Kunstmarkt

_

Streit um Fotoserie: Beuys-Witwe unterliegt vor BGH

Schlappe für Beuys-Witwe: Sie kann das Ausstellen einer Fotoserie ihres Mannes aus dem Jahr 1964 nicht verbieten, entschied der BGH. Das Beuys-Museum Schloss Moyland darf 18 Fotos wieder zeigen.

Das Museum Schloss Moyland: Eine Foto-Serie von Joseph Beuys darf wieder gezeigt werden. Quelle: dpa
Das Museum Schloss Moyland: Eine Foto-Serie von Joseph Beuys darf wieder gezeigt werden. Quelle: dpa

Karlsruhe/DüsseldorfEnde eines jahrelangen Rechtsstreits: Die Witwe des Künstlers Joseph Beuys kann das Ausstellen von Fotos einer Fett- und Schokoladenaktion ihres Mannes von 1964 nicht mehr verbieten. Das Beuys-Museum Schloss Moyland im niederrheinischen Bedburg-Hau darf 18 Fotos der Aktion wieder zeigen. Der Bundesgerichtshof (BGH) hob am Donnerstag letztinstanzlich ein Urteil des Oberlandesgerichts Düsseldorf auf und änderte ein Landgerichtsurteil ab, wonach das Museum vor vier Jahren die Foto-Serie abhängen musste (AZ: I ZR 28/12).

Anzeige

Die Verwertungsgesellschaft Bild-Kunst, die die Interessen der Künstler-Witwe Eva Beuys vertritt, muss die Kosten des Rechtsstreits tragen. Der Streitwert für die Revision wird auf 200 000 Euro festgesetzt.

Der Vorsitzende BGH-Richter Joachim Bornkamm sprach von einem „interessanten und nicht ganz einfachen Fall“. Nach Ansicht der Klägerin sind die Fotos der Aktion eine „unzulässige Bearbeitung“. Um das beurteilen zu können, hätte man aber die ganze Original-Aktion kennen müssen, sagte Bornkamm bei der Urteilsverkündung. „Wir kennen nur einzelne Aspekte.“ Eine Aufzeichnung der Aktion gibt es nicht. Bornkamm verwies auch darauf, dass Beuys die Fotoserie selbst inszeniert habe.

Joseph Beuys (1921-1986) hatte vor 50 Jahren live in der ZDF-„Drehscheibe“ aus Margarine-Riegeln eine Fettecke hergestellt, mit Schokolade ein Transparent gemalt und einen Spazierstock mit Fett verlängert. Der Fotograf Manfred Tischer hatte die exzentrische Performance auf Wunsch von Beuys festgehalten.

Lenbachhaus München will Beuys-Zentrum werden

In vier Monaten eröffnet das Lenbachhaus in München seinen Erweiterungsbau. Joseph Beuys soll darin eine wichtige Rolle spielen. Weiter ausgebaut wird die Kooperation mit Stiftern und Sammlern. Davon profitiert auch das alte Lenbachhaus.

Lenbachhaus: München will Beuys-Zentrum werden

18 Fotos davon stellte das Beuys-Museum aus, musste sie aber 2009 wieder abhängen. Das Landgericht und das Oberlandesgericht Düsseldorf sprachen das Urheberrecht an den Aufnahmen des 2008 gestorbenen Fotografen Eva Beuys zu. Nach Ansicht der Düsseldorfer Richter hatte Tischer die Aktionskunst von Beuys durch die Fotos umgestaltet. Die Ausstellung hätte deshalb von der Witwe genehmigt werden müssen.

Das Museum geht davon aus, dass ein „Medienstar“ wie Beuys, für den Öffentlichkeit wichtig war, mit der Präsentation der Fotos einverstanden gewesen wäre. „Wir sahen deshalb keine Notwendigkeit nachzufragen“, sagte die künstlerische Direktorin Bettina Paust, am Donnerstag am Rande der BGH-Verhandlung der Nachrichtenagentur dpa.

Der Anwalt der Beuys-Witwe und damals zuständige Vorstand der VG Bild-Kunst, Gerhard Pfennig, hatte betont: Es gehe nicht darum, Dokumentationsfotografie zu verbieten. Aus der Live-Aktion eine eigene Foto-Serie zu machen, sei aber unzulässig. Ein Vertreter der VG Bild-Kunst sagte in der Verhandlung: „Eine Serie von 18 Aufnahmen, die die Aktion wiedergeben soll, war von der Einladung, Fotos zu machen, nicht gedeckt.“

Mit der Entscheidung sei „ein wichtiger Sieg für die Kunst errungen“ worden, teilte das Beuys-Museum Schloss Moyland am Abend in Bedburg-Hau mit. „Mit diesem Urteil ist die Gefahr gebannt, dass Fotografien von dynamischen Kunstwerken nicht mehr ohne Zustimmung des Künstlers oder seiner Erben ausgestellt werden dürfen.“ Der öffentliche und wissenschaftliche Zugang zu solchen Werken sei damit vorerst gesichert.

  • 17.05.2013, 09:21 UhrMichel

    Wie schön das es noch Menschen gibt, die sich ihre Zeit mit dererlei Kleinkram vertreiben können und noch dazu unsere Gerichte zumüllen.

  • Die aktuellen Top-Themen
Frankfurter „Tatort“: Joachim Król vermisst Partnerin – und hört auf

Joachim Król vermisst Partnerin – und hört auf

Im November wird der Schauspieler ein letztes Mal als Frankfurter „Tatort“-Kommissar vor der Kamera stehen. Der Grund für seinen Weggang: Der Abschied seiner Partnerin Nina Kunzendorf.

Gesundheits-Studie: Woran die Deutschen leiden

Woran die Deutschen leiden

Fast Zweidrittel der Deutschen sind zu dick, jeder Zehnte hat Dauerstress und jeder zweite Mann trinkt gefährlich zu viel. In einer Großstudie analysiert das Robert-Koch-Institut, wie krank die Deutschen wirklich sind.

WDR-Intendantenwahl: Schafft es Tom Buhrow ganz nach oben?

Schafft es Tom Buhrow ganz nach oben?

Am Mittwoch entscheidet der WDR-Rundfunkrat, wer Monika Piel als Intendant beerben wird. Auch „Tagesthemen“-Moderator Tom Buhrow ist im Rennen. Er wäre nicht der erste bekannte Journalist auf dem Chefsessel des WDR.

  • Business Wetter
Eine junge Dame wirbt für Parship

Wer passt zu mir?

Finden Sie jetzt den passenden Partner. Partnersuche nur mit PARSHIP!