festgenommen. Neun der Festgenommenen, auch der Versteigerer, sind inzwischen angeklagt. Drei Herren verbleiben in Untersuchungshaft, die anderen unter Kontrolle der Justiz. Ein harter Schlag für das Image des Drouot. Denn das Aufdecken - der vielleicht jahrzehntelang geduldeten - Praxis kleiner Diebstähle kommt zu einem konjunkturell besonders ungünstigen Zeitpunkt. Die Anklage lautet auf "verbrecherische Vereinigung, Diebstahl und Hehlerei in einer organisierten Gruppe". Die Höchststrafe wären 15 Jahre Haft und 150.000 Euro Strafe.
Mit einem verschwundenen Courbet-Gemälde flog alles auf
Eine Polizei-Einheit, die auf Kunst-Diebstahl spezialisiert ist, ermittelte seit Anfang 2009, als wegen des Diebstahls eines Landschaftsgemäldes von Gustave Courbet, "Paysage marin sous ciel d'orage", Anzeige erstattet wurde. Der Courbet hat einen Marktwert von ca. 100.000 Euro. Das Bild wurde jetzt bei den Hausdurchsuchungen neben Bargeld aufgefunden.