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Teilen in Netz: Cranach für alle

Lucas Cranach d.Ä. fasziniert Museumsbesucher weltweit. Soeben ist eine kostenlose Bild-Datenbank online gestellt worden. Da kann sogar der Laie mit der Vorzeichnung unter der Malschicht den Entstehungsprozess studieren.

Lucas Cranachs "Lucretia" bei einer Auktion in New York. Quelle: Reuters
Lucas Cranachs "Lucretia" bei einer Auktion in New York. Quelle: Reuters

DüsseldorfLucas Cranach der Ältere (1472-1553) war nicht nur einer der produktivsten Maler und Graphiker der deutschen Renaissance. Auch als Verleger und Buchhändler, als Apotheker und Papierhändler machte der Hofkünstler gute Geschäfte. Mit seiner riesigen, arbeitsteilig organisierten Werkstatt zusammen signierte der Manager unter den Bild-Erfindern mehr als 1500 Gemälde. Ein Volumen, das Privatgelehrte, die ein kritisches Werkverzeichnis schreiben wollen, unverzüglich in die Defensive bringt.

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Ende des gedruckten Werkverzeichnisses

Bislang war der 1931 publizierte und 1978 wieder aufgelegte Werkkatalog von Friedländer/Rosenberg maßgeblich. Hier führen aber nur 450 Schwarz-Weiß-Abbildungen zum stark ausgedünnten Werk. Die für Zu- und Abschreibungen unerlässlichen Vergleichsabbildungen fehlen gleich ganz. Damit ist die Entscheidung für „eigenhändig“ oder „Werkstattarbeit“ für den Leser oft nicht mehr nachvollziehbar.

Der abfällige Blick auf Cranachs „Serienproduktion“ von Friedländer/Rosenberg ist in der heutigen Kunstgeschichte längst dem Respekt vor der Logistik dieses für katholische wie für protestantische Auftraggeber arbeitenden Bildschöpfers gewichen. Seit vergangener Woche kann nun jeder Kunstsammler, Altmeisterhändler oder Museumsbesucher tief eintauchen in Cranachs gewaltigen Bilderkosmos. Das Digitale Cranach Archiv ist kostenlos online gegangen.

Die deutsch und englisch gehaltene Datenbank liefert zoombare Farbaufnahmen bester Qualität, Vergleichsabbildungen sowie Infrarot-Reflektografien. Der User kann sich also berauschen an faszinierenden Details von Cranachs Bildtafeln. Er kann aber auch eintauchen in die bisweilen verwickelte Diskussion um Bildtitel, Händescheidung und Übermalungsgeschichte von Cranachs Bildtafeln. Jeder Kunstfreund vermag sich jetzt selbst ein Bild zu machen von Zustand, Forschungsdiskussion und Referenzwerken. Eine wichtige Hilfestellung für den Altmeisterhandel, wenn er den richtigen Preis ermitteln will. Denn herausragende Gemälde von Lucas Cranach dem Älteren haben zuletzt auf dem Auktionsblock einstellige Millionenpreise eingefahren.

Demokratisierung der Forschung

Mit dieser mustergültigen Plattform hat der auf Herrschaftswissen basierende Oeuvrekatalog ausgedient – zumindest für die zwei Generationen lang arbeitende Cranach-Werkstatt. Hier nutzt die Internet-Generation die Chancen der Technik für die Demokratisierung der Cranach-Forschung. Es ist auch ein Vorzeigeprojekt, was die Zusammenarbeit von Kunsthistorikern mit Restauratoren, Naturwissenschaftlern und in der zweiten Projektphase auch mit Historikern betrifft. Diese Form des An-einem-Strang-Ziehens ist in Deutschland nicht allgemeiner Standard.  

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