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Tomasso Brothers: 3-D-Blick auf das Schöne

Mit ihrem ersten Messeauftritt auf der TEFAF in Maastricht im März sind die drei Tomasso-Brüder aus Leeds an der Spitze des weltweiten Skulpturenhandels angekommen.

Die Tomasso-Brüder: Raffaello, Giovanni (Johnny) und Dino (l-r) Quelle: Pressefoto
Die Tomasso-Brüder: Raffaello, Giovanni (Johnny) und Dino (l-r) Quelle: Pressefoto

LeedsDrei Brüder sitzen in ihrer Kunsthändlerbibliothek um einen Schreibtisch, essen Fish & Chips aus dem Papier und erklären, wie man um die Ecke sieht. „Man kann es nicht erklären, es ist Erfahrung, Intuition“, behauptet Dino und zeigt auf den Christie’s-Katalog mit der Elfenbeinskulptur einer Thronmadonna, die im November in Paris 6,3 Millionen Euro kostete. „Ich sehe das Foto und kann die Hinterseite riechen.“ Giovanni, der Älteste, nickt anerkennend zu seinem 3-D-Blick. „Jeff Koons hat die Skulptur gekauft, ein Künstler, der etwas von Alter Kunst versteht.“

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Raffaello, der Jüngste, schiebt das Fischpapier zur Seite und zoomt in ein dunkles Altmeisterbild auf dem Monitor. „19. Jahrhundert“, so die Katalogisierung. Raff hält es für älter. Die Mittagspause ist vorbei.

Raffaello ist das Auge, Dino der Geschäftsstratege, Giovanni der nachdenkliche Bücherwurm. Raffaello und Dino fahren Geländewagen von Audi und BMW. Giovanni zieht den leisen Bentley vor. Aber jeder der drei könnte die Arbeit der beiden anderen tun. Sie vertrauen sich blindlings. Jeder hat Vollmacht, irgendwo in der Welt Zehn- und Hunderttausende von Pfund, Dollar oder Euro für Kunst auszugeben. Meist ist einer auf Reisen, kauft oder verkauft oder sieht in der Londoner Dependance nach dem Rechten. Dass sie zu dritt in ihrer Kunsthandelsvilla bei Leeds sitzen, ist selten. „Unser Addams Family Castle“, lacht Dino über die Gründerzeitvilla mit Erkern und Türmen, angefüllt mit Kunst und Skulpturen.

Kunstmarkt

Wie sich diese drei Söhne eines italienisch-stämmigen Provinztrödlers, ohne Schulabschluss, ohne Beziehungen, nur mit Leidenschaft und Begeisterung an die Spitze des globalen Kunsthandels gearbeitet haben, erzählt auch, wie sich der Kunsthandel verändert hat. Wie die Einsätze immer höher, die Luft im Spitzenhandel immer dünner, der Blick auf das Schöne immer flüchtiger wird und wie sich das Interesse immer mehr auf eines konzentriert: Geld.

15 Jahre lang arbeiteten die „Tomasso Brothers“ im Hintergrund, als Großhändler, verkauften an andere Händler, versorgten Auktionshäuser mit Ware. Auf der Tefaf in Maastricht, der größten Kunstmesse der Welt, stammten oft bis zu 20 Prozent der Bronzen und Skulpturen an den Ständen der Händler aus dem Tomasso-Warenlager. Sie entdeckten unterbewertete und verkannte Kunst, vor allem Skulpturen, in englischen Provinzauktionen, in alten Sammlungen, auf Dachböden und Auktionen in ganz Europa. Aber dann sickerte das Geheimnis durch. Und der Trend zu immer teureren Objekten macht diesen breitgestreuten Handel immer unzeitgemäßer. Auch deshalb stellen die Tomasso Brothers im März zum ersten Mal selbst in Maastricht (16.-25.3.2012) aus.

Ein Auftritt , dem viele im Kunsthandel mit Spannung entgegensehen. Sie werden das Feinste zeigen, wie eine Version des „Farnese Bullen“ von Giovanni Francesco Susini aus dem 16. Jahrhundert oder das Marmorporträt König Ferdinands I. von Neapel aus dem 15. Jahrhundert: ein Renaissance-Porträt in Stein, wie man es heute eigentlich nur noch in Museen findet, ein Werk des erst vor ein paar Jahren identifizierten Bildhauers Gregorio di Lorenzo.

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