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Moderne Auktionen: Glänzender Auftakt in London

Der Markt für Impressionisten und moderne Kunst zeigt sich in London stark. Kunstsammler bezahlen bei Christie’s und Sotheby’s Höchstpreise – aber nur für das Beste. Rekordpreise erzielen Werke von Miró und Henry Moore.

Hochspannung im Saal: Henry Moores „Reclyning Figure: Festival" kommt unter den Hammer. Quelle: VG Bild-Kunst / Christie’s Images Limited 2012
Hochspannung im Saal: Henry Moores „Reclyning Figure: Festival" kommt unter den Hammer. Quelle: VG Bild-Kunst / Christie’s Images Limited 2012

LondonIm November 2011 in New York war Christie’s Moderne-Auktion ein veritabler Flop – mit einer Rückgangsrate von 38 Prozent der Lose und einem enttäuschenden Gesamtergebnis. Hohe Schätzungen für zu schlechte Qualität stießen auf Ablehnung. Diese Woche wetzte Christie’s die Scharte in London aus. „Es war eine Traumauktion. Was für ein fantastischer Beginn für das neue Jahr“, freute sich Christie’s Chefspezialist Thomas Seydoux über eine Abendauktion, die mit 135 Millionen Pfund die obere Schätzung deutlich übertraf und mit einer Rückgangsrate von nur 14 Prozent der Lose glänzte.

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Es gab vier Zuschläge über 10 Millionen Pfund, einen marktverändernden Ausreißerpreis für eine große Henry-Moore-Skulptur. Nach zweieinhalbstündiger Auktionsschlacht verließen die Kunstmarktakteure den Auktionssaal erhobenen Hauptes. Das glänzende Ergebnis wurde am nächsten Tag mit Christie’s glänzender Tagauktionen (25 Millionen Pfund) und einer sehr passablen Abendauktion bei Sotheby’s (79 Millionen Pfund) bestätigt: Es läuft in allen Sparten rund.

Kunstmarkt

Was machte den Unterschied? „Die Qualität der Arbeiten und unsere vorsichtigen Schätzungen“, sagt Seydoux. Angeführt von der Hamburger Sammlung Hubertus Wald steuerten sechs Privatsammlungen rund 40 Prozent der Lose bei. Das brachte nicht nur begehrte, marktfrische Ware, sondern ersparte es Christie’s, Auktionsware mit zu hohen Versprechungen anlocken zu müssen – das alte Kreuz mit den Garantiesummen. Gute Kunst ist eben knapp. Sotheby’s hatte weniger Glück und musste in seiner kleineren Auktion bei einigen zu hohen Taxen die entsprechenden Abstriche hinnehmen.

Nicht gerade dezent geschätzt war bei Christie’s allerdings Juan Gris’ wunderbares kubistisches farbenfrohes Stillleben „Le livre“ von 1914/15, seit den 1950er- Jahren in einer Schweizer Familiensammlung. Es hätte der Sieger der Woche werden sollen. Thomas Seydoux hatte 12 bis 18 Millionen Pfund angesetzt, denn Gris’ Werke aus dieser kubistischen Periode erzielten zuletzt Preise bis 28 Millionen Dollar. Aber Seydoux räumte ein, dass er zu hoch gegriffen hatte. In der Auktion wurde das erfolgreiche Telefongebot genau so übermittelt, dass die Reserve getroffen wurde: Mit Aufgeld ergaben sich doch recht ansehnliche 10,3 Millionen Pfund (brutto) oder 12,4 Millionen Euro.

Lebhafter wurde Henry Moores große Bronze „Festival“ beboten, ein Staatsauftrag für das Festival of Britain 1951 und die früheste aus einem halben Dutzend großer Meisterbronzen Moores. Der Kölner Händler Alex Lachmann, der in der Regel für russische Kundschaft bietet, setzte sich lässig gegen intensive Konkurrenz durch und bezahlte 19 Millionen Pfund (23 Millionen Euro) – die Schätzung war 3,5 bis 5,5 Millionen. Der New Yorker Immobilienunternehmer Sheldon Solow hatte das Werk 1994 bei Sotheby’s für 2 Millionen Dollar ersteigert. Von der Auflage von fünf (plus 1 Künstlerexemplar) sind noch drei in Privatbesitz.

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