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Leonardo da Vinci: Göttliches Licht

Das konnte keiner so wie Leonardo: Die Farbe dünn in Schichen auftragen und so das Licht einfangen, um eine überirdische Atmosphäre zu schaffen. London widmet dem Publikumsliebling jetzt eine Jahrhundertausstellung.

Leonardo da Vinci, „The Virgin of the Rocks“ (Ausschnitt) Quelle: © The National Gallery, London
Leonardo da Vinci, „The Virgin of the Rocks“ (Ausschnitt) Quelle: © The National Gallery, London

LondonEr war von Anfang an in Mode, über Geschmackstrends erhaben, Schöpfer von unbezahlbaren Kultobjekten, ein Superstar. In einer Jahrhundertausstellung zeigt die Londoner Nationalgalerie Leonardo da Vinci als religiösen Maler. Der Renaissancekünstler Vasari beschreibt, wie Leonardos großer „Cartone“, die Zeichnung der Heiligen Familie mit St. Anna und Johannes, 1501 in Florenz in der Basilika Santissima Annunziata gezeigt wurde: „Zwei Tage lang kamen Männer und Frauen, jung und alt, um das Wunder zu sehen, wie ein heiliges Fest.“

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Nun feiert London wieder so ein Fest, die erste Ausstellung, die Leonardo, dem Maler, nicht nur dem Zeichner, gewidmet ist. Zehn seiner 16 überkommenen Gemälde werden gezeigt, nicht viel, aber mehr, als man wohl je wieder an einem Ort sehen wird.

Auch der „Cartone“ ist dabei. Als die Nationalgalerie 1962 unerhörte 800.000 Pfund dafür bezahlte, kamen in wenigen Monaten über eine Million Menschen und spendeten. 1987 schoss ein Verrückter mit einer Schrotflinte in das Bild. Von Ergriffenheit zum religiösen Wahn ist es bei Leonardo nie weit. Die Londoner Ausstellung geht dieser Faszination auf den Grund. Bisherige Ausstellungen vertieften unser Bild Leonardos als Universalgenie, säkularisierten ihn zum Rationalisten, als sei er unser Zeitgenosse. In London steht er als religiöser Maler und Porträtist vor uns.

Neben dem „Cartone“ hängt der in den USA entdeckte „Salvator Mundi“, Christus als Welterlöser, eine Kombination byzantinischer Archaik und kostbarer Feinmalerei. Das verschollen geglaubte Bild tauchte unter Übermalungen eines Bildes auf, das als zeitgenössische Kopie galt.

Vermutlich wurde es 1519 zusammen mit der „Mona Lisa“ und anderen Leonardos dem französischen König verkauft – für die riesige Summe von 6 250 „livres imperiali“. Nun soll der „Salvator“ für 140 Millionen Euro auf dem Markt sein. „Es ist ohne jeden Zweifel ein Leonardo, ich würde mich dafür pfählen lassen“, sagt der Kurator der Ausstellung, Luke Syson. Der Beweis ist für ihn die zum Segen erhobene Hand. Nur Leonardo konnte so malen.

Kaum gefärbte Farblasuren sind Schicht um Schicht übereinandergelegt. Statt Farbe und Pigment sieht man Licht, das sich in den Lasuren bricht wie bei der „Mona Lisa“. „Die Figuren scheinen zu leben und zu atmen. Es läuft einem den Rücken hinunter“, beschreibt der Oxforder Leonardo-Spezialist Martin Kemp den Effekt.

  • 13.11.2011, 02:21 UhrFortuna

    Ein ergreifender Artikel, wie müssen da erst die Bilder sein ...

    Es wäre schön, wenn das Auge des Betrachters in jeder Familie die Heiligkeit erkennen könnte - auch das teilt da Vinci uns mit.

  • 12.11.2011, 20:10 UhrAnonymer Benutzer: www

    Auch wenn ja seit Benjamin und Postmoderne so ziemlich alles im Auge des Betrachters zu liegen scheint:

    Die heilige Familie erscheint im Neuen Testament.

    Der Sündenfall ist immer noch, auch kunsthistorisch, Bestandteil des Alten Testaments.

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