Londons schicke Designgalerien behaupten, gute Geschäfte zu machen. David Gill macht eine neue Galerie in Mayfair auf. In der Londoner „Frieze“-Woche bespielen Designgalerien erfolgreiche Satellitenmessen wie den „Pavillion of Art and Design“ und die Galerieschau „Superdesign“. Aber in den Auktionen sind die Luxusauflagen der „Design Art“ nach Jahren des Hype auf dem Rückzug. Der Bestpreis der Saison, Emile Jacques Ruhlmanns Paar Fauteuils „Gonse“ entstand 1930 und verdoppelte bei Phillips de Pury die Schätzung auf 1,4 Millionen Dollar – dabei laden diese Stühle unmissverständlich zum Sitzen ein. Eher auf der sitzharten Seite war das beste Angebot beim neuen Design im Angebot: Mathias Bengtsons „Slice“-Sessel aus lasergeschnittenem und geschichtetem Aluminium verdoppelte die Taxe auf 43.750 Pfund.
Wie Preise und Umsätze sinken, zeigen die ausufernden Auflagen von Ron Arad, dem Pionier von Edelstahlmöbeln. 2007 wurden von ihm 30 Werke mit Taxen über 20 000 Dollar angeboten, und zwei blieben unverkauft. 2011 waren es 35, und 20 gingen zurück. „Die Definition einer limited edition wurde völlig aufgeweicht. Sogar ein Designer wie Ron Arad, den ich sehr bewundere, hat sich von diesem Markt korrumpieren lassen“, sagt Jacobi. Die Sammler sind vorsichtig geworden.
Marc Newsons „Lockheed Lounge“, Inbegriff eines Möbels aus dem 21. Jahrhundert, brachte 2010 bei Phillips de Pury einen Rekordpreis von 2,1 Millionen Dollar. Aber sein „Pod of Drawers“ von 1987, der zwischen zwei Auktionsauftritten 2006 und 2007 den Preis auf 1,1 Millionen Dollar verdoppelt hatte, schaffte 2009 nur noch 458.500 Dollar und kostete 2010 noch 350.500 Dollar.
Jacobi kann kaum einen Zeitgenossen nennen, den er in seinen Designer Parnass erheben würde. Der Superstar der Designsammler, der Schweizer Galerist Bruno Bischofsberger, habe keinen einzigen Zeitgenossen in seiner Sammlung – „und nicht, weil er schon älter ist“, berichtet Jacobi.
Janice Blackburn dagegen setzt auf das „Anything goes“ einer Szene, in der angesagte Stars wie die Holländerin Hella Jongerius exquisite Einzelstücke für Sammler und Museen und Massenprodukte für Ikea macht. Arbeiten wie Zaha Hadids „Aqua“-Table prägen einen Epochenstil. Die Technologie erlaubt immer mehr „Customisation“ – im Zeitalter von Computerfräsen und 3-D-Druckern kann bald jedes Designprodukt ein Original sein. „Der Markt für junge Designer ist so breit wie nie“, glaubt Blackburn. Aber auch sie warnt: Bei Design gehe es nicht um Investition, sondern Lebensstil. „Ich rate meinen jungen Designern, macht einen großen Bogen um Auktionen.“