Kunstmarkt

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Pariser Kunstauktionen: Ausländische Bieter tragen das Geschäft

Mehr als eine Milliarde Umsatz haben die 80 Pariser Auktionshäuser 2012 gemacht. Damit erzielten sie nur wenig mehr als 2011. Verantwortlich für das Ergebnis sind finanzkräftige Käufer und die ausländischen Niederlassungen, die für immer mehr Einlieferungen sorgen. Auch die wachsende Zahl von Internet-Auktionen macht sich bemerkbar.

Die seltene Guanyin-Skulptur aus Holz aus Nordchina (ca. 13. Jahrhundert) realisierte 9 Millionen Euro in Paris. Quelle: Christie's Images Ltd. 2012
Die seltene Guanyin-Skulptur aus Holz aus Nordchina (ca. 13. Jahrhundert) realisierte 9 Millionen Euro in Paris. Quelle: Christie's Images Ltd. 2012

Paris2012 setzten die 80 Pariser Auktionshäuser 1,05 Milliarden Euro um. Damit lagen sie leicht über dem Vorjahresergebnis. Das grenzt an Zahlenzauberei, denn nur wenige Versteigerer konnten finanziell expandieren, unter ihnen das Haus Artcurial-Briest-Poulain-F.Tajan. Die Mehrheit setzte weniger als im Jahr 2011 um. Immerhin legte der Pariser Auktionsmarkt 2012 um 2,5 Prozent zu.

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An die Spitze setzt sich die Auktionsplattform „Hôtel Drouot“, deren 74 Auktionatoren gemeinsam 409 Millionen Euro Umsatz erzielten. Da auch die nicht zur Drouot Aktiengesellschaft zählenden Häuser Tajan, Pierre Bergé & Associés und Artcurial für insgesamt 22,1 Millionen Euro im Drouot versteigerten, wurden dort zusammengenommen 431 Millionen Euro umgesetzt. Die umsatzstärksten Auktionatoren Pierre und Arnaud Cornette de Saint Cyr, Claude Aguttes, Piasa und Beaussant-Lefèvre verbuchten jeweils zwischen 37 bis 23 Millionen Euro.

Christie’s führt das Ranking an

Wie 2011 führt Christie's die Pariser Ranking-Tabelle mit einem Gesamtumsatz von 231,4 Millionen Euro an. Die Summe beinhaltet erstmals die früher verbotenen Direktverkäufe. Sie betragen 37,9 Millionen Euro. Christie's reine Auktionstätigkeit beläuft sich so auf 193,5 Millionen Euro. Damit setzte Christie’s etwas mehr um als der Hauptkonkurrent Sotheby's, der 182 Millionen Euro in seiner Bilanz stehen hat. Hinzu kommen die Direktverkäufe. Sie machen „etwa zehn Prozent“ aus, wie Sotheby's Generaldirektor und Europa-Vizepräsident Guillaume Cerutti im Gespräch vage informiert.

Artcurial verbessert seinen Umsatz

Das ehrgeizige Haus Artcurial-Briest-Poulain-F.Tajan verbesserte seinen Umsatz von 127 auf 144,2 Millionen Euro. Bedauernd weist es darauf hin, dass die wegen eines Erbenstreits kurzfristig vom Pariser Landgericht verbotenen Auktionen der Sammlung Liuba und Ernesto Wolf verhinderten, dass die geplanten 150 Millionen Euro erreicht wurden. Die beiden Sessions sollten ursprünglich am 4. und 12. Dezember stattfinden.

Das von Rodica Seward geführte Auktionshaus Tajan hat 40,2 Millionen Euro in den Büchern stehen, etwas weniger als 2011. Pierre Bergé & Associés dagegen, die seit September 2012 fast nur in Paris versteigerten, schnitten mit 20,2 Millionen Euro besser ab als 2011. Damals fand das Gros der Auktionen in Brüssel statt.

