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Dress for Success: Die neue Woll-Lust

Etwas Warmes braucht der Mensch. Deshalb verarbeiten Modemacher in jüngster Zeit gern reine Wolle. Wie vor 3000 Jahren. Nur mit ganz neuen Maschen. Nicht nur zu Jacken, sondern selbst zu tierisch schicken Abendmoden.

Modetrend Die neue Lust auf Wolle

Der Top-Designer Mark Fast macht Wolle auch zu edlen Anlässen tragbar.

Quelle: Mark Fast

DüsseldorfDie Ton und Trend angebende Herrenmodemesse Pitti Uomo in Florenz schwelgte zum Auftakt des Modejahres in purer Wollust. Gestrickt, gewirkt, gewalkt, gemustert, gefärbt, total verfilzt oder gar kunstvoll zerrissen: Auf vielen Ständen sah es so aus, als hätten sich die Designer mit jeder Faser für einen neuen, jungen Auftritt der tierischen Naturfaser engagiert. Mal total lässig mit geschnittenen Kanten, dann wieder bewährt klassisch als adrettes Jackett.

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Dafür werden sogar Stil-Ikonen bemüht, wie J.F. Kennedy, nach dem eine luxuriöse Kaschmir-Kollektion benannt ist. JKennedy ist ein lässig-eleganter Präsidenten-Look von Kopf bis Fuß, einschließlich Hose und Jackett. Verdammt smart casual. So in etwa möchte man sich einen neuen Wulff im Schafspelz vorstellen. Der kann sich ja schon mal warm anziehen…

Für alle anderen Bewerber: Brit Chic bleibt angesagt, Harris-Tweed gibt scheinbar keinen Zentimeter ab vom in den letzten Jahren zurück eroberten Feld der Herrenmode. Am Arno sahen viele Models so aus, als hätten sie endgültig die Börsen-Plattform mit dem platten Land getauscht und setzten jetzt voll auf die weiche Währung Wolle. Aber bitte mit Stil. Selbst das deutsche Label Boss gab sich in Italien dezent rustikal und fast durchgängig naturfarben.

Und was trägt der Super-Softi im nächsten Winter? Nein, besser nicht das handgestrickte Weihnachtsgeschenk der Patentante, sondern vielleicht eine wie mit der Hand gestrickte Hose, quasi der neue (Ab-)Strampelanzug für das Kind im Manne oder eine daunengefütterte Strickjacke von Kaschmir-König Brunello Cucinelli.

Inge Hufschlag, Modekritikerin Quelle: Alexander Basta
Inge Hufschlag, Modekritikerin Quelle: Alexander Basta

Auch ein Prince of Wales wählt Wolle. Charles adelt als Schirmherr „The Campaign for Wool“ der internationalen Promotion-Company Woolmark. Die eröffnete gerade in Düsseldorf ihren ersten Showroom in Europa. Dort zeigte Top-Designer Mark Fast aus London („meine nächste Kollektion heißt „Faster“), wie bestrickend reine Wolle sein kann mit einem Schuss Lycra für mehr Elastizität. Seine Models tragen sie wie eine zweite Haut zu Markte, partiell spinnwebfein mit raffinierten Durchbrüchen, dann wieder voluminös wie ein eigenes Fell. Die Sunday Times kommentierte: „Strick verbindet sich enger mit dem Träger als konfektionierte Mode oder sogar Korsetterie.“ Sieht so aus.

So gewinnt Wolle neue Liebhaber und scheint – allen textilen Innovationen zum Trotz - ein durchaus strapazierfähiger, krisenzeitloser Trend zu sein. Doch, Vorsicht, Motten! Die Viecher sind Feinschmecker und knabbern gern an teurer Wolle. Deshalb nie einen frisch getragenen Kaschmir-Pulli in den Schrank legen, sondern gut auslüften. Man kann’s auch mit Lavendel, Zedernholzkugeln oder speziellen ätherischen Ölen versuchen, oder die Strickteile einfrieren. Das mögen Motten nicht. Ebenso wenig wie Druckerschwärze, behauptet ein Internet-Ratgeber und empfiehlt, Pullover in Zeitungspapier einzuwickeln (zum Beispiel Handelsblatt).

Und wenn’s trotz aller Vorsicht zum Mottenfraß kommt? Top-Label pflegen nicht nur ihre Marken, sondern auch die besten Teile ihrer Kundschaft. Und wenn nicht? Brunello Cucinello beteuerte neulich in einem Interview, sich nie im Leben von einem Lieblingspulli trennen zu können, noch nicht einmal, wenn jede Menge Löcher drin sind: „Den nehmen wir dann zum Möbel polieren. Kaschmir schont empfindliche Flächen.“

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