Kunstmarkt

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Lehmbruck-Museum: Mit größtmöglicher Einfachheit

Das Duisburger Lehmbruck-Museum versucht eine Neubewertung des Expressionisten Otto Mueller. Die Werkschau kommt zur rechten Zeit, denn auf dem Kunstmarkt rückt Mueller gerade in die erste Reihe auf.

„Sitzende in durchsichtigem Hemdchen“: Muellers Geliebte Irene Altmann. Quelle: © Privatsammlung
„Sitzende in durchsichtigem Hemdchen“: Muellers Geliebte Irene Altmann. Quelle: © Privatsammlung

DuisburgSchon zu Lebzeiten stand der Expressionist Otto Mueller (1874-1930) im Schatten der "jungen Wilden" der 1905 gegründeten Avantgarde-Künstlergruppe "Die Brücke", deren Mitglied er selbst seit 1910 war. Bis heute ist Muellers Werk weniger populär als etwa das von Hermann Max Pechstein oder Ernst Ludwig Kirchner. Die Gründe scheinen banal und sind doch bei näherer Betrachtung vielfältig. Während die jüngeren "Brücke"-Kollegen den Pinsel verschwenderisch in leuchtend explodierende Farben tauchten, bevorzugte Mueller "arme" Materialien wie groben Rupfen als Trägerstoff für Leimfarben mit einem vergleichsweise dezenten, überwiegend erdigen Farbspektrum. Auch Muellers Sujets sind weniger spektakulär und überraschend als die der Künstlerfreunde, denn sie kreisen im Wesentlichen um das immer gleiche Thema: Frauenakte.

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Mueller malte sie im Atelier und lieber noch in der freien Natur. Ab 1925 unternahm er mehrere Balkanreisen, deren Früchte holzschnittartig strenge und im Ton noch dunklere Porträts von Roma waren, was ihm den despektierlichen, ihm bis heute anhängenden Namen "Zigeuner-Mueller" einbrachte. Dass Mueller sich keineswegs hinter seinen farbfroheren Zeitgenossen zu verstecken braucht, will die Schau mit dem sprechenden Titel "Einfach. Eigen. Einzig." im Duisburger Lehmbruck-Museum beweisen. Die rund 140 Exponate umfassende Schau ist nur zum Teil hausgemacht, sondern wurde im Auftrag der in Weimar ansässigen internationalen Otto Mueller-Gesellschaft realisiert und hat in Duisburg bereits ihre dritte Station. Die Premiere war in Zwickau, dann ging sie nach Heilbronn, und nun ist sie in deutlich erweiterter Form in Duisburg zu sehen.

Raimund Stecker, der derzeit stark unter politischem Druck stehende Chef des auf Skulpturen spezialisierten Lehmbruck-Museums, musste sich bitten lassen, die Mueller-Retrospektive in sein Haus zu holen, und ließ sich wohl durch die großzügigen Spenden des uneigennützigen Sammlers Dieter W. Posselt überreden, aus dessen Sammlung ein großer Teil der Ausstellung bestückt ist. Mit den Schenkungen verfügt das Lehmbruck-Museum nun über 58 Werke von Mueller, doch ist es damit offenbar noch nicht genug. Denn der Sammler, der aus Südfrankreich gerade wieder zurückkehrt an den Rhein, wünscht sich nach der Ausstellung zwei bis drei Räume des Museums, in denen ständig die Mueller-Werke ausgestellt werden, und hat dem Museum weitere Schenkungen im Gegenzug zum Erwerb einzelner Werke in Aussicht gestellt. Die Offerte, so Museumschef Raimund Stecker, sei "großzügig", und man prüfe den finanziellen Spielraum.

Dass Otto Mueller kein zufälliger Gast im Lehmbruck-Museum ist, sondern mit dem Namenspatron in einem engen künstlerischen Bezug steht, zeigt die Ausstellung in überraschender Schlüssigkeit. Vor allem räumt sie mit der Behauptung auf, dass Otto Mueller sich in seiner Vorliebe für langgliedrige Figuren von Lehmbruck anregen ließ, und weist nach, dass es genau umgekehrt war: Mueller malte bereits 1903 seinen Frauenakt "Maschka als Lucretia" mit überlangen Gliedmaßen, während Lehmbruck seine berühmte "Kniende" erst 1912 in Berlin zeigte. Obwohl "Maschka als Lucretia" sowohl formal als auch hinsichtlich der Farbigkeit noch nicht den späteren Personalstil Muellers ahnen lässt, verstehen die Ausstellungsmacher das Bild dennoch aus guten Gründen als Schlüsselwerk Muellers und zeigen es als Einstieg in die Werkschau.

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