Eingefleischte Kunstsammler macht dieser Massenandrang nervös. Der New Yorker Sammler Adam Lindemann forderte spaßeshalber eine „Occupy Art Miami“-Bewegung gegen den Partyzirkus der Messen. In London attackierte der Urvater aller Sammler-Händler, Charles Saatchi, die „mystische Macht der Kunst über die Superreichen“. In seiner bemerkenswerten Tirade im „Guardian“ beklagte er den Bruch zwischen Kunstleidenschaft und der Szenerie von Lifestyle und Investment: „Kunstkäufer zu sein ist heutzutage rundum vulgär“.
Sotheby’s Experte Oliver Barker widerspricht nicht einmal. „Kunstsammeln war immer eine Aktivität des sozialen Aufstiegs. Schon in der Renaissance gab es Kunstgroupies. Wenn die Leute die Berechnungen von Mei Moses sehen, fangen sie eben an, Kunst als Investition ernst zu nehmen.“ Dabei spielen gerade Auktionsexperten das Investmentpotenzial von Kunst immer wieder herunter. „Wir sind keine Bank. Wir verkaufen großartige Kunst an Menschen, die sie leidenschaftlich lieben“, wehrt Barker ab. Auch Christie’s Europachef für Contemporary Art, Francis Outred, spielt den Investitionsaspekt herunter. „Wenn alles andere nichts gebracht hat, bringt Kunst wenigstens Freude und Genugtuung.“
Und was ist mit dem Stimmungswechsel von der Dekade des „irrationalen Überschwangs“ zur Dekade der Sparsamkeit? Die Bonus-Ausbeute der Banker in London ist auf das Niveau von 2003 geschrumpft. Die Boni fütterten einst den Mittelmarkt . Was, wenn die Superreichen statt Kunst zu sammeln, dem Beispiel der Supermilliardäre Warren Buffett und Bill Gates folgen und ihr Vermögen guten Zwecken stiften?
„Die 40, 50 Menschen, die an der Spitze des Marktes operieren, haben Positionen von so großem Wohlstand, dass sie von solchen Kommentaren nicht erreicht werden“, sagt Outred, der das Reden von „Bling Kunst“ überhaupt für „oberflächlich“ hält. Barker meint, vielleicht werde „weniger ostentative Kunst“ gekauft, aber Geschmack, Kunst und Sammler seien ohnehin immer im Umbruch. „Wir finden endlos neue Sammler, die immer wieder neue Erwerbungen und neue Künstler im Auge haben.“
Die führenden Galerien setzen auf die globale Vernetzung etablierter Künstler, weniger auf Experimentelles von jungen Talenten. Das zeigen die folgenden Seiten mit dem Besten in der zeitgenössischen Kunst. Fazit: Gegenwartskunst wird gebraucht, mehr denn je. Vielleicht als Investition. Ganz bestimmt aber, weil sie den Sammlern die Gewissheit gibt, von heute zu sein und mit ihrer Zeit zu leben.
Das lustige an Ben Kaufmann's Ausstieg aus der Galerieszene ist jedoch, dass er nicht zwangsläufig aus Not schließen musste. Er möchte sich jetzt einer Karriere als Fussballtrainer widmen!
gefundne hier: http://www.berlin-artparasites.com/people/interview-ben-kaufmann-gallery-316/
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