Louise Bourgeois (1911-2010): "Spider", Stahl, 47 x 155 x 102 cm, versteigert für 3.4 Millionen Euro. Quelle: Christie's Images Ltd. 2013
Louise Bourgeois (1911-2010): "Spider", Stahl, 47 x 155 x 102 cm, versteigert für 3.4 Millionen Euro. Quelle: Christie's Images Ltd. 2013

2012 beschlossen mehrere Pariser Versteigerer endlich die Gründung von Filialen und Partnerschaften im Ausland: Artcurial ging ein Joint-Venture in Peking ein und eröffnete anschließend Büros in Mailand und Brüssel. Der junge Auktionator Arnaud Cornette de Saint Cyr versteigerte in Paris und Brüssel. Auch Alexandre Millon eröffnete einen Auktionssaal in Brüssel und versteigerte in Jerusalem und Dubai gemeinsam mit Partnern. Die Initiativen in Richtung auf einen weltweiten Markt sind ein positives Signal; einmal abgesehen von der Millon und Opera Gallery Auction in Dubai am 22. Oktober, für die ein Moise Kisling zugeschriebenes Gemälde mit der haarsträubenden Provenienz „Collection Jagers, Köln; Collection Beltracchi, Palma“, katalogisiert worden war.

Direktverkäufe auf lange Sicht entscheidend

Die bereits erwähnten Direktverkäufe der Auktionshäuser an private Käufer oder öffentliche Institutionen sollen laut Christie's auf lange Sicht das Hauptgeschäft werden. Die Auktionsergebnisse würden dann nur noch den Gipfel des Eisbergs darstellen. Vorläufig konstatiert Christie’s, die Zahlen der privaten Transaktionen seien nicht kontrollierbar, die Kommission der Auktionatoren bleibe geheim, die ohnedies nur illusionäre Transparenz gehe völlig verloren. Da die französischen Galeristen ihre Umsätze selbstbewusst auf etwa dieselbe Höhe wie die der Auktionatoren in ganz Frankreich einschätzen, also auf rund 2 Milliarden Euro, versteht man die Begehrlichkeiten.

Sprunghafter Anstieg der Internet-Auktionen

Parallel zum Ausbau der internationalen Niederlassungen weiteten die Pariser Auktionatoren das Mitsteigern via Internet aus. Dessen prozentualer Anteil am Umsatz stieg im letzten Jahr sprunghaft an. Bei „Christie's Live“ wuchs er um 53 Prozent auf 7,5 Millionen Euro.

Starke Bieter aus China

Paris bleibt eine internationale Kunstmarkt-Drehscheibe, wie der Anteil der ausländischen Käufer bei Artcurial und bei Sotheby's. Er beträgt je 67 Prozent. „Je höher der Preis klettert, umso weniger Franzosen bieten mit“, erklärt François Tajan (Artcurial). Besonders die Asiatika-Auktionen ziehen ausländische, meist chinesische Käufer an. Sie halten die Pariser Bilanz auf ihrem bisherigen Umsatz-Niveau.

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Pablo Picasso, "Tête de Femme, (Dora Maar)", 1939-1940, Öl auf Leinwand, erzielte 6,3 Millionen Euro. (Ausschnitt) Quelle: Sotheby's Paris
Pablo Picasso, "Tête de Femme, (Dora Maar)", 1939-1940, Öl auf Leinwand, erzielte 6,3 Millionen Euro. (Ausschnitt) Quelle: Sotheby's Paris

Zu den zwei teuersten Losen in 2012 gehörte eine nordchinesische geschnitzte Holzskulptur des Guanyin aus dem 13. Jahrhundert. Sie wurde von dem Londoner Händler Giuseppe Eskenazi per Telefon am 19. Dezember bei Christie's für mehr als 9 Millionen Euro ersteigert. Der Schätzpreis betrug 200.000 bis 300.000 Euro. Ein kaiserliches, auf Seide gemaltes Album aus der Zeit von Qianlong fuhr mit 7,8 Millionen Euro das zweithöchste Ergebnis des Jahres ein. Es wurde am 12. Juni im Hôtel Drouot von Christoph Joron-Derem zugeschlagen. Picassos „Frauenporträt (Dora Maar)“ von 1939/40 wurde mit 6,3 Millionen Euro das teuerste Gemälde im Auktionsjahr 2012. Der Zuschlag vom 30. Mai ging auf das Konto von Sotheby’s.

65 Mal über 1 Million Euro

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Um den internationalen Stellenwert des Kunstmarktplatzes Paris zu unterstreichen, geben die großen Auktionshäuser inzwischen die Herkunftsländer ihrer Einlieferer und die Namen der Sammler an, die ganze Kollektionen verkaufen. Sotheby's höchst dotierte Sammlung lieferten die Amerikaner Zaira und Marsel Mis ein. Sie brachte am 24. Oktober 19,1 Millionen Euro. Anzumerken wäre noch, dass der Hammer 65 Mal über der Ein-Millionen-Grenze fiel. Im Vorjahr waren es noch 75 Mal.

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