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Leo Castelli: Der Promoter der Pop Art

Der Wahlamerikaner erkannte, dass nach dem 2. Weltkrieg nur europäische Moderne in US-Museen hing. Von da an engagierte er sich clever für Pop und Minimal Art. Ein System ausländischer Satellitengalerien garantierte globalen Erfolg.

von Christian Herchenröder
Andy Warhol: Das Porträt von Leo Castelli versteigert Christie's 2007 für 1.7 Millionen Dollar. Quelle: Christie's Images 2011
Andy Warhol: Das Porträt von Leo Castelli versteigert Christie's 2007 für 1.7 Millionen Dollar. Quelle: Christie's Images 2011

BerlinDer zierliche Mann im Mailänder Schneideranzug hatte Aura. Ein wenig selbstverliebt, polyglott, sehr distinguiert und sachlich gab er stets bereitwillig Auskunft über seine Künstler und seinen Beruf. Leo Castelli (1907-1999) oder "Leo der Löwe", wie ihn die New Yorker Kunstwelt nannte, hatte nicht die Ausstrahlung eines geldgierigen, mit allen Wassern gewaschenen Kunsthändlers, er wirkte eher wie ein Harvard-Professor oder kultivierter Banker. Und doch war er der größte Galerist seiner Ära.

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Als er 1957 an der New Yorker 7 East 77th Street seine Galerie eröffnet, ist er kein Marktnovize. Der in Triest geborene Spross einer jüdischen Bankiersfamilie, der in Mailand Jura studiert hatte, war 1935 mit seiner Frau Ileana Schapira aus dem faschistischen Italien nach Paris ausgewandert. Dort hatte er nach einer Periode kulturellen Müßiggangs vier Jahre später mit dem Pariser Möbeldesigner René Drouin eine Galerie an der Place Vendôme eröffnet, in der die Surrealisten Salvador Dalí, Max Ernst, Leonor Fini, Meret Oppenheim mit Gemälden, Skulpturen und Kunstgewerbe brillierten. Doch es ist nur ein Intermezzo, das der Einmarsch der Deutschen wenige Monate später beendet.

Auf Umwegen erreicht Castelli mit Frau und rumänischen Schwiegereltern im März 1941 New York. Wieder geht der literarisch und kunsthistorisch hoch Gebildete keine feste berufliche Verpflichtung ein, sondern betreibt persönliche Fortbildung in den Museen.Nach seiner Entlassung aus der amerikanischen Armee intensiviert Castelli seine Museumsbesuche. Vor allem das 1929 gegründete Museum of Modern Art und sein Leiter Alfred A. Barr - der auch Werke der in Nazi-Deutschland verfemten Expressionisten ankaufte - werden für ihn zum ästhetischen Wegweiser, wenn auch in anderer Richtung. Er sieht die Vorherrschaft der europäischen, vor allem der französischen Malerei in den amerikanischen Tempeln der Kunst. Er erkennt, dass die amerikanischen Sammler die Künstler ihres eigenen Landes als zweitrangig betrachten.

Durch engen Kontakt mit dem New Yorker Kunstkritiker Clement Greenberg und dem Maler Robert Motherwell wird Castelli zur amerikanischen Gegenwartskunst geführt, deren Vertreter noch in den späten vierziger Jahren kein solides wirtschaftliches und gesellschaftliches Fundament im Lande hatten.

1948 gründete der Kunstsammler und Textilfabrikant Sidney Janis seine renommierte Galerie in der 57. Straße. Auch er konzentrierte sich zwar zunächst auf die europäische Moderne (Léger, Mondrian, Brancusi, Duchamp), nimmt später aber nicht zuletzt durch Anregung Leo Castellis die abstrakten Expressionisten in sein Programm auf. Der freiberuflich arbeitende Kunstvermittler Castelli erwirbt bei ihm auf Raten und mit geborgtem Geld Werke von Klee, Mondrian, Gorky, Dubuffet und vier Gemälde von Jackson Pollock.

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